Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Zu früh gefreut: Nach den heftigen Kursverlusten seit Monatsanfang deutete sich in den ersten Tagen dieser Woche eine Trendumkehr an, so die Deutsche Börse AG.
Am heutigen Mittwoch sehe es aber schon wieder anders aus, der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) zeige sich tiefrot.
Technische Analysten seien ohnehin skeptisch: Laut Christian Schmidt von der Helaba sei die charttechnische Situation auf Wochenbasis sehr kritisch zu sehen, der DAX sei gleich reihenweise unter wichtige Supportmarken abgerutscht. "Die Gefahr ist groß, dass es zu einer Beschleunigung der Abwärtsbewegung kommen wird." Auch für Stefan Salomon sei der DAX noch nicht über den Berg. "Ein Rückfall unter 6.300 würde den gestrigen Ausbruch als Fehlsignal darstellen", meine der freie technische Analyst.
Karen Szola zufolge sei die Erholung am Montag zwar überfällig gewesen, es hätten sich übergeordnet aber die Baissezeichen gemehrt. "So wurde der seit September bestehende Aufwärtstrend bei derzeit rund 6.570 Zählern seitwärts verlassen", erkläre die Charttechnikerin für "Euro am Sonntag" und "finanzen.net". Sorge mache zudem die eine Trendwende signalisierende Kopf-Schulter-Formation, die mit dem Bruch der Nackenlinie bei 6.425 Zählern vollendet worden sei. "Auf der anderen Seite wurde seit dem Jahreshoch bei 7.194 Punkten vom März ein Abwärtstrend etabliert, über dessen untere Trendbegrenzung sich der Index am Montag wieder zurückretten konnte."
Mit dem vorläufigen Tief vom vergangenen Freitag bei 6.229 Zählern sei die 200-Tages-Linie als Unterstützung in Sichtweite gerückt. "Sie liegt aktuell bei 6.191 Punkten und sollte zunächst nicht unterschritten werden", betone Szola. Hier habe auch eine Vielzahl von Indikatoren ihre überverkauften Extremzonen erreicht und kurzfristige Kaufsignale generiert. Szola verweise aber auf die Kopf-Schulter-Formation. "Das rechnerische Kursziel aus dieser Trendwendeformation liegt bei rund 5.800 Zählern", konkretisiere sie. Erst ein nachhaltiger Anstieg auf Wochenschluss über das jüngste Bewegungshoch bei 6.589 Punkten vom 11. Mai verschaffe dem Index weitere Luft nach oben und entschärfe das Bild deutlich.
Christian Henke von der WestLB sehe weniger schwarz: "Infolge der Korrektur näherte sich der DAX der Schiebezone bei 6.400/6.500 Punkten, die von Mitte April bis Mitte Mai dem Abgabedruck standhielt", erläutere der Charttechniker. Erst kürzlich seien die heimischen Blue-Chips darunter gerutscht, ein signifikanter Trendbruch liege bislang jedoch noch nicht vor. "Dies wäre erst bei einem Indexstand von 6.210 Punkten auf Schlusskursbasis der Fall." Schiebezonen seien Seitwärtsbewegungen, ein Verlassen nach oben gelte als bullishes Signal, nach unten als bearishes.
Zu Wochenbeginn habe der DAX Henke zufolge eine Gegenoffensive eingeleitet. "Oberhalb der Marke von 6.500 Punkten würde sich die charttechnische Situation aufhellen. In diesem Fall könnte es erneut in Richtung des Widerstands bei 6.992/7.071 Punkten gehen." Bleibe die Zurückeroberung der Schiebezone bei 6.400/6.500 Punkten aus und drehe der Markt gen Süden, müsse mit einem Test der Unterstützung bei 6.150 Punkten gerechnet werden. Henke weise zudem darauf hin, dass der gewichtete 200-Tages-Durchschnitt bei aktuell 6.450 Zählern immer noch steige. "Ein beherzter Sprung über die Glättungslinie würde den Bullen helfen."
Die Anleger würden vor allem den Markt verlassen. Sie hätten sich sowohl von ihren Long- als auch ihren Short-Positionen in DAX-Aktien getrennt und seien in der Summe wieder etwas skeptischer, wie die Umfrage der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren ergeben habe: Der Bull/Bear-Index sinke von 54,4 Punkten in der Vorwoche auf 52,8 Punkte, liege damit allerdings immer noch über der Optimisten von Pessimisten trennenden 50er Marke. Offenbar würden viele Investoren nicht so recht die Lage einzuschätzen wissen. 13 Prozent der Befragten seien zum Lager der Unentschiedenen übergelaufen, das jetzt immerhin 27 Prozent ausmache. Mit 39 Prozent Optimisten und 34 Prozent Pessimisten zeige sich ein insgesamt sehr auseinander gehendes Meinungsbild.
Die Stimmung bezüglich der Technologiewerte steige unterdessen leicht, bleibe mit 49,3 nach 45,7 Punkten aber im pessimistischen Bereich. Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (23.05.2012/ac/a/m)
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