Branchenberichte

INTERVIEW: Bei Aktien sind Fundamentaldaten wichtig - Jupiter Asset Management

Gespräch: Gerold Löhle, dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Im derzeit schwierigen Markt sollten Aktienanleger einem Experten zufolge auf die fundamentalen Unternehmensdaten achten und die Störgeräusche von der europäischen Schuldenkrise ausblenden. "Niemand kann die politische Entwicklung vorhersagen", sagte Cedric de Fonclare, Portfoliomanager bei der Londoner Fondsgesellschaft Jupiter Asset Management, im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Die Eurozone steckt in einer tiefen Krise und wird an den Folgen noch lange zu tragen haben."

Der Experte bemängelte lediglich kurzfristig hilfreiche Maßnahmen wie die Refinanzierungsgeschäfte der Europäischen Zentralbank oder die europäischen Finanzhilfen für die spanischen Banken. Er befürchtet steigende Steuern, die wiederum das Wachstum in den Euroländern deutlich bremsen dürften. Daher bevorzugt er Unternehmen mit einem starken Geschäft in anderen Regionen.

Fonclare erinnerte daran, dass gerade europäische Firmen schon immer stärker exportorientiert gewesen seien als die Konkurrenz aus den USA oder Asien. Von Unternehmen, die stark vom heimischen Markt abhängig sind, rät er allerdings ab. "Ich will die politischen Risiken in der Eurozone vermeiden", sagte der Anlagespezialist. Daher sollten Investoren die Finger von der stark regulierten Energie- und Telekommunikationsbranche lassen. "Diese Unternehmen sind kapitalintensiv und sehr stark an ihre jeweiligen Heimatmärkte mit deren speziellen Risiken gebunden - sie können ihre Geschäftsaktivitäten nicht ohne Weiteres ins Ausland verlagern."

Auch die Aktien von Finanzunternehmen stoßen bei Fonclare auf wenig Begeisterung: "Ich habe keine einzige Bank aus der Eurozone in meinem Portfolio." Neben der Qualität der Vermögenswerte bemängelte er die noch unzureichende Rekapitalisierung, die stark gewinnverwässernd wirken werde. Die hiesigen Institute hätten es anders als die Wettbewerber im angelsächsischen Raum schwerer, faule Kredite in eine "Bad Bank" auszulagern. Gnade vor den Augen des Experten finden dagegen einige skandinavische Banken: "Sie sind schon viel früher zu einer Rekapitalisierung gezwungen worden und haben ihre Lektionen gelernt." Zudem seien sie kaum in europäischen Staatsanleihen engagiert und agierten in einem dynamischeren Konjunkturumfeld.

Für Prudential als einzigen Versicherer in seinem Portfolio spricht laut Fonclare dessen Geschäftsmodell, das sich erkennbar von dem der europäischen Rivalen ING und Axa unterscheide. Die Aktienkursentwicklung korreliere daher kaum mit der des Sektors. Grundsätzlich präferiert er in der Finanzbranche aber Spezialisten wie die Schweizer Privatbank Julius Bär oder die Deutsche Börse . Sie hätten in ihrem Bereich noch Wachstumsmöglichkeiten, könnten eine Dividende zahlen und seien weniger politischen Risiken ausgesetzt. Als Wermutstropfen für den Frankfurter Börsenbetreiber sieht Fonclare allerdings die deutsche Diskussion um eine Finanztransaktionssteuer.

Seine starke Gewichtung britischer Unternehmen begründete der Experte mit den wirtschaftlichen Besonderheiten Großbritanniens. "Ähnlich wie die USA ist Großbritannien schlimmer von der Krise getroffen worden als das übrige Europa, könnte diese aber auch schneller wieder hinter sich lassen", glaubt der Experte. Der Sicherheitstechnik-Spezialist Smiths Group , der Gebäudeausstatter Wolseley und der Datendienstleister Experian überzeugen ihn wegen ihrer strukturellen Wachstumsperspektiven und der günstigen geografischen Aufstellung.

Doch auch die Aktien einiger deutscher Aktiengesellschaften stehen hoch in der Gunst des Anlagespezialisten. Für den weltweit führenden Dialysespezialisten Fresenius Medical Care (FMC) spreche die notwendige Regelmäßigkeit der Behandlungen. Zudem falle im Unterschied zu Pharmaunternehmen die Abhängigkeit von Patenten weg. Der Softwarehersteller SAP könnte derweil vom Investitionsstau bei seinen Geschäftskunden profitieren. "Auch in diesem Bereich werden die Produktzyklen immer kürzer", sagte er.

Bei Adidas setzt Fonclare auf eine Transformation vom reinen Sportartikelhersteller zu einem eigenständigen Einzelhandelsunternehmen, die noch nicht eingepreist scheine. "Adidas hat schon viele eigene Geschäfte in China und Russland", sagte er. Falls die Herzogenauracher Erfolg hätten, winke der Aktie eine deutlich höhere Bewertung, die sich am Niveau von Einzelhändlern wie Hennes & Mauritz (H&M) oder Inditex orientieren dürfte. "Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg", bremste der Experte zu hohe Erwartungen. "Das ist die große Herausforderung der nächsten zehn Jahre."

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