Bonn (www.aktiencheck.de) - Im Verlauf des Mitte März gestarteten Abwärtstrends rutschte der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) Anfang Juni wieder unter die 6.000-Punkte-Marke, so die Analysten von Postbank Research.
Allerdings nicht deutlich und nach nur zwei Tagen habe schon eine Gegenbewegung eingesetzt. Ein vergleichbares Kursmuster sei bei vielen internationalen Leitindices festzustellen gewesen. Aktuell notiere der deutsche Leitindex 4% über seinem Schlussstand zum Jahreswechsel 2011/12. Mit dieser Performance liege er auf Augenhöhe mit dem US-amerikanischen Leitindex Standard & Poor's 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0).
Der Leitindex der Eurozone, der EURO STOXX 50 (ISIN EU0009658145/ WKN 965814), könne ihm in diesem Punkt nicht das Wasser reichen. Im genannten Zeitraum weise er schon einen deutlichen Kursrückgang von 8% auf. Zwei Gründe seien maßgeblich für diese schlechtere Performance. Zum einen die Staatsschuldenkrise in den Peripherieländern der Eurozone und zum anderen die schwächere konjunkturelle Entwicklung in nahezu allen anderen Euroländern mit Ausnahme Deutschlands.
Die entscheidende Frage sei nun, wie tragfähig diese Anfang Juni begonnene Gegenbewegung sei. Läute sie den dritten Markttrend in diesem Jahr ein, der - wie die beiden ersten - mehrere Monate anhalte?
Nach Ansicht der Analysten sei es zu früh, um eine endgültige Entwarnung für die Aktienmärkte zu geben. Die leichte Kurserholung, die an vielen Börsen seit Anfang Juni stattgefunden habe, dürfte noch nicht den Beginn eines nachhaltigen Kursaufschwungs darstellen.
In Anbetracht der vorhandenen erheblichen Problemfelder Staatsschuldenkrise und Konjunkturängste fehle den Analysten eine wichtige Komponente für einen grundlegenden und tragfähigen Kurswechsel an den Börsen: Die so genannte "Kapitulation" der Anleger. Zwar sei die Zahl der Pessimisten für die weitere Kursentwicklung beiderseits des Atlantiks in den letzten Wochen gestiegen. Die Verhältnisse von Börsenoptimisten zu -pessimisten seien aber überwiegend noch nicht in extrem niedrigen Bereichen. Noch klarer würden es die Volatilitätsindices zeigen. Die Angstbarometer würden allenfalls eine leichte Nervosität andeuten. Von Angst oder gar Panik der Marktteilnehmer vor der weiteren Kursentwicklung sei bei ihnen aber nichts zu erkennen.
Diese allenfalls nur leichte Nervosität vieler Anleger überrasche gerade in der aktuellen Lage. Nicht nur, dass die Staatsschuldenkrise noch nichts von ihrer Brisanz verloren habe und schlechter als erhofft ausfallende Wirtschaftsnachrichten den weiteren Konjunkturverlauf unsicher erscheinen lassen. Auch von Unternehmensseite seien zuletzt wenig erfreuliche Nachrichten gekommen. FedEx (ISIN US31428X1063/ WKN 912029), neben der Deutschen Post (ISIN DE0005552004/ WKN 555200) und UPS (ISIN US9113121068/ WKN 929198) einer der größten und wichtigsten Logistikkonzerne weltweit, habe mit seinen Quartalszahlen in der 25. Kalenderwoche enttäuscht. Zwar habe das Unternehmen den Umsatz leicht steigern können, habe aber die Erwartungen verfehlt. Der Gewinn habe sich im Vorjahresvergleich sogar verringert und die Zahl der ausgelieferten Pakete sei rückläufig gewesen.
In der gleichen Woche hätten der französische Nahrungsmittelkonzern Danone (ISIN FR0000120644/ WKN 851194) und der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (ISIN US7427181091/ WKN 852062) (u.a. Gillette, Wella) Gewinn- und/oder Umsatzwarnungen veröffentlicht.
In der Folgewoche hätten der deutsche Halbleiterproduzent Infineon (ISIN DE0006231004/ WKN 623100) und Salzgitter (ISIN DE0006202005/ WKN 620200) es ihnen gleichgetan. Bei Salzgitter habe es zwar "nur" die Stahlsparte betroffen. Dies lasse für das Geschäft der Branche im Allgemeinen oder ThyssenKrupp (ISIN DE0007500001/ WKN 750000) im Speziellen aber nur wenig Raum für positive Überraschungen. Bisher sei die Anlegerreaktion auf die enttäuschenden Meldungen nur auf die Aktien der jeweiligen Firmen beschränkt gewesen.
Interessant und auch problematisch sei aber, dass die belastenden Nachrichten quer durch alle Branchen gehen. Dies deute nach Einschätzung der Analysten auf eine schwierige Berichtssaison hin. Unter dem Eindruck schwächer als erwartet ausfallender Quartalszahlen sei vorübergehend ein Unterschreiten der Anfang Juni gesehenen Tiefstände bei DAX & Co. nicht auszuschließen. Deutliche Kursverluste würden die Analysten aber nicht erwarten. Dafür seien die Kurse gemessen an KGV und KBV fundamental zu gut unterstützt.
Insgesamt würden die Analysten optimistisch für die Assetklasse Aktien eingestellt bleiben. Schon auf Drei-Monats-Sicht würden sie deutlich über den aktuellen Niveaus liegende Kurse bei den vier von ihnen analysierten Indices erwarten. Zum einen dürfte die Staatsschuldenkrise dann einen Teil ihres Schreckens verloren haben und zum anderen erwarte man, dass sich der konjunkturelle Ausblick im zweiten Halbjahr 2012 wieder leicht verbessere. Dies dürfte sich schon in der kommenden Berichtssaison in zahlreichen Unternehmensausblicken widerspiegeln.
Nach den Berechnungen der Analysten könnten zum Beispiel die DAX-Konzerne aggregiert in 2013 wieder ein Gewinnwachstum von rd. 7% im Vergleich zum Niveau dieses Jahres erwirtschaften. Vergleichbar treffe dies auch auf S&P 500, EURO STOXX 50 und Topix (ISIN XC0009694107/ WKN 929694) zu. Dies eröffne auf Jahressicht ein deutliches Kurspotenzial, ohne dass die Bewertungen gemessen am KGV überschießen würden. Gegen Ende dieses Jahres dürfte der DAX wieder über die 7.000-Punkte-Marke springen und auf Sicht von 12 Monaten im Bereich von 7.600 Zählern notieren. (Perspektiven Juli 2012) (28.06.2012/ac/a/m)
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