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 09.02.2013  10:05:04  (dpa-AFX) 1164 Datensätze gefunden
HINTERGRUND: EZB-Chef Draghi zeigt im 'Währungskrieg' die Zähne
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine erste verbale
Salve im Währungskrieg abgefeuert. Der starke Euro bereitet (noch) keine Sorge,
aber einer weiteren Aufwertung wird kein freier Lauf gelassen. Das ist die
Botschaft, die die Finanzmärkte am Donnerstag von Notenbankchef Mario Draghi
empfingen. Dem Italiener gelingt einmal mehr ein cleverer Schachzug: Die EZB
dreht nicht aktiv am Wechselkurs. Doch sie hebt den starken Euro als Risiko für
Konjunktur und Geldwertstabilität hervor und stellt damit weitere Zinssenkungen
in Aussicht. Das reicht vorerst, um den Eurokurs nach unten zu schicken.

Analysten wurden gleich zum Auftakt der Pressekonferenz im Anschluss an die
EZB-Ratssitzung hellhörig. Denn die Notenbanker betonen in ihrem Statement die
starke Währung als 'Abwärtsrisiko' für die Preisentwicklung. Dann legt Draghi
nach: 'Der Wechselkurs ist kein geldpolitisches Ziel, aber wichtig für Wachstum
und Preisstabilität.'

'Draghi erwartet offenbar durch den Anstieg des Euro-Wechselkurses eine
dämpfende Wirkung auf Wachstum und Preise', sagt Experte Michael Schubert von
der Commerzbank. Der hohe Außenwert der Währung könnte die Inflation stärker
drücken als von der EZB angestrebt. Denn Einfuhren werden mit dem starken Euro
billiger, so dass preisdämpfende Einflüsse importiert werden.

'Es ist eine sanfte verbale Intervention gegen einen zu starken
Euro-Wechselkurs', sagt Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank zu
Draghis Äußerungen. Die Notenbanker änderten im Statement zugleich ihre Prognose
für die Teuerungsrate. Statt 'in 2013' sehen sie die Inflation nun bereits 'in
den kommenden Monaten' unter die Zielmarke von 2,0 Prozent fallen. Ein kleines
Detail, doch die EZB könnte dadurch rasch unter Zugzwang geraten. Denn sie muss
ihr Inflationsziel sowohl nach oben als auch nach unten verteidigen.

'Wir sehen eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die EZB bei einer erneuten
Aufwertung des Euro mit einer Senkung der Leitzinsen gegensteuern könnte',
kommentiert Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. Die Marktreaktionen fielen
eindeutig aus: Draghi gab das Zeichen zum Euro-Abverkauf. Der Kurs fiel
schlagartig um fast zwei Cent zum Dollar, die Gewinne des Höhenflugs der
vergangenen Tage sind futsch.

Der EZB-Chef versucht den rhetorischen Spagat: Einerseits betont er, dass die
EZB unabhängig ist und der Wechselkurs kein geldpolitisches Ziel darstellt.
Damit ist klar, dass die Notenbank mit einer aktiven Wechselkurssteuerung, wie
zuletzt von der französischen Regierung gefordert, nichts zu tun haben will.
Andererseits macht er deutlich, dass der starke Euro unter verschärfter
Beobachtung steht und man nicht stillhält, wenn er geldpolitisch zum Problem
werden sollte.

Draghi streicht zwar heraus, dass die Krisenmaßnahmen der großen Notenbanken in
seinen Augen noch keinen 'Währungskrieg' darstellen, bei dem zugunsten der
eigenen Exporteure Wechselkurse nach unten manipuliert werden. Trotzdem sind die
Worte des Notenbankchefs als Warnung zu verstehen: Im Ernstfall verfügt auch er
über effektive Instrumente. Die EZB will den Krieg nicht mitmachen, aber sie
legt ihre Waffen zumindest mal auf den Tisch./hbr/bgf/zb

--- Von Hannes Breustedt, dpa-AFX ---
Quelle: dpa-AFX

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