Hamburg (www.aktiencheck.de) - Hendrik Emrich, Analyst der Montega AG, stuft die Schweizer Electronic-Aktie (ISIN DE0005156236/ WKN 515623) weiterhin mit dem Votum "kaufen" ein.
Im Vorfeld der morgigen Hauptversammlung habe Schweizer sowohl die Umsatzprognose für 2012 (alt: 105 bis 110 Mio. Euro) als auch die Guidance für die EBIT-Marge (alt: 8 bis 10% abzgl. 2% Anfangsinvestitionen Segment Energy) gesenkt. Nunmehr erwarte das Unternehmen einen Umsatz von 95 bis 100 Mio. Euro und eine EBIT-Marge von 5 bis 7% abzgl. 1 bis 2% Start-Up-Kosten. Trotz dieser relativ deutlichen Senkung komme die reduzierte Prognose angesichts der jüngsten Gewinnwarnungen von Halbleiterfirmen wie Infineon (ISIN DE0006231004/ WKN 623100) (wichtiger Frühindikator für Leiterplatten) nicht gänzlich überraschend. Die Analysten hätten ihre Schätzungen an die neue Guidance angepasst.
Laut Unternehmensangaben liege das erste Halbjahr zwar "im Plan", es seien allerdings keine nennenswerten Neuaufträge zu verzeichnen. Kritisch sei insbesondere die Tatsache, dass neben dem schon seit einigen Quartalen schwächelnden Solarsektor nun auch die Bereiche Automobil und Industrieelektronik deutlich an Momentum verloren hätten. Immerhin würden beide Bereiche zusammen rund 85% des Gesamtumsatzes ausmachen und hätten noch in Q1 für eine relativ robuste Top Line (habe nur 2% unter VJ gelegen) gesorgt.
Für Q2 würden die Analysten deutlich schwächere Ergebnisse erwarten, die sich im zweiten Halbjahr weiter verschlechtern dürften. Auf Basis des in Q1 erzielten EBIT von 2,2 Mio. Euro und der drastisch gesenkten Ergebnisguidance seien auch Verlustquartale in 2012 denkbar. Im Automobilbereich habe es zahlreiche Verschiebungen bzw. vereinzelt auch Stornierungen von Orders gegeben. Mit Automobilkunden bestünden in der Regel Rahmenverträge über 12 bis 15 Monate. Allerdings könne der OEM bis zu sechs Wochen vor Produktionsstart (SOP) bei Schweizer die Abrufvolumina noch verändern, wovon seit einigen Wochen rege Gebrauch gemacht werde.
Interessanterweise würden jedoch die Investitionen im Geschäftsfeld Energy, die vor allem durch das geplante PV-Engagement in China entstünden, die EBIT-Marge nur mit 1 bis 2% belasten, zuvor seien 2% geplant gewesen. Die Analysten würden dies auf erhebliche Verzögerungen bei der Suche nach lokalen Finanzierungspartnern in Asien zurückführen, die unter Umständen im ersten Schritt einen kleineren Einstieg in den PV-Markt (gegenüber den geplanten 100 Megawatt) bedingen würden. Allerdings sehe es nach Angaben des Vorstands gut aus, eine der großen chinesischen Banken für ein Finanzierungsvolumen von 30 bis 40 Mio. USD zu gewinnen (Gesamtinvest für 100 Megawatt-Anlage: 50 bis 60 Mio. USD) und in dieser Hinsicht bald Vollzug zu melden.
Die heutige Gewinnwarnung sei nicht völlig überraschend gekommen und sei "in-line" mit dem Timing der in den letzten Wochen massiv reduzierten Erwartungen des Halbleitersektors. Die Analysten würden denken, dass nun viel negativer Newsflow, der die Schweizer-Aktie in den vergangenen Monaten belastet habe, im Kurs enthalten sei und sich das Chance-Risiko-Verhältnis verbessere. So sei auch die heutige Kursreaktion (+6%) zu erklären.
Die Analysten der Montega AG reduzieren ihr Kursziel von 21,00 auf 17,50 Euro und bekräftigen ihre Kaufempfehlung für die Schweizer Electronic-Aktie. (Analyse vom 05.07.2012) (05.07.2012/ac/a/nw)
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