Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der Markt gönnt sich eine Verschnaufpause, so die Deutsche Börse AG.
Nachdem die Aktiennotierungen in den vergangenen Wochen wegen den Unsicherheiten im Euroraum unter stetigem Abgabedruck gestanden hätten, habe zur Wochenmitte eine technische Gegenbewegung eingesetzt, berichte Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank. "Auslöser war unter anderem das US-Beige Book, das eine moderate Konjunkturerholung erwarten lässt und damit eine nicht so schlechte Lage der US-Wirtschaft malt, wie in den vergangenen Wochen von vielen befürchtet." Dazu hätten sich Hoffnungen auf geldpolitische Maßnahmen durch die Federal Reserve gesellt, nachdem am Vortag mehrere US-Notenbanker laut über weitere geldpolitische Stimuli nachgedacht hätten. Frische Impulse könnte heute dementsprechend die Rede von FED-Gouverneur Ben Bernanke vor einem Kongress-Ausschuss bringen.
Auch Roland Stadler von der Baader Bank berichte von einer turbulenten Börsenwoche: "Es hat schwächlich angefangen, aber jetzt fängt sich der Markt wieder etwas." Nach Griechenland sei nun zunehmend Spanien zur Hauptsorge der Anleger geworden. Die Lage bleibe daher fragil und es bestehe ein stetiges Risiko für neue Hiobsbotschaften, die den Anlegern die Laune verhageln könnten.
Die am Dienstag vorgelegten Quartalszahlen von JA Solar Holdings (ISIN US4660901079/ WKN A0F5W9) würden nach Einschätzung von Walter Vorhauser Hoffnungen auf eine mögliche Trendwende innerhalb der zuletzt schwer gebeutelten Solarbranche machen. "Die Branche scheint einen Boden zu finden", so der Händler. Der in den USA gelistete chinesische Photovoltaikhersteller habe seine Gesamtkapazität im ersten Quartal auf 366 Megawatt ausgeweitet und die Analystenschätzung von 350 Megawatt damit übertroffen. Der Umsatz sei zwar auf 254 Millionen US-Dollar von 309 Millionen im Vorjahreszeitraum gesunken.
"Das ist aber eine deutliche Verlangsamung im Vergleich zu der Abschwächung in den vergangenen Quartalen, die teilweise bei rund 50 Prozent im Vorjahresvergleich lag", merke Vorhauser an. Die positive Entwicklung spiegle sich auch in der Bruttomarge, die trotz Rückstellungen für Strafzölle um 2,1 Prozent gestiegen sei. Im Vergleich zum Vorquartal habe JA Solar Holdings den Verlust um rund ein Drittel auf 25,3 Millionen Dollar reduziert. Für die Aktie sei es im Gefolge des Zahlenwerks leicht aufwärts auf 0,80 Euro gegangen. Am Montag habe das Papier mit 0,70 Euro noch ein neues Jahrestief markiert.
Von einem leicht enttäuschenden Quartalsergebnis spreche Vorhauser bei der niederländischen Supermarktkette Ahold (ISIN NL0006033250/ WKN A0MZBE). Mit einem Gewinn von 282 Millionen Euro habe der Einzelhändler die Erwartung von 304 Millionen Euro verfehlt und zudem einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr eingefahren. Der Umsatz sei indessen um rund 5 Prozent gesteigert worden. "Die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Europa drücken auf die Konsumausgaben", kommentiere Vorhauser den Ergebnisrückgang bei Ahold.
Das Unternehmen versuche daher über Kostensenkungen und Übernahmen das Wachstum anzukurbeln. So seien in den vergangenen beiden Jahren etwa die US-Kette Genuardi oder die niederländische Jumbo gekauft worden. "Die Zukäufe sind aber noch jung und es braucht einige Zeit, bis sie sich positiv im Ergebnis niederschlagen", füge Vorhauser hinzu. Die Ahold-Aktie habe in Frankfurt nach den am Mittwoch veröffentlichen Zahlen um rund 1 Prozent auf 9,32 Euro nachgegeben.
Schlecht schlafen dürften derzeit die Aktionäre von Tempur-Pedic (ISIN US88023U1016/ WKN A0BLAA). Die Aktien des US-Matratzenherstellers seien zur Wochenmitte um rund 44 Prozent eigebrochen, nachdem das Unternehmen die Gewinnprognose für das laufende Jahr um 50 Prozent gesenkt und zudem die Umsatzziele kassiert habe. Wie Vorhauser berichtet, habe das Unternehmen offenbar über Preissenkungen bei einer Produktlinie die Umsätze ankurbeln wollen, was aber nicht so gut funktioniert habe wie gedacht. "Über die Preissenkungen hat sich auch das Analysehaus Raymond James gewundert, da die Produktlinie zuvor eigentlich ganz gut gelaufen ist", merke der Händler an. Von über 65 Euro Mitte April sei die Aktie mittlerweile auf rund 18 Euro abgestürzt.
Stadler Gerüchte über eine mögliche Beteiligung von Sony (ISIN JP3435000009/ WKN 853687) und Panasonic (ISIN JP3866800000/ WKN 853666) an Olympus (ISIN JP3201200007/ WKN 856840) hätten laut Roland Stadler in der vergangenen Woche für Auftrieb bei der Aktie des zuletzt wegen eines Bilanzskandals in die Schlagzeilen geratenen Kameraherstellers gesorgt. Wie es am Markt geheißen habe, plane Panasonic für 500 Millionen Euro die Übernahme des Gesundheitsmedizingeschäfts des japanischen Elektronikkonzerns, der ein weltweit führender Anbieter von Endoskopen sei.
Mittlerweile habe Panasonic die Gerüchte zwar dementiert, die Olympus-Aktie habe am Donnerstag dennoch um weitere 0,6 Prozent zugelegt, nachdem sie in den vergangenen anderthalb Wochen bereits rund 20 Prozent gutgemacht habe. Für Unterstützung hätten neben den Spekulationen über frisches Kapital auch die jüngsten Sparvorhaben des Unternehmens gesorgt. Unter anderem wolle Olympus rund 2.500 Stellen streichen.
Die russische Sberbank (ISIN US80585Y3080/ WKN A1JB8N) habe unterdessen erneut ihre Präsenz in europäischen Schwellenländern vergrößert. Nachdem die Bank erst im Februar mit der Volksbank International (VBI) die Ostbanken-Sparte der schwer ramponierten österreichischen Volksbanken AG übernommen habe, würden die Russen nun die türkische Deniz-Bank von der Dexia kaufen. "Die Katar Bank war ebenfalls an der Dexia (ISIN BE0003796134/ WKN 903855)-Tochter interessiert, hat aber offenbar zu wenig geboten", sage Stadler. Die Aktie der Sperbank lege um rund 1 Prozent zu. (07.06.2012/ac/a/m)
powered by plista