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ROUNDUP 7: Nadelstiche oder Faustschläge? Lufthansa-Stewards weiten Streiks aus

FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Die Flugbegleiter der Lufthansa haben mit ihrer zweiten Streikwelle am Dienstag mehr als 300 Flüge ausfallen lassen. Die gestaffelten Streiks der Kabinengewerkschaft Ufo in Berlin, Frankfurt und am Nachmittag auch in München zeigten damit deutlich mehr Wirkung als die erste Welle. Am Freitag waren rund 190 Flüge abgesagt worden. Erneut mussten Tausende Passagiere umsteigen, Wartezeiten auf sich nehmen oder konnten die Flugreise gar nicht erst antreten. In den Terminals der betroffenen Flughäfen wurden die Warteschlangen immer länger. Die Lufthansa-Aktie gehörte am Nachmittag an der Frankfurter Börse mit einem Minus von 1,4 Prozent zu den schwächsten Werten im Dax .

Europas größte Fluggesellschaft hat bereits erste Verbindungen für den Mittwoch gestrichen. In Frankfurt und Berlin fielen den Angaben zufolge außerdem rund die Hälfte der in der Streikzeit geplanten Kurz- und Mittelstreckenflüge aus. In Frankfurt wurde jeder dritte Interkontinentalflug abgesagt, in München sogar jeder zweite. Bereits am Vorabend waren Interkontinentalflüge im Ausland abgesagt worden, um am Morgen den Frankfurter Flughafen nicht volllaufen zu lassen. Bei der ersten Streikwelle am Freitag hatte der Flughafen vorübergehend geschlossen werden müssen, weil alle Parkpositionen belegt waren. Außerdem hatten mehrere hundert Umsteiger im Terminal übernachten müssen.

AUTOVERMIETER PROFITEREN

Bei der Planung des restlichen Flugprogramms haben Verbindungen nach Übersee Vorrang, auf kürzere Entfernungen wurden die Gäste vor allem auf die Bahn umgebucht. Auch Autovermieter konnten sich über steigende Umsätze freuen. 'Wir rechnen mit einigen tausend Fahrgästen mehr', sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn in Berlin. 'Bei Bedarf werden wir mehr Züge auf die Reise schicken, bisher reichten die Kapazitäten noch aus.'

Trotz der Gegenmaßnahmen und 18.000 an Passagiere verschickten Hinweisen per SMS bildeten sich bereits früh am Morgen wieder lange Schlangen an den Umbuchungsschaltern in Berlin wie auch im Frankfurter Terminal 1. Am Abend hatte die Gewerkschaft zunächst Streiks in Berlin und Frankfurt bekanntgegeben. Der Münchner Streik wurde erst am Morgen angekündigt.

LUFTHANSA: 'STREIK GEGEN KUNDEN'

Lufthansa kritisierte die Taktik heftig: 'Das hat nichts mehr mit Nadelstichen zu tun, (...) sondern das sind Nackenschläge oder Faustschläge ins Gesicht unserer Kunden. Hier streikt eine Gewerkschaftsführung gegen die Kunden. Und das kann nicht sein', sagte Konzernsprecher Klaus Walther der Nachrichtenagentur dpa. 'Was die Ufo heute tut, ist doch bereits ein flächendeckender Streik', ergänzte sein Kollege Andreas Bartels.

Zum Ende vergangener Woche hatten die Flugbegleiter in einer ersten Welle für acht Stunden schon einmal in Frankfurt die Arbeit niedergelegt und damit Deutschlands größten Flughafen teilweise lahmgelegt. Ufo-Chef Nicoley Baublies hatte die Streiks als Nadelstiche bezeichnet und mit flächendeckenden 24-Stunden-Ausständen gedroht, falls sich die Lufthansa nicht bewege. Walther forderte die Gewerkschaft seinerseits erneut auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren, den Ufo verlassen habe.

LUFTHANSA PLANT WEITER BILLIGTOCHTER

Die Gewerkschaft hat in den seit 13 Monaten andauernden Verhandlungen nach drei Jahren Nullrunden neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs verlangt. Lufthansa plant hingegen mittelfristige Einsparungen bei den Personalkosten und will dafür unter anderem die Beförderungsstufen strecken. Auch an der Einführung einer konzerninternen Billigtochter hält das Management fest. Bei einer längeren Laufzeit hat das Unternehmen Gehaltssteigerungen um 3,5 Prozent angeboten./ceb/DP/stw

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