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BVI fordert von Politikern mehr Unterstützung für Fonds

Fundresearch
BVI fordert von Politikern mehr Unterstützung für Fonds

Die Fondsbranche kämpft derzeit an verschiedenen Fronten - und es ist kein leichter Kampf. Auf der einen Seite sorgt die massive Verschiebung des Anlagevermögens weg von klassischen Investmentfonds hin zu passiven und alternativen Investments in vielen Investmenthäusern für Sorgenfalten. Denn die Liste der Gewinner dieser Entwicklung ist deutlich kürzer als die Zahl der Verlierer. Die Halbierung der Mittelzuflüsse der Fondsgesellschaften im vergangenen Jahr ist mehr als nur ein Warnzeichen.

Auf der anderen Seite fürchtet die Branche weitere Gängelungen durch die Politik. Die Aussicht, dass auf der anderen Seite des Atlantiks die Zügel für die dort ansässige Finanzbranche demnächst vermutlich wieder deutlich lockerer gelassen werden, könnte hierzulande zum Problem werden, fürchten Experten. Denn eine schärfere Regulierung in Europa und eine laxere Regulierung in den USA könnte eine starke Wettbewerbsverzerrung zur Folge haben. Doch die politischen Forderungen nach schärferer Regulierung und höherer Besteuerung von Vermögen werden hierzulande lauter. Das ist kein Zufall. 2017 ist ein Wahljahr. Im Kampf um Wählerstimmen kommt das Thema Regulierung der Finanzbranche derzeit gut an.

Fonds als wichtige Bausteine der Altersvorsorge

Der deutsche Fondsverband BVI hat die Baustellen wohl erkannt und appelliert deshalb im Wahljahr an die Politik, die Sicherung des gesellschaftlichen Wohlstands mit Investmentfonds zu fördern statt zu behindern. „Fonds bringen das Kapitalangebot der Anleger mit der Kapitalnachfrage von Unternehmen und Staaten weltweit zusammen. Sie ermöglichen Wachstum und Innovation. Und sie sind das Rückgrat der Altersvorsorge in Deutschland“, sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Richter am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz des BVI. So betrage der Anteil der europäischen Fondsbranche an Aktien europäischer Unternehmen 16 Prozent und an Anleihen europäischer Staaten 12 Prozent. In Deutschland halte die deutsche Fondsbranche rund 10 Prozent der deutschen Aktien, rechnet Richter vor. „Fonds ermöglichen Privatanlegern schon mit kleinen Anlagebeträgen die Teilhabe am weltweiten Wirtschaftswachstum“, so Richter. „Ob und wie die Bürger diese Möglichkeit nutzen, hängt aber stark von den politischen und regulatorischen Weichen ab.“ Das reiche von der Finanzmarktpolitik bis zur öffentlichen Förderung.

Systemrelevanz: Nicht Größe ist das Problem, sondern Strukturen

Positiv wertete Richter in diesem Zusammenhang die Entwicklung in der internationalen Diskussion um die Systemrelevanz von Asset Managern und Fonds. Statt pauschal die Größe als systemrelevantes Kriterium heranzuziehen, konzentriert sich der Finanzstabilitätsrat FSB nun auf die Behebung struktureller Schwachstellen in der bestehenden Fondsregulierung. Seine abschließende Empfehlung an die nationalen Aufsichtsbehörden lautet, die Systemrelevanz nach den Aktivitäten im jeweiligen Fonds und ihre möglichen Auswirkungen auf das Finanzsystem zu beurteilen. „Das ist der richtige Weg. Fonds verwalten das Geld ihrer Anleger als Treuhänder. Anders als Banken und Versicherungen nehmen sie das Kapital nicht auf ihre eigene Bilanz. Ziel der Regulierung muss es demnach sein, die einzelnen Risiken in den Fonds zu regeln, statt Eigenkapitalanforderungen zu stellen. Marktrisiken sind keine Systemrisiken“, so Richter.

