Hamburg (www.aktiencheck.de) - Hendrik Emrich, Analyst der Montega AG, bewertet die ElringKlinger-Aktie (ISIN DE0007856023/ WKN 785602) weiterhin mit dem Votum "kaufen".
Nach der Underperformance der ElringKlinger-Aktie in den letzten Monaten (Rückgang seit März rd. 30%) hätten die Analysten ihr Modell an die neue Marktsituation (ausgeprägte Krise Südeuropas) angepasst und die Bewertung überarbeitet. Nach Angaben ElringKlingers verlaufe Q2 positiv, insbesondere der Mai sei ein sehr guter Monat gewesen. Da die Geschäftsentwicklung von ElringKlinger zudem von der Anzahl gefertigter Motorenfamilien abhänge (diese schwanke weniger stark als die Verkaufszahlen) und rund 75% der im Inland gefertigten Fahrzeuge in den Export gehen würden, würden die Analysten nicht mit signifikanten Einbußen der Top Line rechnen.
Die vier OEMs, die aktuell am meisten unter der schwachen Verfassung Südeuropas leiden würden (PSA, Renault (ISIN FR0000131906/ WKN 893113), Fiat (ISIN IT0001976403/ WKN 860007), Opel (ISIN CA6834851066/ WKN A0MVL8)), würden zusammen nur rund 13 bis 15% des Konzernumsatzes ausmachen, sodass davon auszugehen sei, dass Minderumsätze durch ein starkes Premiumgeschäft und zahlreiche Produktneuanläufe (ca. 100 in 2012) kompensiert werden könnten. Aufgrund des vermutlich höheren Preisdrucks hätten die Analysten ihre Ergebnisschätzungen für 2012 ff um rund 5% gesenkt.
Durch die hohe Wettbewerbsqualität dank führender Marktpositionen in wachsenden Marktnischen und des exzellenten Technologieportfolios würden die Analysten das Unternehmen heute in einer stabileren Lage als noch vor einigen Jahren sehen. Zwar sei ElringKlinger in der Vergangenheit (deutlich) profitabler gewesen (EBIT-Marge 2007: 20%), allerdings sei das geringe Margenniveau aktuell (13,1% in Q1) vor allem auf die folgenden zwei negativen Sondereffekte zurückzuführen: Verwässerung und Einmalkosten durch die in den letzten Jahren akquirierten Tochtergesellschaften, v.a. Hug Engineering - negativer Margeneffekt 1,7 PP sowie hohe Vorleistungen für Personal und Musterbau für Aufbau E-Mobility - negativer Margeneffekt 1,0 PP.
Die Marge im Stammgeschäft habe in Q1/2012 bei beachtlichen 15,5% gelegen. Mittelfristig sollten nicht zuletzt aufgrund des guten Track Records des Managements im zügigen Turnaround von Tochtergesellschaften auch auf Konzernebene wieder deutlich höhere Margen erreicht werden.
Das Unternehmen sei nach Erachten der Analysten für die aktuellen Megatrends in der Automobilindustrie (Trend zu kleineren Motoren, Hybridisierung, Trend zum Leichtbau und CO2-Reduktion) hervorragend aufgestellt. Durch das Engine Downsizing nehme bspw. die Quote der thermischen Abschirmteile und Turbolader deutlich zu.
Dank der steigenden Penetration von Turboladern bei Benzinmotoren (Anteil solle von aktuell rund 10% bis 2020 auf 24% ansteigen) profitiere ElringKlinger als Lieferant der beiden wichtigsten Anbieter von Turboladern Borg Warner und Garrett (Honeywell) hiervon in dreifacher Hinsicht:
- Wachsender Automobilgesamtmarkt weltweit (unabhängigen Schätzungen zufolge von knapp 80 Mio. hätten Fahrzeugen in 2012 auf rund 100 Mio. in 2017 produziert)
- Laut IHS-Studie solle der Anteil der Turbolader in den nächsten fünf Jahren von 32% (25,6 Mio. Autos) auf 39% (39 Mio. Fahrzeuge) für die Antriebsarten Diesel und Benziner ansteigen. Hiervon allein in China von 17% auf 30%.
- Turbolader würden deutlich mehr Dichtungen/Hitzeabschirmungen als herkömmliche Motoren benötigen. In beiden Bereichen sei ElringKlinger führend.
Auch Bewertungsseitig hätten die Analysten das Gefühl, dass ElringKlinger vielfach mit Automotive Playern, die entweder deutlich größer und in anderen Märkten aktiv seien (z.B. Continental (ISIN DE0005439004/ WKN 543900)) verglichen werde oder mit Zulieferern, die teilweise in Commodity-Märkten tätig seien (LEONI (ISIN DE0005408884/ WKN 540888), PWO (ISIN DE0006968001/ WKN 696800), Grammer (ISIN DE0005895403/ WKN 589540) etc.). In jedem Fall sei die ElringKlinger-Aktie in den letzten Monaten "in Sippenhaft" genommen und gemeinsam mit der gesamten Automobilbranche abgestraft worden. Insofern hätten die Analysten eine "alternative" Peer Group erstellt, mit der ElringKlinger nach Erachten der Analysten deutlich besser vergleichbar sei.
Technologisch würden die Analysten das Unternehmen in erster Linie mit dem US-Zulieferer BorgWarner (ISIN US0997241064/ WKN 887320) vergleichen, der auch anspruchsvolle Technologien für Turbolader, Antriebs- und Getriebesystemen anbiete. Insofern würden die Analysten Borg Warner als Closest Peer mit einer etwa gleich hohen Bewertung wie ElringKlinger sehen.
Daneben würden die norwegische Kongsberg Automotive und mit Abstrichen Johnsson Controls und die britische GKN als gut vergleichbar gelten. Zwar sei die ElringKlinger-Aktie je nach Bewertungsmodell auf den ersten Blick ambitioniert bewertet, allerdings müsse die führende Position in attraktiven Marktnischen und die auch im Vergleich zu dieser Vergleichsgruppe erheblich höhere Profitabilität und technologische Expertise berücksichtigt werden. Die Margen seien auch im Vergleich zu Borg Warner deutlich höher. Dies rechtfertige nach Erachten der Analysten eine Bewertungsprämie für die ElringKlinger-Aktie, die angesichts des jüngsten Kursverlaufs deutlich geschrumpft sei.
Die Analysten der Montega AG sehen den signifikanten Kursverlust der ElringKlinger-Aktie in den letzten Wochen als ungerechtfertigt an und bekräftigen ihre Kaufempfehlung auf dem aktuellen Niveau. Parallel zur leichten Korrektur ihrer Gewinnschätzungen für 2012 ff würden sie auch ihr Kursziel von 28 Euro auf 26 Euro reduzieren. (Analyse vom 27.06.2012) (27.06.2012/ac/a/d)
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