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Anleihen: Schlechte Zeiten für Anleger

BÖRSE FRANKFURT

Marktbericht vom Rentenhandel

Enttäuschende US-Arbeitsmarktdaten lassen die Renditen weiter sinken. Wer mehr Zinsen will, muss Risiken eingehen.

25. Oktober 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Von höheren Zinsen – zumindest auf halbwegs sichere Anlagen – können Investoren weiterhin nur träumen: Die geldpolitische Wende, die man noch vor wenigen Monaten ganz nah wähnte, ist wieder in weite Ferne gerückt. Der Euro-Bund-Future, Indikator für langfristige Zinserwartungen, notiert am Freitagmittag bei 140,98 Punkten und damit höher als vergangenen Freitag mit 140,17 Punkten. Zehnjährige Bundesanleihen werfen nur noch 1,754 Prozent ab, vor einer Woche waren es 1,82 Prozent.

„Die am Dienstag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten sind schlechter als erwartet ausgefallen“, erklärt Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Besonders die Zahl der neu geschaffenen Stellen habe mit 148.000 enttäuscht. Damit sei eine baldige gelpolitische Straffung durch die US-Notenbank unwahrscheinlicher geworden. „Am Markt geht man davon aus, dass die Fed die Anleihekäufe erst zurückführen wird, wenn die Zahl der neu geschaffenen Stellen über 200.000 im Monat steigt.“ Die HSH Nordbank rechnet damit, dass die Fed unter ihrer neuen Chefin Janet Yellen erst Ende des ersten Quartals 2014 mit der langsamen Rückführung der Anleihekäufe beginnen wird. „Wegen des geringeren Wachstums im vierten Quartal aufgrund der Zwangssparmaßnahmen und der anhaltenden Unsicherheit durch die Haushalts- und Schuldenprobleme hat die US-Notenbank immer weniger Argumente, das Tapering noch in diesem Jahr zu beginnen.“

Hohe Gewinne von Zypern-Anleihen

Wie bereits in den Vorwochen setzen immer mehr Anleger auf Staatsanleihen der europäischen Mittelmeerländer, deren Kurse haben seit Sommer jedenfalls kräftig zugelegt. Das gilt sowohl für griechische (WKN A1G1UA) als auch zyprische Anleihen (WKN A0DAA7), wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichtet. Etwa wurde die bis 2014 laufende Zypern-Anleihe im Juli noch zu 83,50 Prozent gehandelt, jetzt sind es 96 Prozent – ein Plus von 15 Prozent in drei Monaten. „Die 2020 fällige Zypern-Anleihe (WKN A1AS1P) ist innerhalb kurzer Zeit auf 75,95 Prozent gestiegen“, meldet Brunner. Seit Juli hat der Bond um rund 25 Prozent zugelegt. Auch spanische und portugiesische Papiere (WKN A1HK7U, A0GVUR) profitieren weiter.

Wem das alles zu riskant ist, muss sich mit niedrigeren Zinsen abfinden. Wie Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank berichtet, hat der Euro-Rettungsfonds EFSF eine neue Benchmark-Anleihe mit einem Volumen von 6 Milliarden Euro, einem Kupon von 1,75 Prozent und einer Laufzeit bis 2020 begeben (WKN A1G0BK). Daneben sei am Mittwoch die bis 2044 laufende Bundesanleihe (WKN 113548) mit Kupon von 2,5 Prozent um 2 Milliarden Euro aufgestockt worden. „Die Nachfrage ist aber unter dem Durchschnitt geblieben“, bemerkt Brunner. Angesichts der früher oder später steigenden Zinsen seien Anleger immer weniger bereit, sich auf diesem Niveau zu engagieren.

Viel Umsatz mit Celesio

Im Handel mit Unternehmensanleihen waren in dieser Woche wieder viele der „üblichen Verdächtigen“ gesucht, wie Klaus Stopp von der Baader Bank feststellt: So seien zwei Bonds von ThyssenKrupp (WKN A1MA9H, A1R08U) gefragt gewesen, auch Anleihen von Renault (WKN A1G9HU), VW (WKN A1HHW8) und Metro (WKN A1HDSJ) stünden in der Gunst der Anleger oben. Wie Hellwig erklärt, ging im Zuge der angekündigten Übernahme von Celesio durch den US-Konkurrenten McKesson die bis 2016 laufende Celesio-Anleihe (WKN A1HBAN) gut weg. Daniel berichtet von einem starken Umsatzanstieg bei dem bis 2017 laufenden Celesio-Bond (WKN A1AWC7) schon vor der Meldung. „Jetzt ist die Luft natürlich raus.“ Rege gekauft worden seien darüber hinaus GE- (WKN A1G57J) und Peugeot-Anleihen (WKN A0VSYU). „Bei Peugeot liegt das wohl an Meldungen über eine Aufkündigung der Zusammenarbeit mit GM.“

Auch Währungsanleihen ziehen immer noch – trotz Höhenflug des Euro. Daniel zufolge setzen Anleger etwa auf einen KfW-Bond in brasilianischen Real (WKN A1RE8Z). „Das könnte mit der im kommenden Jahr in Brasilien stattfindenden WM zusammenhängen.“ Stopp meldet ebenfalls eine rege Nachfrage nach dem Papier. „Hier ist allerdings das Währungsrisiko mit ins Kalkül zu ziehen“, bemerkt der Händler. Anleger, die zu Hochzeiten der Krise auf Währungsanleihen gesetzt haben, sitzen jetzt auf Verlusten, da in den vergangenen Monaten fast alle Währungen gegenüber dem Euro nachgegeben haben.

Angesichts des Niedrigzinsumfeldes drängen weiterhin viele Unternehmen auf den Markt, in dieser Woche etwa HeidelbergCement: Der Bond mit Laufzeit von sieben Jahren bietet einen Kupon von 3,25 Prozent (WKN A1VDJK) und eignet sich mit einer Stückelung von 1.000 Euro auch für Privatanleger. So mancher wird sich allerdings die Augen gerieben haben: Bei einer vor zwei Jahren emittierten Anleihe des Unternehmens mit gleicher Laufzeit gab es mit 9,5 Prozent noch fast das Dreifache (WKN A1GV10).

Nicht nur Motorradfahrern dürfte es ein Begriff sein: Hein Gericke, einer der führenden deutschen Hersteller von Motorradbekleidung. Das Unternehmen begibt eine fünfjährige Anleihe (WKN A1YCQT) im Volumen von bis zu 16 Millionen Euro mit einer Verzinsung von 8,25 Prozent. Die Zeichnungsfrist beginnt am kommenden Dienstag, den 29. Oktober.

Am vergangenen Freitag endete im Übrigen die Zeichnungsfrist für die Unternehmensanleihe des Bettdeckenherstellers Gebr. Sanders (WKN A1X3MD). Am Freitagmittag wird das Papier, die 50. Anleihe im Entry Standard der Börse Frankfurt, zu 100,15 Prozent gehandelt.

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von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG © 25. Oktober 2013

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