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Bilfinger will sich mit Rosskur gesundschrumpfen

Reuters

Mannheim (Reuters) - Ein drohender Rekordverlust zwingt Bilfinger zu einer Schrumpfkur.

Der angeschlagene Mannheimer Konzern will sich künftig vor allem auf das gut laufende Bau- und Immobiliengeschäft sowie technische Industriedienste konzentrieren. Zur bereits angekündigten Trennung von der Kraftwerkssparte, die dem Bau- und Dienstleistungskonzern in diesem Jahr hohe Verluste einbrockt, könnten noch weitere Verkäufe hinzukommen. Vorstandschef Per Utnegaard stellt ein Umsatzvolumen von einer Milliarde Euro auf den Prüfstand. In den von der Überprüfung betroffenen Firmen arbeiten 9000 der 57.000 Mitarbeiter, die Bilfinger nach dem Verkauf der Energiesparte noch beschäftigen wird.

"2016 wird ein Übergangsjahr werden", sagte der neue Bilfinger-Chef Utnegaard am Donnerstag in Mannheim. So dramatisch wie dieses Jahr mit einem Nettoverlust von einer halben Milliarde Euro werde es 2016 nicht werden, ergänzte Finanzchef Axel Salzmann.

Bilfinger ist wegen der Energiewende, die Bau und Erneuerung von Kraftwerken in Deutschland zum Erliegen brachte, in die Krise gestürzt. Im ersten Halbjahr 2015 verbuchte der Konzern wegen mauer Geschäfte in der Kraftwerkssparte einen Verlust von 439 Millionen Euro - so viel wie nie zuvor. Aber auch hausgemachte Probleme wie mangelnde Transparenz in dem Gestrüpp von rund 600 Firmeneinheiten weltweit trugen dazu bei. Das will Utnegaard nun eindampfen. Hinter der Milliarde Umsatz, für die alle Optionen offen seien, gehören Stahl- oder Gerüstbau, Wassertechnologie und Off-Shore-Windkraftanlagen. Auch kleinere Firmen in Asien oder den USA stehen zur Disposition. An Tochterfirmen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, aber profitabel sind, will Bilfinger festhalten. Die weltweite Expansion der vergangenen Jahre wird zurückgedreht: In Zukunft konzentriert sich der MDax-Konzern auf Europa als Hauptmarkt.

Anleger reagierten positiv auf die Neuausrichtung von Bilfinger. Die Aktien legten 2,5 Prozent zu und gehörten damit zu den Favoriten im Nebenwerte-Index MDax. Der Konzern hatte durch sechs Gewinnwarnungen binnen eines Jahres viel Vertrauen verspielt, nun bekräftigte Utnegaard die Ziele für 2015. Er rechnet - ohne das Kraftwerksgeschäft - mit einer Leistung von 6,25 Milliarden Euro und einem bereinigten operativen Ergebnis (Ebita) von 150 bis 170 Millionen Euro. "Das deutet darauf hin, dass sich das Geschäft nicht weiter verschlechtert hat", urteilte DZ Bank-Analyst Jasko Terzic. Das nähre die Hoffnung, dass Bilfinger bereits 2016 die Trendwende schaffe.

UTNEGAARD WILL IM FRÜHJAHR NEUE GEWINNZIELE NENNEN

Ein genaues Bild darüber können sich Investoren aber erst im Frühjahr machen, wenn Utnegaard neue Ziele für 2016 und auch mittelfristige Wachstumsziele bekannt geben will. Der Norweger, der auf Betreiben des Bilfinger-Großaktionärs Cevian zum Nachfolger des zurückgetretenen früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch ins Amt kam, setzt auf den anhaltenden Trend zum Auslagern von Industrie- und Gebäudediensten. Mit den neuen Gewinnzielen soll im Frühjahr auch ein Einsparvolumen genannt werden. Kostensenkung habe für ihn oberste Priorität, betonte Utnegaard. "Ich möchte hier gerne die deutsche Gründlichkeit nutzen." Alle Prozesse würden auf Einsparpotenziale durchleuchtet. Derzeit seien die Verwaltungskosten mit 10,8 Prozent vom Umsatz viel zu hoch.

Der Verkauf der Kraftwerkssparte, in der 750 von insgesamt 11.000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, komme planmäßig voran, sagte Utnegaard. Die Gespräche mit Interessenten, darunter Finanzinvestoren und ausländische Firmen, begännen jetzt, sodass die Sparte 2016 den Besitzer wechseln könne.

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