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WOCHENAUSBLICK: Schuldenkrise und Konjunktur dominieren Dax - Spanien im Fokus

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die europäischen Aktienmärkte dürften auch in der neuen Woche von der Schuldenkrise und den Konjunktursorgen dominiert werden. Insbesondere Spanien steht im Fokus: Das angeschlagene Eurozonen-Mitglied wird nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur voraussichtlich noch an diesem Samstag beim Euro-Rettungsfonds EFSF einen Antrag auf Hilfe für seine kriselnden Banken stellen. Dazu kommen als politische Faktoren die Parlamentswahlen in Frankreich und insbesondere in Griechenland. Am Freitag könnte zudem der große Verfallstag an den Börsen ('Hexensabbat') für Kursausschläge sorgen.

Die Experten der Landesbank Berlin (LBB) sehen die hohe Liquidität weiter als Kursstütze, so dass Dax und EuroStoxx 50 nicht wesentlich unter ihre jüngsten Tiefstände rutschen sollten. Nach der Leitzinssenkung in China habe auch die US-Notenbank signalisiert, bei einer Eskalation der Schuldenkrise oder Rezessionsgefahren tätig zu werden. Zudem dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) im Sommer ihren Leitzins von 1,0 auf 0,75 Prozent senken. Bei einer Stimmungsaufhellung könnte dies zu einer Aktienrally führen, nachdem die Notierungen durch die Korrektur seit Mitte März auf ein günstiges Bewertungsniveau zurückgekommen seien.

'Allerdings dürfte die Volatilität in den Sommermonaten deutlich erhöht bleiben', warnten die LBB-Experten. Sie fordern 'die nächsten Schritte zur Bekämpfung der Schuldenkrise', wozu eine stärkere politische Integration und die Lösung des spanischen Bankenproblems gehörten. Im Blick blieben auch die griechischen Neuwahlen am 17. Juni, für welche die Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Reformgegnern und -befürwortern prognostizierten. Eine Insolvenz des Landes mit deren unabsehbaren Folgen könnte die Börsen ebenso erneut auf Talfahrt schicken wie weitere negative Konjunkturnachrichten. Die spanische Bank Santander glaubt, dass die Anleger zum Wochenbeginn die erste Runde der französischen Parlamentswahlen 'genau analysieren' werden, bevor die dortigen Stichwahlen sowie Griechenland in den Mittelpunkt rückten.

HELABA HOFFT AUF GUTE NACHRICHTEN AUS SPANIEN

Commerzbank-Analyst Markus Wallner rechnet ebenso wie die Spezialisten der LBB mit weiter schwankungsanfälligen Aktienmärkten. Das schwache Wachstum in der Eurozone belaste inzwischen auch die deutsche Wirtschaft, heißt es in einem aktuellen Kommentar. Dazu kämen die Refinanzierungsprobleme der spanischen Kreditinstitute. Wallner rät den Anlegern daher, auf Aktien von Unternehmen mit einem niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnis und einer überproportionalen Gewinndynamik zu setzen, die einen Großteil ihres Geschäfts im Ausland machten.

Helaba-Volkswirtin Claudia Windt setzt ihre Hoffnungen vor allem auf Spanien. 'Wenn Spanien in den nächsten Tagen unter dem Rettungsschirm Schutz fände, dürfte dies zu einer gewissen Erleichterung an den Kapitalmärkten führen', so ihre Überzeugung. 'Man könnte dann den Wahlausgang in Griechenland mit etwas mehr Gelassenheit abwarten.' Auch der globale Konjunkturpessimismus dürfte abnehmen, da sich die Lockerung der Geldpolitik in wichtigen Wachstumsregionen 'mit der üblichen Verzögerung positiv bemerkbar machen wird'. Zudem habe der jüngste Konjunkturbericht der US-Regierung ('Beige Book') gezeigt, dass sich die moderate Expansion der US-Wirtschaft fortsetze.

'AKTIENMARKT BLEIBT SPIELBALL DER POLITIK'

'Der Aktienmarkt bleibt in diesen Tagen ein Spielball der politischen Entscheidungen', betonte Analyst Daniel Schär von der Weberbank. Da die Regierungen und die Notenbanken das Ruder übernommen hätten, seien fundamentale Faktoren wie Gewinnsituation, Bewertung oder Dividendenrendite zu nachrangigen Themen geworden. 'So fällt es uns dieser Tage auch schwer, einen klaren Trend auszumachen', räumte der Experte ein. Dazu habe sich die charttechnische Situation weltweit eingetrübt. Zwar seien die Börsen inzwischen stark überverkauft, was Potenzial für eine kurzfristige Erholung beinhalte. Auf mittlere Sicht sollten Belastungsfaktoren wie die nachlassende weltweite Wirtschaftsdynamik und die europäische Schuldenkrise aber einen nachhaltigen Kursanstieg ausbremsen.

Unternehmensseitig dürfte die Nachrichtenlage auch in der neuen Woche dünn bleiben. Neben monatlichen Verkehrszahlen der Lufthansa stehen Kapitalmarktveranstaltungen der Fresenius-Tochter Fresenius Kabi sowie der Volkswagen-Tochter Scania (alles am Dienstag) auf der Agenda. Am Donnerstag folgen Verkehrszahlen des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport , Zahlen von Gerry Weber und Kabel Deutschland sowie die Bilanzpressekonferenz von Heidelberger Druckmaschinen .

INDEXÄNDERUNGEN IM TECDAX

Konjunkturimpulse sind insbesondere am Freitag von einer Reihe an US-Daten wie dem Empire State Index, dem von der Universität Michigan ermittelten Verbrauchervertrauen sowie zur Industrieproduktion und zur Kapazitätsauslastung zu erwarten. Börsenseitig stehen - ebenfalls unmittelbar vor dem Wochenende - einige Änderungen im TecDax an: BB Biotech und Centrotherm Photovoltaics müssen den deutschen Technologiewerte-Index verlassen und werden durch Cancom und Sartorius ersetzt./gl/tih/she

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

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