Hannover (www.aktiencheck.de) - Das Schweizerische Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) in Bern hat heute Morgen eine erste Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2012 veröffentlicht, so die Analysten der Nord LB.
Das preis- und saisonbereinigte BIP sei demnach kräftig um 0,7% Q/Q gewachsen, zudem sei der Wert für das Vorquartal von +0,1% Q/Q auf +0,5% Q/Q deutlich aufwärts revidiert worden. Gegenüber dem Vorjahr ergebe sich somit ein Anstieg des realen Bruttoinlandsproduktes um 2,0% Y/Y. Die sehr guten Zahlen seien eine faustdicke Überraschung: Die Analysten hätten lediglich mit einem schwachen Wachstum gerechnet, der Median der Bloomberg-Umfrage sei gar von einer Stagnation ausgegangen.
Verwendungsseitig seien die Wachstumsimpulse vom Konsum besonders kräftig ausgefallen. So sei der private Konsum um 0,6% Q/Q gewachsen. Dies unterstreiche die gute finanzielle Lage der Haushalte, die nicht zuletzt durch die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes gestützt werde. Beim Staatskonsum sei es zu einem Zuwachs von 2,0% Q/Q gekommen. Offensichtlich habe sich hier aber der starke Impuls, der ursprünglich für das vierte Quartal gemeldet worden sei, zeitlich verschoben. Für das Vorquartal stehe nun gar ein leichtes Minus zu Buche.
Belastet hätten hingegen die Bruttoanlageinvestitionen, die um -1,5% Q/Q gesunken seien. Ähnlich wie in Deutschland habe das sehr kalte Winterwetter im Februar die Bautätigkeit erheblich eingeschränkt, die Bauinvestitionen seien um -5,0% Q/Q eingebrochen. Derartige unerwartete Entwicklungen - wie durch die Kältephase im Februar ausgelöst - würden durch das Saisonbereinigungsverfahren aber nicht erfasst, lediglich übliche saisonale Schwankungen könnten berücksichtigt werden. Insofern müsse aber klar sein, dass der ausgewiesene Wert die konjunkturelle Lage in der Baubranche völlig unzutreffend beschreibe.
Für das laufende Quartal werde es daher zu einem Rückpralleffekt kommen. In Ausrüstungen sei erneut mehr investiert worden (+1,5% Q/Q). Der Außenhandel insgesamt habe wie erwartet im ersten Quartal belastet. So seien die Exporte um -0,4% Q/Q geschrumpft, während die Importe sich kräftig um 2,4% Q/Q hätten erholen können. Die erheblichen Schwankungen beim Außenbeitrag würden sich entsprechend in der Entwicklung der Vorratsveränderungen widerspiegeln, die diesmal einen erheblichen positiven Wachstumsbeitrag geliefert hätten.
Die Konjunkturperspektiven hätten sich zuletzt aufgehellt. So habe sich das KOF-Konjunkturbarometer im Mai auf 0,81 Punkte erhöht. Dies spreche für eine Fortsetzung des Wachstumskurses, auch wenn der Einkaufsmanagerindex ein etwas trüberes Bild zeichne. Der weitere Verlauf hänge jedoch maßgeblich von der Parlamentswahl in Griechenland und der sich hieraus ergebenden weiteren Entwicklung der Krise in der Eurozone ab. Im schlimmsten Falle - bei einem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion - sei mit erheblichen Verwerfungen an den Kapitalmärkten und entsprechenden negativen Rückkopplungen für die Realwirtschaft zu rechnen. Dann würde auch der gute Start der Schweizerischen Wirtschaft ins Jahr 2012 schnell zu einer Randnotiz werden. Für die SNB (Schweizerische Nationalbank) gebe es daher keinen Grund, die Wechselkursgrenze kurzfristig zu überdenken: Weder eine Aufhebung noch eine Anhebung sei derzeit angezeigt.
Die Schweizerische Wirtschaft habe sich im ersten Quartal überraschend robust entwickelt. So habe das Bruttoinlandsprodukt gemäß der ersten Schätzung des SECO um 0,7% Q/Q zugelegt, zudem sei der Wert für das Vorquartal kräftig aufwärts revidiert worden. Dies werde eine Anpassung der Konjunkturprognosen nach sich ziehen, im Jahr 2012 dürfte das BIP-Wachstum näher an 2% als an 1% liegen. Die SNB sollte aber mit ruhiger Hand agieren. Die aktuellen Marktbewegungen würden eindrucksvoll belegen, dass die Krise in der Eurozone mitnichten beendet sei. (31.05.2012/ac/a/m)
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