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Börse Frankfurt-News: Britischer Einzelhandel unter Druck (Auslandsaktien)

dpa-AFX

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 28. August 2014. Deutsche Discounter machen britischen Supermarktketten wie Tesco, Morrison und Sainsbury's das Leben schwer. Luxusware von Rolls-Royce und Burberry kann sich behaupten.

Die Erfolgsstory der britischen Wirtschaft hält an. Auch im zweiten Quartal überzeugt das Bruttoinlandsprodukt mit einem Plus von 3,1 Prozent und liegt damit erstmals wieder über dem Niveau vom Frühjahr 2008. "Für das Gesamtjahr hat das Britisch Chamber of Commerce nun die Wachstumserwartung von 3,1 Prozent auf 3,2 Prozent leicht angehoben", bemerkt Jan Vrbsky von der Baader Bank. Im kommenden Jahr soll die Konjunktur um 2,8 Prozent steigen. "Im Vergleich zum Euroraum mit Italien in der Rezession und Deutschland auf Miniwachstumskurs können sich die Zahlen durchaus sehen lassen."

Die Entwicklung der Aktienmärkte reflektiere diesen Wachstumsvorsprung nicht. Seit Jahresbeginn zeigt der FTSE 100 ein Plus von 1,5 Prozent während der Euro Stoxx 50 rund 3,8 Prozent zulegte. Ein Grund könne in der größtenteils vom Konsum im eigenen Land getragenen Erholung sein. "Die Ausgaben für Investitionsgüter und Exporte hinken deutlich hinterher", bemerkt Vrbsky.

Löhne halten nicht mit

Damit bewege sich die britische Wirtschaft auf dünnem Eis. Denn der Aufschwung scheine bei der Bevölkerung kaum anzukommen. "Trotz sinkender Arbeitslosigkeit stagnieren die Löhne seit Jahren", weiß Vrbsky. "Deshalb warnen Ökonomen auch vor einer frühen Wende der Geldpolitik." Erhöhe die Bank of England wie geplant die Zinsen von 0,25 auf 0,5 Prozent bei rückläufigen Löhnen, könne das den Konsum bremsen.

Discounter machen Supermarktketten zu schaffen

Dass die Briten weniger im Geldbeutel haben, erkenne man am Erfolg der Discounter, die im Einzelhandel eine große Preisschlacht entfacht hätten. "Mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten befinden sich Aldi und Lidl nach sehr langer Anlaufzeit nun auf der Überholspur und machen den Supermärkten Marktanteile streitig", beobachtet Vrbsky.

Darunter litten Traditionshäuser wie Tesco ( WKN 852647 ), die allein in den vergangenen drei Monaten einen Absatzrückgang von 4 Prozent zu verkraften hätten. Der Aktienkurs der britischen Supermarktkette ist seit Jahresbeginn von 4,36 Euro auf 3,15 Euro über 27 Prozent eingebrochen. Selbst auf Sterling-Basis steht die Tesco-Aktie über 16 Prozent im Minus. Als Restrukturierungs-Spezialist soll nun mit Dave Lewis ein ehemaliger Unilever-Manager das Ruder herumreißen.

Morrison mit Erholungstendenz

Nach neun Monaten rückläufiger Umsätze hat dagegen Morrison ( WKN 880225 ) erstmalig in den vier Wochen vor dem 17. August wieder eine Steigerung erzielt. "Preisreduzierungen in Verbindung mit einer groß angelegten Kampagne scheinen bei der im englischen Bradford ansässigen Kette Früchte zu tragen." Noch nicht erholt hat sich dagegen die Morrison-Aktie, sie notiert auf Eurobasis mit derzeit 2,35 Euro rund 25 Prozent unter dem Kurs vom Jahresbeginn.

Sainbury's mischt mit

Auch Sainsbury's ( WKN A0B6G0 ) leidet unter dem Erfolg der deutschen Discounter. Allerdings biete der Lebensmittelhändler den weltweiten Nummer eins und zwei in diesem Segment bald Paroli. Im Zusammenschluss mit dem dänischen Mutterkonzern von Netto seien bis Ende kommenden Jahres die Eröffnung von 15 Netto-Läden in Großbritannien geplant. "Kommen die Märkte an, folgen weitere." Die beiden Konzerne investierten dazu insgesamt 25 Millionen Pfund in das Gemeinschaftsunternehmen. Die Sainsbury's-Aktie verlor mit knapp 13 Prozent seit Januar deutlich weniger als die Mitbewerber.

Luxus geht immer

Derweil floriert das Geschäft mit Luxusgütern von Rolls-Royce ( WKN A1H81L ) oder Burberry ( WKN 691197 ). "Anders als in der Flugzeugsparte verbucht Rolls-Royce Absatzrekorde bei den Autos", berichtet Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank. Nun soll es ein Cabrio von den Briten geben. Zwei Prototypen würden bereits getestet, die Markteinführung sei für 2016 geplant.

Allerdings drücke das Geschäft mit Triebwerken das Gesamtergebnis. Im ersten Halbjahr seien die Umsätze von 7,35 auf 6,63 Milliarden Pfund und der Gewinn von 848 auf 493 Millionen Pfund eingebrochen. "Zusätzliche Aufträge im Rüstungsbereich könnten Auftrieb geben." Der Aktienkurs des Unternehmens bewegt sich derzeit eher seitwärts, hat sich seit 2009 aber von 3,40 auf 12,80 Euro fas vervierfacht.

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von Iris Merker, Deutsche Börse AG

© 28. August 2014

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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