Nimmt man den Ölpreis als einen Konjunkturindikator, sieht es für die Weltwirtschaft sehr düster aus. Denn das schwarze Gold setzt seinen Preisverfall unaufhaltsam fort, inzwischen summiert sich der Rückgang seit dem Zyklushoch im März auf fast 30 Prozent.
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Was die Autofahrer weltweit freut (auch wenn der Effekt in Europa durch den schwachen Euro konterkariert wird), bereitet den Produzenten zunehmend Sorgen. Denn die Zeiten, als sie Öl für wenige Dollar aus dem Boden pumpen konnten, sind längst vorbei. Schon Ende 2011 lagen die marginalen Kosten der Ölförderung Schätzungen zufolge bei 92 US-Dollar, rund 11 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Auch wenn diese Zahl auf einer Analyse basiert, die lediglich die börsennotierten Ölproduzenten umfasste und deswegen die Kosten der OPEC-Länder wie auch Russlands, die über die ergiebigsten und am leichtesten zu erschließenden Quellen verfügen, weitestgehend nicht berücksichtigt hat, so ist der Trend eindeutig. Und selbst für die Golfländer gibt es Schätzungen, denen zufolge der Breakeven-Preis inzwischen um die 80 US-Dollar liegt.
Aus diesem Grund gilt auch die Marke von 90 US-Dollar als eine Grenze, die die OPEC entschlossen verteidigen dürfte. Bisher hat das Kartell still gestanden und den Preisrückgang angesichts der schwachen Weltkonjunktur hingenommen, Saudi-Arabien nannte das Niveau von 100 US-Dollar als fair. Doch nachdem der Ölpreis durch diese Marke nach unten durchgerauscht ist, sind baldige Förderkürzungen zu erwarten. Dies umso mehr, als die Förderung des Kartells zuletzt noch auf Rekordniveau gewesen ist, mehr als 1 Mio. Barrel pro Tag über dem selbst gesetzten Limit.
Für die Anleger, die auf einen weiter fallenden Ölpreis setzen, nehmen damit die Risiken zu. Denn sie agieren gegen einen mächtigen Marktplayer, der den Preis jederzeit, zumindest kurzfristig, bewegen kann. Trotz der ungebrochenen Abwärtsdynamik scheint es so, als würde langsam das Chance-Risiko-Verhältnis auf der Long-Seite besser werden.
Autor: Dr. Adam Jakubowski
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