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Auslandsaktien: Ruhe vor der EZB

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Warten auf die EZB, heißt am heutigen Donnerstag die Devise im Handel mit Auslandsaktien, so die Deutsche Börse AG.

"Seitdem Mario Draghi in der vergangenen Woche Interventionen durch die Zentralbank signalisiert hat, ist am Markt etwas Beruhigung eingekehrt", berichte Walter Vorhauser von Close Brothers Seydler. Die seit dem zu beobachtenden Kursgewinne an den Aktienbörsen seien vor allem auf die Eindeckung von Leerpositionen zurückzuführen: "Viele haben auf weiter fallende Kurse gesetzt und sind von Draghi, Schäuble, Merkel und Co. dann auf dem falschen Fuß erwischt worden. Es kam daher zu Neupositionierungen."

Nun warte alles darauf, ob die Europäische Zentralbank im Rahmen der Ratssitzung am heutigen Donnerstag auch wirklich liefere. "Es ist ein langwieriges Geschäft - alle halten die Füße still", merke Roland Stadler von der Baader Bank an.

EZB-Präsident Mario Draghi habe am vergangenen Donnerstag angekündigt, "alles Erforderliche" zu tun, um den Euro zu erhalten. An den Finanzmärkten sei dies unter anderem als Hinweis auf neue Anleihekäufe der Notenbank in der Europeripherie aufgefasst worden, um die Zinslast der Krisenländer Spanien und Italien zu drücken.

"Die meisten Marktteilnehmer stufen neue Anleihekäufe durch die EZB mittlerweile für unumgänglich ein. Die damit verbundenen Risiken wie etwa eine steigende Inflation werden bislang allerdings vernachlässigt", merke Vorhauser dazu kritisch an.

Die Umsätze im Auslandsaktienhandel hätten laut Vorhauser in der vergangenen Woche leicht zugelegt, würden sich aber weiter auf unterdurchschnittlichem Niveau bewegen. "Aus technischer Sicht befinden wir uns weiter im Abwärtstrend", erkläre der Market Maker.

Unter der anhaltenden Schuldenkrise und den Turbulenzen an den Anleihemärkten Europas leide auch die Schweizer Großbank UBS (ISIN CH0024899483/ WKN UB0Bl6), deren Nettogewinn im zweiten Quartal auf 425 Mio. CHF (350 Mio. Euro) eingebrochen sei. Im Vorjahresquartal sei es mehr als doppelt so viel gewesen. Schuld an dem Gewinneinbruch sei neben der Schuldenkrise aber vor allem auch der vermasselte Börsengang des Sozialen Netzwerks Facebook (ISIN US30303M1027/ WKN A1JWVX).

UBS beziffere den dadurch entstandenen Verlust auf 349 Mio. CHF (290 Mio. Euro). Das sei deutlich mehr als zunächst erwartet: Analysten hätten mit einer Belastung von rund 80 Mio. Euro gerechnet - allerdings für alle am Börsengang beteiligten Finanzinstitute. "Die UBS versucht das jetzt alles auf die NASDAQ abzuwälzen und fordert Schadenersatz in voller Höhe", habe Vorhauser gesagt. Ob dies jedoch erreichbar sei, erscheine mehr als fraglich.

Bei dem Gang von Facebook auf das Handelsparkett sei es zu schweren technischen Pannen gekommen. Offenbar seien die Systeme der Technologiebörse NASDAQ mit der großen Zahl an Aufträgen überfordert gewesen, sodass Händler wegen fehlender Rückmeldung lange nicht gewusst hätten, ob ihre Orders ausgeführt worden seien. "Dadurch wurden Aufträge mehrfach ausgelöst und die tatsächlichen Käufe der Banken stimmten nicht mit den ursprünglich geplanten überein - das kostete Geld", erkläre Vorhauser.

Positiv werte der Händler indes das Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS. "Hier läuft es noch ganz gut und die Schweizer haben trotz der Krise neue Kunden gewonnen." Für das Papier der UBS sei es nach der Zahlenvorlage um 7 Prozent auf 8,60 Euro abwärts gegangen. Auf diesem Niveau halte sich die Aktie seitdem.

Wenig berauschend seien laut Close Brothers Seydler auch die Zahlen des japanischen Elektronikriesen Toshiba (ISIN JP3592200004/ WKN 853676) ausgefallen. Wegen dem festen JPY und Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen habe das Unternehmen im Auftaktquartal einen Nettoverlust von rund 12 Mrd. JPY verbucht. Im Vorjahreszeitraum habe noch ein Gewinn von 470 Mio. JPY zu Buche gestanden. Die Umsätze seien mit 1,26 Billionen JPY (Vorjahr 1,33) indes weitestgehend stabil geblieben.

"Negativ wurde am Markt vor allem aufgenommen, dass Toshiba wegen einer Überversorgung des Marktes zwei Werke zur Produktion von NAND-Speicherchips schließen will, um so dem Preisdruck entgegen zu wirken", füge Vorhauser hinzu. Gut laufe hingegen die Infrastruktursparte, in der Toshiba spezielle Geräte für Strom-, Gas- und Wassernetze herstelle. Die Aktie sei nach Bekanntgabe der Zahlen auf 2,52 Euro abgesackt, habe sich dann aber wieder auf rund 2,70 Euro erholt. Aktuell notiere der Titel bei 2,76 Euro.

Mit recht guten Quartalsergebnissen habe unterdessen der US-Raffinerie- und Tankstellenbetreiber Valero (ISIN US91913Y1001/ WKN 908683) aufgewartet. Die Umsätze seien im zweiten Jahresviertel um 11 Prozent gestiegen, den Gewinn habe Valero von 1,30 USD je Aktie im Vorjahr auf 1,50 USD je Aktie gesteigert. Für das Papier sei es nach der Bilanzvorlage um 5% aufwärts auf knapp 22 Euro gegangen. "Die Aktie befindet sich schon seit einigen Wochen im Aufwärtstrend. Im Juni kostete der Titel noch rund 16 Euro", erkläre Vorhauser. Positiv sei bei den Anlegern auch angekommen, dass Valero aus strategischen Gründen das Einzelhandelsgeschäft auslagern wolle.

Um mehr als 3 Prozent aufwärts gehe es am heutigen Donnerstag für die Anteilsscheine von Telecom Italia (ISIN IT0003497168/ WKN 120470). "Nachdem der spanische Wettbewerber Telefónica (ISIN ES0178430E18/ WKN 850775) in der vergangenen Woche die Dividende gestrichen hat, hatten die Anleger bei Telecom Italia mit einer ähnlichen Ankündigung gerechnet - diese Befürchtung ist dann aber doch nicht eingetreten", erkläre Stadler. Im Gegensatz zu den Spaniern halte Telecom Italia sowohl an der Ausschüttungspolitik als auch an dem stabilen Ausblick auf das Gesamtjahr fest.

Der weltgrößte Wasserkonzern Veolia Environnement (ISIN FR0000124141/ WKN 501451) habe die Anleger mit seinen Halbjahreszahlen enttäuscht. Die Aktie, die ohnehin schon seit einiger Zeit unter Druck stehe, sei nach dem Geschäftsausweis um 9% abgesackt. "Das Wassergeschäft läuft schlecht und der Konzern musste Abschreibungen in Italien vornehmen. Die Hoffnungen ruhen darauf, dass Veolia bald einen neuen Geschäftsführer findet, der das Unternehmen erfolgreich restrukturiert", beobachte Stadler. (02.08.2012/ac/a/m)

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