Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die jüngsten Umfragen in Griechenland deuten zwar an, dass die Mehrheit der Hellenen keinen Grexit, also Austritt aus der Eurozone, wünscht. Bis zu den Wahlen am 17. Juni wird die Nervosität an den Märkten aber wohl fortbestehen, so die Deutsche Börse AG.
Dafür hätten zuletzt auch Meldungen über Notfallpläne der EU-Länder für ein mögliches Ausscheiden der Hellenen aus dem Euro oder auch die deutlichen Worte der IWF-Chefin Christine Lagarde gesorgt. Die habe in der vergangenen Woche geäußert, die Griechen sollten sich selbst helfen, indem sie Steuern zahlen. Andere Länder, etwa Niger, seien mehr auf Unterstützung angewiesen.
Nach einem Plus von 1,1 Prozent in der Vorwoche liege der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) am Pfingstmontag bei 6.409 Punkten gut 1 Prozent im Plus. Der Euro, der am Freitag zeitweise unter 1,25 USD und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen sei, zeige sich etwas stabilerer und notiere heute Morgen bei 1,2601 USD.
"Wohl und Wehe des DAX hängen an der Lösungsfähigkeit der Euro-Politik", kommentiere Robert Halver von der Baader Bank. Allerdings hätten sich Politiker derzeit geweigert, beim "griechischen Patienten sowie bei der finanz- und wirtschaftspolitischen Neuausrichtung der Eurozone Farbe zu bekennen", wie der jüngste Eurogipfel zeige. Das wolle man vor den griechischen und französischen Parlamentswahlen Mitte Juni auch gar nicht. "Diese Unklarheit ist sicherlich nicht der Stoff, aus dem die Träume für die europäischen Aktien- und Rentenmärkte gemacht sind."
Markus Reinwand von der Helaba sehe mittelfristig durchaus Raum für positive Überraschungen am Aktienmarkt. Zwar sei die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion inzwischen wieder ähnlich ausgeprägt wie im Herbst vergangenen Jahres. "Die aus Wettquoten abgeleitete Wahrscheinlichkeit, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Euromitglied ausscheidet, beträgt derzeit knapp 70 Prozent." Die niedrige Bewertung spreche aber für Aktien, auch wenn es aufgrund der Unsicherheit keinen Schutz vor fallenden Notierungen gebe. "Allerdings hat die Historie gezeigt, dass gerade solche Ausverkaufssituationen interessante Einstiegsgelegenheiten für mittelfristig orientierte Anleger bieten."
Technisch bleibe der DAX angeschlagen, wie Christian Schmidt von der Helaba erkläre: "Grundsätzlich ist festzustellen, dass der laufende Abwärtstrend ausgeprägt ist und damit eine hohe Wahrscheinlichkeit aufweist, fortgesetzt zu werden." Lediglich ein Ausbruch über die 6.520er Marke mildere das negative Szenario ab, dies zeichne sich derzeit aber nicht ab. "Vielmehr droht eine deutliche Beschleunigung der Abwärtsbewegung, sofern die Marke von 6.217 Zählern unterschritten wird." Knapp darunter liege die wichtige 200-Tages-Linie. (28.05.2012/ac/a/m)
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