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Das Ende des Wachstums

In den ersten Monaten der Präsidentschaft von Bill Clinton erhielt eine Gruppe amerikanischer Ökonomen den Auftrag, sich die Lage in Japan genauer anzusehen. Das Land war damals, in den frühen neunziger Jahren, nach einem steilen Aufschwung in eine schwere Krise gerutscht. Einer der Experten war Larry Summers, ein aufstrebender Volkswirt, der bereits mit 29 Jahren zum Professor an der Harvard-Universität ernannt worden war. Summers und seine Leute machten sich an die Arbeit. Sie sagten voraus, dass sich die japanische Konjunktur bald wieder erholen werde – und lagen komplett daneben: Die Wirtschaftsleistung des Landes ist heute nur etwa halb so hoch wie prognostiziert.

Summers, der zum Finanzminister aufstieg und heute wieder in Harvard lehrt, hat diese Anekdote vor zwei Wochen auf einer Forschungskonferenz des Internationalen Währungsfonds erzählt. Sein sechzehnminütiger Vortrag verbreitete sich in Windeseile im Internet und elektrisiert seither Ökonomen und Wirtschaftspolitiker in aller Welt. Denn Summers glaubt, dass dem Westen das Schicksal Japans droht: Jahrzehnte der Stagnation.

Um den Wirbel zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass das westliche Wirtschaftsmodell auf immerwährendes Wachstum ausgelegt ist. Wachstum, um neue Jobs für die Arbeitnehmer zu schaffen, deren Stellen dem technischen Fortschritt zum Opfer fallen. Wachstum, damit immer weniger Junge die Rente für immer mehr Alte erwirtschaften können. Wachstum, um die Schulden bedienen zu können. Ohne Wachstum hat die Welt, so wie sie heute organisiert ist, ein ernstes Problem.

Und Summers zufolge hat sie dieses Problem schon ziemlich lange. Denn bei näherem Hinsehen komme die Wirtschaft in den großen Industrienationen schon seit über zwanzig Jahren nicht mehr recht vom Fleck. Zwar ging es bis zum Ausbruch der Krise im Jahr 2008 beispielsweise in den USA zum Teil kräftig aufwärts – doch das lag vor allem daran, dass die Wirtschaft von Exzessen am Immobilienmarkt befeuert wurde. Und einige Jahre vorher hatten sich die Amerikaner mit Technologieaktien verspekuliert.

Es wird zu viel gespart und zu wenig investiert

Die jüngste Wirtschaftsgeschichte lässt sich demnach als eine Abfolge von immer neuen Spekulationsblasen beschreiben. Die Löhne der Arbeitnehmer dagegen stiegen, anders als in früheren Aufschwungphasen, kaum, und auch die Produktion in der Industrie blieb hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die Zeiten eines gesunden Wachstums seien „eine Weile her“, sagt Summers.

Das liegt seiner Ansicht nach daran, dass zu viel gespart und zu wenig investiert wird. Normalerweise sorgt der Zins dafür, dass sich Ersparnisse und Investitionen ausgleichen. Wenn die Menschen etwa während einer Krise sehr viel sparen, leidet zunächst einmal der Konsum. Doch weil dann jede Menge Spargeld auf den Markt gelangt, sinkt der Preis des Geldes, der Zins. Damit können sich die Unternehmen günstiger finanzieren. Deshalb rechnen sich nun auch Investitionsprojekte, die bei höheren Zinsen nicht rentabel gewesen wären. Die Wirtschaft wächst wieder schneller.

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24.04.2014, 22:25, Tradegate

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