FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat seine steile Aufwärtsbewegung vom Freitag am Montag mit vermindertem Tempo fortgesetzt. Der deutsche Leitindex notierte am späten Vormittag 0,98 Prozent höher bei 6.479,45 Punkten. Der MDax legte um 0,92 Prozent auf 10.438,85 Punkte zu und der TecDax gewann 1,03 Prozent auf 751,37 Punkte. Nach einer trägen Eröffnung hätten besser als befürchtet ausgefallene Konjunkturdaten aus der Eurozone dem Markt ins Plus verholfen, hieß es. So hat die Industriestimmung im Juni - gemessen am Einkaufsmanagerindex - stagniert, während Experten mit einem Rückgang gerechnet hatten.
Interessant werde in den kommenden Tagen die Entwicklung der Marktpsychologie, die besonders von den Notenbanken und ihren Zinsentscheidungen beeinflusst werden dürfte, sagte Analyst Cameron Peacock von IG Markets. LBBW-Investmentanalyst Bernd Fernow sieht nach dem Gipfel nun die Europäische Zentralbank (EZB) am Zug. 'Die jüngsten Äußerungen aus dem Euro-Tower haben Hoffnungen auf eine Zinssenkung am kommenden Donnerstag geweckt', sagte Fernow. Sollte die EZB passiv bleiben, könnte dies die Börsen enttäuschen. Auf der Agenda stehen am Nachmittag noch einige Konjunkturdaten aus den USA wie der ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes und die Bauausgaben.
BANKEN GEFRAGT
Aus Branchensicht standen wie bereits am Freitag Banken-Titel im Mittelpunkt des Kaufinteresses. Die Sektorwerte profitierten indirekt von der auf dem EU-Gipfel beschlossenen Schaffung einer unabhängigen gemeinsamen Bankenaufsicht. Diese gilt als Voraussetzung dafür, dass sich marode Banken künftig direkt aus Mitteln der Rettungsfonds rekapitalisieren können. Deutsche Bank und Commerzbank verteuerten sich zuletzt um jeweils 1,72 Prozent. Aareal Bank stiegen gar um 7,31 Prozent. HeidelbergCement standen mit einem Plus von 2,09 Prozent an der Dax-Spitze und markierten zudem den höchsten Stand seit knapp zwei Monaten. Börsianer sprachen von einer anhaltend guten Marktstimmung für die Titel, nachdem der Baustoffkonzern auf einer Kapitalmarktveranstaltung einen positiven Eindruck hinterlassen habe.
Linde sorgten ebenfalls für Gesprächsstoff: Die Aktien gaben am Dax-Ende um 3,10 Prozent nach. Laut einem Händler litten die Papiere unter einem deutlich höher als in der Presse kolportierten Kaufpreis für den US-Sauerstoffgeräte-Hersteller Lincare. Wie der deutsche Industriegasekonzern am Sonntagabend mitteilte, will er alle verfügbaren Lincare-Aktien erwerben und bietet den Aktionären 41,50 Dollar je Anteilsschein in bar. Die angestrebte Akquisition habe damit ein Transaktionsvolumen von etwa 4,6 Milliarden Dollar. In ersten Presseberichten war das Volumen dagegen auf lediglich 3,4 Milliarden Dollar beziffert worden.
RHÖN NACH GEPLATZTER ÜBERNAHME SEHR SCHWACH
Lufthansa zeigten sich mit minus 0,11 Prozent gegen den Trend etwas leichter. Händler verwiesen auf das Festhalten der Bundesregierung an der umstrittenen Luftverkehrssteuer. Zuletzt habe es Spekulationen über eine Abschaffung dieser Steuer auf Flugtickets gegeben, nachdem sich einige Fluggesellschaften wegen Wettbewerbsnachteilen gegen sie gestemmt hatten.
Nach der zunächst gescheiterten Übernahme durch den Medizinkonzern Fresenius sackten die Titel von Rhön-Klinikum am MDax-Ende um 11,10 Prozent ab. Fresenius hatte am Freitagabend mitgeteilt, das Ziel, mindestens 90 Prozent plus eine Aktie der Rhön-Papiere zu erwerben, verfehlt zu haben. Insgesamt waren dem Unternehmen 84,3 Prozent des Grundkapitals von Rhön angedient worden. Rhön-Klinikum hatte in einer ersten Reaktion das Scheitern bedauert und angekündigt, dass dies negative Auswirkungen auf das Ergebnis des Klinikbetreibers haben wird.
Im SDax setzten sich die Papiere des Kunststoff-Verarbeiters Balda mit plus 9,73 Prozent an die Index-Spitze. Zuvor hatte Balda mitgeteilt, weitere Aktien der TPK Holding verkauft und damit rund 150 Millionen Euro erlöst zu haben. Bereits im Februar hatte Balda mit dem Verkauf von TPK-Papieren 238 Millionen Euro eingenommen. Der Vorstand will auch den verbleibenden zweiprozentigen TPK-Anteil nach einer dreimonatigen Haltefrist veräußern. Er bekräftigte zudem, einen wesentlichen Teil der Erlöse aus der Transaktion als Sonderdividende auszuschütten. Dank der Verkäufe soll im Rumpfgeschäftsjahr 2012 ein erheblicher Konzerngewinn anfallen./edh/rum
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---
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