Empfehlungen

Einzelhandel - drittgrößte deutsche Branche

Hannover (www.aktiencheck.de) - Wolfgang Vasterling, Analyst der Nord LB, stuft den Einzelhandelssektor weiterhin mit "neutral" ein.

Der Einzelhandel vertreibe seine Waren an den Endverbraucher. Dabei reiche die Spanne von Vollsortimentern wie Warenhäusern bis zum spezialisierten Fachhandel. Zum Einzelhandel im engeren Sinne würden Geschäfte gehören, die Lebensmittel, Bekleidung, Kosmetik, Sportartikel, Elektronik, Bücher usw. anbieten würden. Zum Einzelhandel im weiteren Sinne würden außerdem noch der KfZ-Handel, Tankstellen und Apotheken gerechnet. Unterschieden werde außerdem noch zwischen dem stationären Handel und dem Versandhandel, zu dem auch der Internethandel und das Tele-Shopping gehören würden.

In den letzten 15 Jahren habe der Anteil des Einzelhandels an den gesamten Konsumausgaben stetig abgenommen. So habe der Anteil in Deutschland im Jahr 1995 noch bei 35,2% gelegen und in 2011 nur noch 28,6% erreicht.

In Deutschland seien im Einzelhandel im engeren Sinne in 2011 in rund 400.000 Unternehmen mit rund 3 Mio. Beschäftigten EUR 422 Mrd. umgesetzt worden. Dies habe einem Anteil von 16,4% am Bruttoinlandsprodukt entsprochen, womit der Einzelhandel die drittgrößte deutsche Branche darstelle.

Im Mai 2012 hätten sich nach vorläufigen Zahlen zwar die deutschen Einzelhandelsumsätze im Vorjahresvergleich um nominal 1,0% erhöht, seien aber real um 1,1% gesunken. Allerdings habe der Monat zwei Verkaufstage weniger als im Vorjahr gehabt, wodurch das Ergebnis stark verzerrt werde. Gegenüber dem Vormonat sei der Umsatz bereinigt um Saison- und Kalendereffekte um nominal 0,1% gestiegen bzw. real um 0,3% gesunken. In den ersten fünf Monaten 2012 sei der Umsatz nominal um 2,3% und real um 0,3% gewachsen.

Der GfK-Konsumklimaindex sei in den letzten Monaten trotz der europäischen Staatsschuldenkrise recht stabil geblieben. Im Juni 2012 sei er mit 5,7 im Vergleich zum Mai konstant geblieben und habe leicht das Vorjahresniveau von 5,6 übertroffen. Allerdings hätten sich die Konjunkturerwartungen im Juni deutlich eingetrübt. Sie seien im Vergleich zum Vormonat um 16,6 auf nur noch 3,0 Punkte gefallen. Hier hätten sich offenbar die Sorgen wegen der europäischen Währung und schlechte Konjunkturmeldungen spürbar ausgewirkt. Trotzdem habe sich die Einkommenserwartung deutlich um 8,1 auf 40,1 Punkte verbessert.

Hier dürften die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt, höhere Tarifabschlüsse und die im Juni auf 1,7% gesunkene Inflationsrate eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Anschaffungsneigung habe sich deshalb leicht um 0,7 auf 32,7 Punkte verbessert und bleibe damit auf einem hohen Niveau. Für Juli werde ein leichter Anstieg des GfK-Konsumklimaindex auf 5,8 erwartet. Für das Gesamtjahr erwarte die GfK ein reales Wachstum des Konsums um 1%.

Der ifo-Geschäftsklimaindex sei im Juni weiter gefallen. Der Teilindex für den Einzelhandel (Salden, saisonbereinigt) habe sich aber nach dem Einbruch im Mai (-14,3 Punkte) um 4,0 auf 0,3 Punkte erholt. Damit liege er 11,3 Punkte unter dem Niveau des Vorjahres, während der Gesamtindex der Gewerblichen Wirtschaft im gleichen Zeitraum 17,8 auf 3,2 Punkte eingebüßt habe.

Für 2012 erwarte der Handelsverband Deutschland (HDE) ein nominales Umsatzwachstum von 1,5% und real ein konstantes Ergebnis. Der Internethandel (Umsatzanteil am gesamten Einzelhandel ca. 7%) solle nominal um 13% zulegen. Neben der günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt, die aber zuletzt an Schwung verloren habe, würden die Tariferhöhungen und die gesunkene Inflationsrate für eine relativ positive Entwicklung sprechen. Allerdings hätten sich in den letzten Wochen die Preise für Rohöl und Agrarrohstoffe wieder deutlich verteuert.

Für Unsicherheit könnten außerdem jederzeit die europäische Staatsschuldenkrise und mögliche konjunkturelle Rückschläge sorgen. Unsere Volkswirte zeigen sich verhalten zuversichtlich, so die Analysten der Nord LB. Sie würden im laufenden Jahr für Deutschland einen Anstieg des realen privaten Konsums um 1,2% erwarten (nach 1,4% im Vorjahr), womit erstmals seit langer Zeit das gesamtwirtschaftliche Wachstum von voraussichtlich 0,8% übertroffen würde. Der Vorstandsvorsitzende der METRO AG (ISIN DE0007257503/ WKN 725750) habe sich allerdings zuletzt wesentlich pessimistischer geäußert. Er erwarte in Deutschland allenfalls noch ein kleines Plus mit spürbaren negativen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung. Für Euroland würden die Volkswirte der NORD/LB einen realen Rückgang des privaten Konsums um 0,3% erwarten.

Für 2013 werde für Deutschland ein realer Zuwachs von 1,5% und für Euroland von 0,4% prognostiziert. Mittelfristig würden die Aussichten für den Konsum (insbesondere in Deutschland) etwas günstiger erscheinen als für viele andere Branchen. Allerdings habe zuletzt eine Reihe von Branchenvertretern (z.B. Carrefour (ISIN FR0000120172/ WKN 852362), Celesio (ISIN DE000CLS1001/ WKN CLS100), Praktiker (ISIN DE000A0F6MD5/ WKN A0F6MD)) mit internen Problemen kämpfen müssen, was mit enttäuschenden Ergebnissen einhergegangen sei. Die große Drogeriekette Schlecker habe sogar Insolvenz angemeldet. Außerdem würden sich viele Einzelhandelsunternehmen auf Europa konzentrieren, das auch aufgrund der Staatsschuldenkrise deutlich schwächere Wachstumsperspektiven aufweise als die meisten anderen Regionen der Welt.

Die Analysten der Nord LB bleiben bei ihrer neutralen Einstufung der Einzelhandelsbranche. (10.07.2012/ac/a/m)

Kursinformationen

heute 12:32 Xetra 1,04 EUR Chart
Einfügen in MyOnVista
Handeln bei OnVista Bank

Weitere Werte aus dem Artikel

OnVista Analyzer

PRAKTIKER AG O.N. auf halten gestuft zum Analyzer