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AUSBLICK 2014: Sand im Getriebe - doch Volkswagen steht im Vergleich glänzend da

WOLFSBURG (dpa-AFX) - Die Suche nach dem sprichwörtlichen Haar in der Suppe ist bei Volkswagen keine leichte Aufgabe. Gut, da waren die Querelen um den Steuer-Deal für die Eingemeindung von Porsche, auch das Millionen-Salär von VW-Chef Martin Winterkorn sorgte für Kritik. Beim Zusammengehen der Lkw-Riesen MAN und Scania stehen nach wie vor Fragezeichen, die spanische Tochter Seat steckt in den roten Zahlen und die große Abhängigkeit vom Absatzmarkt China ist nicht ohne. Aber: unterm Strich sind dies alles Luxusprobleme.

In China verdiente VW in den ersten neun Monaten 2013 mehr Geld, als ganz Peugeot an der Börse wert ist. Während die Konkurrenz Werke schließt, stampft Europas größter Autobauer neue aus dem Boden. VW wird 2013 wieder mehr Wagen losschlagen als je zuvor, Zehntausende neue Mitarbeiter eingestellt haben und vermutlich den Betriebsgewinn stabil halten: 11,5 Milliarden Euro. Die Gewinnmaschine VW macht damit rechnerisch 31,5 Millionen Euro jeden einzelnen Tag im Jahr.

Dennoch: Es gibt auch Probleme in der VW-Welt auf dem Weg zur Nummer eins der Branche. Den Anfang machte im September ein 'Handelsblatt'-Bericht vor der Automesse IAA. Tenor: Der Autoriese stehe vor einer umfassenden Personalrochade, mit der VW-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten abgebe. Winterkorn werde Piëch nachfolgen und der bisherige VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch an seine Stelle rücken.

Für gewöhnlich kommentiert das Unternehmen Personalspekulationen nicht. Aber bei dieser Größenordnung wies VW den Bericht 'mit Nachdruck' zurück. Doch als der Konzern wenige Tage später auf der IAA seine Neuheiten in Szene setzte, beäugten viele nur das VW-Machtzentrum Piëch. Wirkt er angeschlagen? 'Mir geht es gut', sagte der 76-Jährige, um keinen Zweifel zu lassen. Später kündigte Piëch an, er plane den Ursprung des Gerüchtes zu 'guillotinieren'. Winterkorn bezeichnete die Spekulation als schäbig und stellte klar: Das Gespann Piëch/Winterkorn bleibe VW noch 'viele Jahre erhalten'.

Aber das 'Handelsblatt' hatte den Finger in eine Wunde gelegt. Piëch geht auf die 80 zu. Winterkorn ist mit 66 derzeit ältester Chef eines Dax -Konzerns. Und Finanzmann Pötsch ist mit 62 Jahren auch kein Vertreter einer möglichen neuen Generation an der VW-Spitze.

Hat die Konzernführung ein Altersproblem? Ein hochrangiger Manager verneint das. Winterkorn habe die Fitness eines 50-Jährigen. Außerdem sei Piëchs Gesundheitszustand weder besorgniserregend noch müsse ihn Winterkorn im Falle eines Abdankens im Aufsichtsrat wie mit einer Gesetzmäßigkeit beerben. Für die Nachfolge sei die VW-Familie zudem gut aufgestellt - nicht nur mit mutmaßlichen Kronprinzen wie Pötsch, Audi -Chef Rupert Stadler oder Porsche-Lenker Matthias Müller. In der zweiten Reihe gebe es 'eine Menge Talente', sagt der Insider.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) hält die Spekulationen für fehl am Platze. 'Ich habe den Eindruck, dass wir 2014 bei VW mit großer personalpolitischer Stabilität weiter arbeiten werden', sagte er jüngst der dpa.

Doch seit der IAA war Sand im Getriebe. Noch im September berichtete das 'Manager Magazin' über Renditeprobleme des Autobauers. VW laufe angeblich Gefahr, interne Gewinnziele für 2015 um bis zu fünf Milliarden Euro zu verfehlen. Der Konzern dementierte erneut per Pressemitteilung - Aufruhr in Wolfsburg. Inzwischen spricht der Vorstand selber vom Gürtel, der enger geschnallt werden soll. Der Fokus liege auf konsequenter Kosten- und Investitionsdisziplin, gab Finanzchef Pötsch zur Vorlage der Neunmonatszahlen bekannt.

Dabei könnte gerade das US-Geschäft einen zusätzlichen Schub vertragen. Nach Jahren des steilen Wachstums kommt die Kernmarke Volkswagen Pkw dort ins Schlingern. Zweistellige Absatzrückgänge zwischen September und November ließen die Alarmglocken schrillen. Zum Januar übernimmt mit Michael Horn ein neuer Manager das Konzerngeschäft in den USA. Vorgänger Jonathan Browning wolle aus persönlichen Gründen in seine Heimat Großbritannien zurückkehren.

Mitte November geriet VW dann noch mit einem gewaltigen Rückruf in die Schlagzeilen: Auf einen Schlag wurden mehr als 2,6 Millionen Autos in die Werkstatt beordert. Der Löwenanteil der Probleme geht - ausgerechnet - auf ein internes Prestigeprojekt zurück, das Piëch in den 1990er Jahren vorantrieb: das Doppelkupplungsgetriebe. Neben den Kosten und möglichen Imageproblemen offenbarten die Rückrufe auch eine Achillesferse des Konzerns, der auf zehn Millionen Fahrzeuge Jahresabsatz zusteuert: Mehr identische Bauteile aus Kostengründen in mehr Modelle zu drücken, steigert auch das Qualitätsrisiko./loh/mmb/zb


Von Heiko Lossie, dpa und Max-Morten Borgmann, dpa-AFX

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