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BaFin: „Wir stecken Produkte und Anleger in Schubladen“

Fundresearch
BaFin: „Wir stecken Produkte und Anleger in Schubladen“

„Ich könnte mir vorstellen, dass man Anlagen nach ihrer Komplexität und den damit verbundenen Risiken kennzeichnet“, sagte BaFin-Chefin Elke König vergangene Woche gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“. Dies sei in Form einer Ampel denkbar: „Rot für hoch riskante Produkte, Gelb für weniger riskante Produkte und Grün für Anlagen mit relativ geringem Risiko.“ Zwar räumt König ein, dass es schwierig sei, Grenzen zwischen den Produkten zu ziehen. „Die Frage einer Ampel gehört aber auf die Agenda.“ Die Idee müsse ernsthaft geprüft werden, „Selbst wenn das bedeutet, dass wir Produkte und Anleger in Schubladen stecken.“

AfW: „Kein weiteres Siegel ohne Verlässlichkeit“

„Grundsätzlich begrüßt der AfW - Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. Maßnahmen, die zu mehr Transparenz, Verbraucherwissen und Beratungsqualität führen“, kommentiert AfW-Vorstand Norman Wirth Königs Vorschlag auf Anfrage von FundResearch. „Aber: Sollte sich die politische Diskussion wirklich in Richtung einer ‚Ampel‘ entwickeln, dann muss aus Sicht des AfW am Ende eine Bewertung stehen, für die die BaFin auch haftet.“ Niemand brauche ein weiteres Siegel ohne Verlässlichkeit. „Darum statt fragwürdiger ‚Ampel‘: Her mit einem verbindlichen Produkt-TÜV“, fordert Wirth. „Am Ende der zertifizierten Produktprüfung muss eine klare, belastbare Aussage über alle relevanten Eckpunkte getroffen werden, für die der Prüfer auch haftet.“ Dies müsse in einem Maße geschehen, dass sich weder Kunde noch Berater und Vermittler mit jedem einzelnen Detail befassen müssen. „Wir regen alternativ zumindest ein branchenübergreifendes Gremium, gern auch unter Beteiligung der Wissenschaft an, das eine Einordnung von Geldanlageprodukten einvernehmlich vornimmt“, so der Vorschlag des Verbandes. „Wenn daraus Informationen generiert werden, die den Verbrauchern nutzen und unseren Mitgliedern eine höhere Rechtssicherheit bei ihrer Beratungsleistung bringen, dann nehmen wir gern an diesem Gremium teil.“

Ähnliches ist von der Deutschen Kreditwirtschaft zu hören. Auf Nachfrage von FundResearch haben der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, der Bundesverband deutscher Banken, der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sowie der Verband deutscher Pfandbriefbanken eine einheitliche Stellungnahme abgegeben: „Die Deutsche Kreditwirtschaft unterstützt die Forderung der BaFin, den Grauen Kapitalmarkt stärker zu regulieren“, heißt es. Die Behörde sollte umfassende Aufsichtsbefugnisse über alle Marktteilnehmer erhalten, um Lücken im Anlegerschutz zu schließen. „Die damit verknüpfte Forderung, alle Finanzprodukte mit ihren verschiedensten Eigenschaften in ein Ampelsystem zu pressen, sollte jedoch einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden.“ Schon bei der Lebensmittelkennzeichnung habe sich die Ampel als nicht umsetzbar erwiesen. Einer Anwendung auf Finanzprodukte steht die Deutsche Kreditwirtschaft sehr skeptisch gegenüber. „So kann ein Produkt mit höherem Risikogehalt durchaus als sinnvolle Beimischung zu anderen Produkten gewählt werden“, stellen die Bank-Verbände klar. „Ein Ampelsystem kann schwerlich den unterschiedlichsten Kundenbedürfnissen gerecht werden.“ Ob ein Produkt für den einzelnen Anleger geeignet ist oder nicht, hänge von vielen Faktoren ab: Risikobereitschaft, Anlageziele, finanzielle Verhältnisse sowie Kenntnisse und Erfahrungen.

(PD)

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