Bremen (www.aktiencheck.de) - Der Euro eröffnete heute (07:29 Uhr) bei 1,2495 USD, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Höchstkurse im amerikanischen Handel bei 1,2515 USD markiert wurden, so die Analysten der Bremer Landesbank.
Der USD stelle sich gegenüber dem JPY auf 79,65. In der Folge notiere EUR/JPY bei 99,52, während EUR/CHF bei 1,2014 oszilliere.
Die merkwürdige Situation in der Eurozone erstaune nicht nur die Analysten. Die EZB fordere von den Märkten, dass sie die Stabilisierung der spanischen Banken und damit des Staates anerkennen würden. Die Märkte würden im diametralen Widerspruch zu dieser Auffassung agieren. Der Sprung, den EUR/USD über das Wochenende gemacht und Montag morgen eine starke Eröffnung gebracht habe, sei bereits am gleichen Nachmittag wieder geschlossen gewesen und verdeutliche sehr gut die Reaktion der Märkte. Die Erleichterung über den Hilferuf sei einer sehr kritischen Wahrnehmung gewichen.
In der Folge hätten gestern spanische Anleihen so hoch rentiert wie seit Einführung des gemeinsamen Währungsraumes nicht mehr. In der Spitze habe die Rendite von 10Y-Anleihen bei 6,857% und damit nahe des 7%-Levels gelegen, das Griechenland, Portugal und Irland unter den Rettungsschirm gezwungen habe.
Nach den letzten Entwicklungen habe die Ratingagentur Fitch Ratings gestern noch einmal spanische Kredithäuser ins Visier genommen und in einer großen Aktion 18 Institute heruntergestuft. Sie folge damit der größeren Agentur Moody's, die diese Downgrade genannte Maßnahme schon vor einigen Tagen getroffen habe. Bereits letzte Woche habe Fitch die Bonität des Staates Spanien auf BBB gesenkt und damit seine Sorgen gegenüber der Bankenlandschaft des Landes ausgedrückt. Der Ausblick sei auf negativ gesetzt worden, was eine weitere Herabstufung in den nächsten 90 Tagen wahrscheinlich mache.
Auch die Titel des zweitgrößten europäischen Schuldners - Italien - seien stark unter Druck geraten und hätten mit über 6,3% rentiert. Besondere Beachtung habe diese Konstellation, denn Italien werde heute und morgen Geldmarktpapiere und Langläufer um 9,5 Mrd. EUR emittieren.
Der Bund-Future (ISIN DE0009652644/ WKN 965264) habe in diesem Umfeld Traktion verloren und befinde sich seit seinem High Anfang des Monats im freien Fall. Dies zeige nach Meinung der Analysten, dass sich viele Investoren die Frage stellen würden, wie hoch die kommenden Belastungen aus der Euro-Krise für Deutschland ausfallen würden. Fitch-Boss Ed Parker habe gestern vor den indirekten Konsequenzen in Form von Ansteckungseffekten auf andere Euro-Länder gewarnt. Er habe damit gedroht, den letzten Euro-Ländern die AAA-Ratings (Deutschland, Niederlande, Luxemburg und Finnland) zu entziehen.
Diese spekulative Attacke gegen den Euro durch die größten Short-Positionen in der Geschichte werde durch Interessen aus den angloamerikanischen Staaten gesteuert. Warum werde sonst eine 100-Mrd. EUR-Kreditlinie nicht als Mittel gegen die Krise anerkannt? Auch der ESM, der mit einer Brandmauer von 800 Mrd. EUR ausgestattet sei und für Abschirmung von Reformländern dienen werde, werde nicht sachlich diskontiert. Es gehe nicht um Fakten, sondern um Machterhalt und Einfluss.
Durch die strengen Sparpakete sei die europäische Konjunktur stark eingebremst und so neue Problemzonen geschaffen worden. Die Analysten hätten in letzter Zeit häufiger von Wachstumsimpulsen statt strenger Austeritätspolitik bei der Bekämpfung der Euro-Krise gesprochen. Diese Lernkurve scheine in der Politik vorhanden zu sein - die 100-Mrd.-EUR-Rekapitalisierungslinie für die spanischen Banken solle eben nicht nur dazu dienen, vorhandene Löcher zu stopfen, sondern vielmehr wieder Wachstum generierende Kredite an Firmen zu vergeben.
Solche Fakten würden aber derzeit einfach nicht beachtet und die gesamten Reformbemühungen in den Krisenländern in Gefahr und vielmehr noch die Stabilität des Euros bringen. Die eingebrochene Konjunktur im Euroraum bremse inzwischen auch andere Länder immer stärker ein (China, Brasilien) - Es werde mit dem Wohlstand von einem Großteil der Welt gespielt!
Die Analysten würden die nächsten Tage bei EUR/USD, wie schon Anfangs der Woche erwähnt, wenig Bewegung (im Rahmen von 1,2460 bis 1,2580) erwarten. Der Fokus liege nun stark auf der Griechenland-Wahl am Wochenende, was bei positivem Ausblick eine 1,2615 und kurzfristig die 1,2800 bringen könne. Dort befinde sich ein starker Widerstand, an dem die Entwicklung Dynamik verlieren dürfte. Sollten die Nachrichten dagegen negativ ausfallen, stütze unten 1,2170 und weitere Abwärtstendenzen wären wahrscheinlich.
Man werfe noch einen Blick auf die Daten von gestern:
Die US-Importpreise per Mai seien so stark gesunken wie seit zwei Jahren nicht mehr. Der Rückgang mit 1,0% sei im Vorfeld in dieser Höhe von den Befragten richtig vorausgesagt worden. Besonders die Mineralölimporte hätten sich um 4,2% verbilligt und wie schon zuvor einen großen Einfluss auf den Gesamtwert gehabt. Sollte die Eurozone tiefer in die Rezession rutschen, würden sich die Abwärtsrisiken in den USA verstärken. Die Exportpreise hätten sich dagegen um 0,4% verringert - diese Entwicklung tue der Wirtschaft gut und bremse die Preise auf ein Niveau knapp über 2,0% zurück.
Nach dem ersten Überschuss seit 42 Monaten im Steuermonat April sei das Federal Budget (Teilmenge des US-Haushalts) für den Berichtsmonat Mai mit -124,6 Mrd. USD ermittelt worden. Im bisherigen Haushaltsjahr habe sich das Haushalsdefizit damit auf 844,5 Mrd. USD summiert. Aufgrund ausbleibender Strukturreformen würden in den nächsten Monaten keine positiven Tendenzen zu erwarten sein.
Zusammenfassend ergebe sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiere. Ein nachhaltiges Überwinden des Widerstandsfelds bei 1,2820/50 neutralisiere das negative Bias des Euros. (13.06.2012/ac/a/m)
powered by plista