Für einen optimalen Ausdruck erlauben Sie bitte den Druck von Hintergrundfarben und -bildern

Auslandsaktien: Ausverkauf in China

BÖRSE FRANKFURT

Marktbericht vom Handel mit internationalen Werten

Aktien chinesischer Banken haben vergangene Woche einen heftigen Einbruch erlebt. Mittlerweile hat sich die Lage etwas beruhigt, ausgestanden ist die Krise aber noch nicht.

27. Juni 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die negativen Meldungen aus China mehren sich: Nicht nur, dass die Wirtschaft nicht mehr so brummt wie gewohnt, zuletzt schlugen auch die Wellen in der Finanzbranche hoch. In der vergangenen Woche kletterten die Interbankenzinsen – also die Zinsen, die Banken verlangen, wenn sie anderen Banken Geld verleihen – auf ein Rekordhoch; ein Signal dafür, dass die Institute einander nicht mehr trauen.

„Gerüchte um eine Pleite der Bank of China machten die Runde“, berichtet Michael Arras von Close Brothers Seydler. „Außerdem hieß es, dass Kunden der Industrial and Commercial Bank of China ICBC an Bankautomaten kein Geld abheben konnten.“ Bankaktien fielen in Shanghai so stark wie seit November 2008 nicht mehr. „Der Kurs der Bank of China (WKN A0M4WZ) gab um 10 Prozent nach“, bemerkt Arras. Andere großen Instituten ging es ähnlich, etwa der China Construction Bank (WKN A0M4XF), der ICBC (WKN A0M4YB) und der Agricultural Bank of China (WKN A1C024). „Die Gerüchte um eine Insolvenz wurden allerdings dementiert, und die ICBC hat erklärt, dass für die Störung bei der Geldausgabe eine Systemumstellung verantwortlich war.“

Kreditblase befürchtet

Auslöser für das Misstrauen: In der Vergangenheit haben chinesische Banken, einige von ihnen gehören zu den größten der Welt, ziemlich leichtgläubig Kredite vergeben. Durch das extreme Kreditwachstum sind gewaltige Überkapazitäten entstanden – nicht nur im Immobiliensektor. Nun drohen Ausfälle und eine Kreditklemme. Erst in dieser Woche mischte sich die chinesische Notenbank ein und sagte zu, Banken in Liquiditätsnot gegebenenfalls mit Geld zu stützen. Die Interbankenzinsen gaben daraufhin wieder nach. „Die Situation bleibt aber angespannt“, bemerkt Jan Vrbsky von der Baader Bank.

Big is beautiful

Ob sich die Aktien nun wieder erholen oder Schlimmeres droht, ist umstritten. „Kleinere und mittelgroße Banken wären von einer Kreditklemme besonders betroffen“, erklärt Vrbsky. Diese hätten nämlich in der Vergangenheit auf Fristentransformation gesetzt, sich also kurzfristig Geld zu günstigen Zinsen geliehen und dieses langfristig zu höheren Zinsen weiterverliehen. „Die großen Banken haben hingegen hohe Einlagen, da es in China keine Einlagensicherung gibt und Anleger ihr Geld daher lieber großen Häusern anvertrauen.“ Die Großen könnten daher sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen, meint der Händler mit Blick auf die Bank of China, die China Construction Bank, die ICBC und die Agricultural Bank of China.

Ebenfalls verschont bleiben dürfte Vrbsky zufolge die in Singapur ansässige Oversea-Chinese Banking Corporation (WKN A0F452). „Die Bank hat ihren Schwerpunkt in der Außenhandelsfinanzierung.“ Der Kurs stürzte diese Woche zwar ebenfalls ab, vorab hatte sich der Wert seit 2009 allerdings verdreifacht.

Risiken sind groß

Für einige Analysten herrscht derzeit aber nur Ruhe vor dem Sturm. Arras weist darauf hin, dass Investments in chinesische Bankaktien hochspekulativ sind. Viel Freude haben Aktionäre an chinesischen Bankaktien in den vergangenen Jahren ohnehin nicht gehabt. Ähnlich wie am chinesischen Aktienmarkt insgesamt ging es auch für viele Bankwerte seit 2010 meist nach unten – oder bestenfalls seitwärts.

Wer allerdings beim Timing den richtigen Riecher hatte, konnte durchaus satte Gewinne einstreichen: Etwa kostete die Bank of China-Aktie vergangenen Oktober an der Börse Frankfurt noch 0,291 Euro, vor dem Einbruch waren es im Mai 0,372 Euro – immerhin ein Plus von fast 30 Prozent in fünf Monaten. Der Kurs der ICBC klettert von September bis Mai ebenfalls um knapp 30 Prozent in die Höhe, der Kurs der Agricultural Bank of China von August bis Februar sogar um 45 Prozent.

Sie können sich kostenlos für unseren täglichen Newsletter per E-Mail anmelden. Registrieren Sie sich einfach unter www.boerse-frankfurt.de/newsletter

© 27. Juni 2013/Anna-Maria Borse

Kurs zu Hang Seng Index

  • 25.112,23 Pkt.
  • +0,47%
22.08.2014, 10:05, außerbörslich

Derivate-Wissen

Sie glauben, der Kurs des "Hang Seng" steigt?

Mit Bonus-Zertifikaten können Sie an steigenden Index-Kursen teilhaben.

Erfahren Sie mehr zu Bonus-Zertifikaten