Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Mehrfache Erholungsversuche zum Trotz ist nach Ansicht technisch orientierter Analysten die Talsohle im DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) noch nicht erreicht, so die Deutsche Börse AG.
Zu hoch scheine das Ereignisrisiko im politischen Umfeld. Mit der gescheiterten Regierungsbildung befinde sich Griechenland in einer politischen Sackgasse. Im Zusammenhang mit wahrscheinlichen Neuwahlen im Juni und der damit einhergehenden möglichen Stärkung der Spargegner hätten Spekulationen über einen erdenklichen "Grexit", einem griechischen Zahlungsausfall und Austritt aus der Gemeinschaftswährung kursiert. Schätzungen über die Kosten eines solchen Schritts für die Europäische Union würden von 280 bis 400 Milliarden Euro reichen.
Positive Konjunkturdaten hätten diesem düsteren Szenario gegenwärtig wenig entgegengesetzt. Fundamental überzeuge zwar der Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozent in den ersten drei Monaten dieses Jahres gegenüber dem Quartal zuvor. Dieser Kurs könne nach Analystenmeinung aufgrund von Wachstumsproblemen in einigen anderen Euroländern im Jahresverlauf vermutlich aber nicht aufrechterhalten werden.
So erkläre Gregor Bauer auch den jüngsten Versuch einer Bodenbildung im deutschen Aktienbarometer für gescheitert. "Damit ist die Hoffnung auf eine baldige Umkehr der Abwärtsbewegung im DAX erst einmal zunichte gemacht." Insbesondere der Durchbruch unter den bisherigen Unterstützungsbereich um 6.600 bis 6.500 Zähler unterstreiche die aktuell sehr bearishe Stimmung der Investoren. "Bei diesem Preisniveau kam kein kursunterstützender Kaufdruck mehr in den Markt", erkläre der unabhängige technische Analyst.
"Am heutigen Mittwoch wurde dann auch der letzte Rettungsanker, eine Unterstützung um 6.400 Punkte, nach unten durchbrochen." Als wenig ermutigend beurteile Bauer zudem die Tatsache, dass durch diese Kursbewegung knapp über 50 Prozent der Aufwärtsbewegung von Dezember 2011 bis März 2012 korrigiert worden sei. "Damit wurde der Abwärtstrend seit März 2012 nochmals bestätigt." Als nächstes Kursziel nenne Bauer den Bereich bis 6.100 Punkte. Anlegern rate er Aktienkäufe solange zurückzustellen, bis ein Umkehrsignal zu erkennen sei.
Im Verlassen des zentralen Hausse-Trends, dessen Trendlinie sich zuletzt um 6.630 Punkte bewegt habe, erkenne Petra von Kerssenbrock sowohl eine räumliche als auch zeitliche Ausweitung der seit Mitte März anhaltenden Konsolidierung im DAX. "Denn das deutsche Aktienbarometer ist damit unter die kurzfristige Unterstützung um 6.500 bis 6.600 Punkte, aber auch unter die 100-Tage-Linie gefallen", erkläre die Charttechnikerin der Commerzbank. Als nächste Unterstützung im DAX mache sie den Bereich der 200-Tage-Linie um 6.200 Zähler aus.
Beginnend bei 4.965 Punkten habe der deutsche Leitindex ab September vergangenen Jahres einen steilen Hausse-Trend durchlaufen. Nach der beschleunigten Aufwärtsbewegung zum Jahresbeginn habe der deutsche Bluechip-Index seine Jahrestops bei 7.194 Zählern markiert. "Infolge des Kursanstiegs von rund 44,8 Prozent ging der DAX auch aufgrund der mittelfristig überkauften technischen Lage in eine Konsolidierung über." Hierbei habe das Aktienbarometer den beschleunigten Aufwärtstrend zunächst zur Seite verlassen, bevor es unter die zentrale Hausse-Linie gegangen sei.
Optimistischer würden dies die 300 von der Börse Frankfurt wöchentlich befragten aktiven Investoren beurteilen. Mit einem Bull/Bear-Index für den DAX von 54,4 gegenüber 47,2 Punkten in der Vorwoche hebe sich die Anlegerstimmung wieder über die Marke von 50, die Optimisten und Pessimisten voneinander trenne. Die Bullen würden mit 10 Prozent der Befragten deutlich sowohl von den Bären als auch den neutral Gestimmten hinzugewinnen. 47 Prozent seien nun long.
Umgekehrt kippe die Grundstimmung bei den Technologiewerten in den pessimistischen Bereich, der Bull/Bear-Index sinke von 52,9 auf 45,7. Insgesamt 7 Prozent Investoren würden von den Bullen und den neutral Gestimmten zu den Bären wechseln, die mit 42 Prozent nun die stärkste Gruppe bilden würden. Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (16.05.2012/ac/a/m)
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