Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Entspannung bestimmt das Bild an den internationalen Aktienmärkten, so die Deutsche Börse AG.
"Positive Vorgaben aus den USA schieben die Eurothematik etwas in den Hintergrund", meine Walter Vorhauser. Als einen Auslöser nenne der Händler der Close Brothers Seydler Bank die Zunahme der Baubeginne in den USA im Monat Juni. Mit plus 6,9 Prozent auf 760.000 im Vergleich zum Vormonat hätten diese den höchsten Stand seit fast vier Jahren erreicht. "In Europa steht die Erholung an den Aktienmärkten durch vergleichsweise niedrige Umsätze im Handel auf etwas schwachen Füßen." Auch könne die Finanzbranche mit der allgemeinen Aufholjagd nicht ganz mithalten. Die Banken hätten noch mit der Aufstockung der Eigenkapitalquote gekämpft.
Die freundliche Stimmung an den Börsen würde zudem durch Spekulationen über mögliche zusätzliche Stützungsmaßnahmen durch die US-Notenbank genährt, wie Roland Stadler bemerke. Ohne konkrete Schritte zu nennen, habe Notenbankchef Ben Bernanke noch einmal die Bereitschaft der FED unterstrichen, im Bedarfsfall die US-Konjunktur mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen anzukurbeln. Dass sich die Handelsvolumina an den Aktienmärkten in den kommenden Wochen erholen würden, bezweifle der Händler der Baader Bank. "Die olympischen Sommerspiele stehen bevor."
Weltweit 104,8 Mio. aktive Nutzer würden beim Internet-Handelsspezialist eBay (ISIN US2786421030/ WKN 916529) für einen höher als erwarteten Umsatzschub von 23 Prozent auf 3,4 Mrd. USD im zweiten Quartal sorgen. Den Gewinn habe der US-Konzern mit 692 Mio. USD verdoppeln können. Die Aktie sei nach Handelsschluss nochmals um über 5 Prozent gestiegen, nachdem sie bereits um fast 4 Prozent zugelegt habe. "Der Marktplatz wächst weiterhin organisch", kommentiere Stadler. Zudem floriere mit einer Umsatzsteigerung von 26 Prozent die Bezahltochter PayPal, die mit rund 113 Mio. Konten die Mutter bereits überhole. "Insbesondere das Einkaufen und Bezahlen über mobile Geräte boomt."
Ein florierendes Software-Geschäft und solide Umsätze mit IT-Dienstleistungen veranlasse IBM (ISIN US4592001014/ WKN 851399) zu einer Erhöhung der Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Statt der bisher 15 USD rechne der Computer- und Softwareriese mit einem Ertrag von 15,10 USD pro Aktie. Die Erlöse seien im Berichtszeitraum zwar um 3,3 Prozent auf 25,78 Mrd. USD rückläufig. "Dieser Umsatzeinbruch war allerdings komplett dem starken USD geschuldet", erkläre Stadler. IBM mache rund 60 Prozent seiner Umsätze außerhalb der USA. Börsianer hätten die Ergebnisse mit einem Kurssprung von rund 2,7 Prozent auf zwischenzeitlich 157 Euro honoriert.
Langsamer als bislang gedacht gehe es mit Intel (SIN US4581401001/ WKN 855681) voran. Der Umsatz des weltgrößten Chipherstellers sei im Jahresvergleich zwar um 4 Prozent auf 13,5 Mrd. USD gestiegen. Etwa verbuche Intel beim Absatz für leistungsstarke Firmenrechner und Speichersysteme für Rechenzentren ein Plus von 15 Prozent. Hohe Entwicklungskosten hätten indes den Gewinn um 4 Prozent auf 2,8 Mrd. USD gedrückt. Die Aktie bleibe mit rund 21,30 Euro unverändert stabil, wie Vorhauser anmerke, der den US-Technologiekonzern gut aufgestellt sehe. Mit neuen Produktionstechniken zur Herstellung von Chips könne Intel den Lebenszyklus für diese Produkte verringern und gleichzeitig ihre Rechengeschwindigkeit erhöhen. "Intel hat insgesamt 4,1 Mrd. USD in die Verbesserung der Herstellung investiert. Der Aufwärtstrend bei Intel ist aus technischer Sicht intakt", analysiere Vorhauser.
Um über 3 Prozent auf rund 290 Norwegische Kronen habe sich auch der Aktienkurs von Yara International (ISIN NO0010208051/ WKN A0BL7F) nach Bekanntgabe der Ergebnisse für das zweite Quartal verbessert. Der norwegische Düngemittelhersteller profitiere von höheren Margen und einer Umsatzsteigerung auf 2,8 Mrd. im Vergleich zu 2,23 Mrd. Norwegische Kronen im Vorjahreszeitraum. "Bessere Getreidepreise haben zu einer Erweiterung der Anbaufläche und in Folge zu mehr Nachfrage nach Düngern geführt", wisse Stadler. Der Aktienkurs anderer Düngemittelhersteller wie Kali + Salz (ISIN DE000KSAG888/ WKN KSAG88) habe ebenfalls reagiert und habe von 32 auf 40 Euro deutlich zugelegt.
Auf einen leichten Umsatzrückgang von 1 Prozent auf 16,5 Mrd. USD im zweiten Quartal hätten Börsianer kaum reagiert. Für das Gesamtjahr 2012 rechne der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (ISIN US4781601046/ WKN 853260) nun mit einem reduzierten Gewinn zwischen 5 und 5,07 USD pro Aktie. "In Europa mit den Problemen der Währungsunion drückt der Schuh besonders", bemerke Vorhauser. Dort sei der Umsatz um 8,3 Prozent rückläufig. "Sondereffekte wie die Integration des Schweizer Implantate-Herstellers Synthes und Rechtsstreitigkeiten belasten zudem das Ergebnis." Hinzu kämen Abschreibungen auf Forschungs- und Entwicklungsprojekte und ein starker USD. "Insgesamt steht das Unternehmen aber recht gut da", urteile Vorhauser. Wachstum verspreche sich Johnson & Johnson in der Region Asien-Pazifik. (19.07.2012/ac/a/m)
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