Handlungsbedarf sieht der FSB vor allem bei einer Anlegerflucht aus Fonds und daraus resultierenden Liquiditätsrisiken. „Dagegen ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil, es ist durchaus sinnvoll, das bestehende Instrumentarium zur Liquiditätssteuerung zu erweitern.“

Das Comeback der "Schattenbanken" als Kampfbegriff

Kritisch sieht der BVI dagegen, dass die G20 den Begriff der Schattenbank wieder auf die Regulierungsagenda gesetzt haben. Selbst der FSB spricht inzwischen von „Non-Bank Credit Intermediaries“ statt pauschal von Schattenbanken. Dazu Richter: „Wir haben mit diesem Kampfbegriff schlechte Erfahrungen gemacht. Dadurch sind streng regulierte Investmentfonds zeitweise in einen Topf mit unregulierten Hedgefonds geraten. Fonds sind aber weder Banken, noch agieren sie im Schatten. Es gibt kaum eine Branche, die so gut ausgeleuchtet ist wie das Fondsgeschäft. Bei vielen Aufsehern hat der Begriff aus gutem Grund ausgedient.“ Wenn die Bundesregierung, die derzeit die G20-Präsidentschaft innehat, schon nicht auf den Schattenbankenbegriff verzichten wolle, sollte sie ihn wenigstens so definieren, dass der Branche daraus keine weiteren Reputationsschäden entstehen, so Richter.

Mehr Teilhabe privater Anleger am Produktivkapital

Ein Problem, das der BVI ebenfalls benennt: Bei der Vermögensbildung hat Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern noch Aufholpotenzial. Der Anteil direkter und indirekter Aktionäre in der Bevölkerung liegt bei 14 Prozent. Zum Vergleich: In den USA ist über die Hälfte der Bevölkerung direkt oder indirekt am Wirtschaftswachstum beteiligt, maßgeblich über das System der betrieblichen Altersversorgung. Der BVI plädiert daher für eine kapitalmarktorientierte Altersvorsorge nach US-Vorbild. Kontraproduktiv wären außerdem Maßnahmen, die zu einer weiteren steuerlichen Diskriminierung von Aktien oder zu einer Lenkungswirkung hin zu anderen Produkten führen würden. Dazu Richter: „Wertpapiersparen darf nicht benachteiligt werden. Der BVI lehnt daher die Abschaffung der Abgeltungsteuer und die Wiedereinführung einer Eigenheimzulage ab.“

Betriebliche Altersversorgung: Auf Garantien verzichten

Auch die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ist der Branche ein großes Anliegen. Der BVI wertet den Regierungsentwurf zum Betriebsrentenstärkungsgesetz als einen Meilenstein für deren Weiterentwicklung. Bei einigen Punkten gebe es aber noch Verbesserungsbedarf. „Die reine Beitragszusage sollte auch nicht-tarifvertraglich organisierten Arbeitgebern ermöglicht werden und zudem für alle Durchführungswege gelten“, so Richter. Das Garantieverbot sei eine wichtige Stellschraube, um die Rendite der Produkte zu erhöhen. Hier dürfe es aber kein Wahlrecht für die Produktanbieter geben, um kein Gefälle entstehen zu lassen. Auch bei Riester gehörten die Beitragsgarantien zwecks Rendite auf den Prüfstand. Der BVI plädiert außerdem dafür, ein freiwilliges Opting Out auch für nicht-tarifvertraglich organisierte Arbeitgeber zu ermöglichen.

Finanzplatz Frankfurt stärken statt schwächen

Angesichts des drohenden Brexits wünscht sich der BVI zudem ein klares politisches Bekenntnis der Politik zum Finanzplatz Frankfurt. Frankfurt sei immerhin der Hauptstandort für die Fondsbranche in Deutschland: 53 Prozent aller BVI-Mitglieder haben ihren Hauptsitz in Frankfurt. Luxemburg habe zwar als Auflagestandort die Nase vorn, Frankfurt sei jedoch das Zentrum für Produktentwicklung, Fondsmanagement und Vertrieb. Fakt ist: Rund 89 Prozent des Publikumsfondsvermögens und 53 Prozent des Spezialfondsbestands werden von Frankfurt aus verwaltet. „Eine aktive Standortpolitik und eine Willkommenskultur für Finanzunternehmen würde Deutschland im europäischen Wettbewerb entscheidend stärken“, so Richter. Schädlich wäre hingegen die Einführung einer Finanztransaktionsteuer in Deutschland. Sie würde den Finanzplatz Frankfurt gegenüber London, Luxemburg und Dublin entscheidend schwächen.

(MvA)

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