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Das war nie eine Trump-Rallye!

Stefan Riße

Seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten am 8. November vergangenen Jahres haben die Aktien eine fulminante Rallye hingelegt. Als Trump-Rallye wird die Hausse in die Geschichte eingehen. Tatsächlich aber wird Trump als Treiber der Kurse maßlos überschätzt. Die Kurse hätten mit hoher Wahrscheinlichkeit genauso zugelegt, wenn Hillary Clinton gewählt worden wäre - vielleicht sogar noch mehr. An keinem Tag wurde das klarer als nach Trumps Scheitern am vergangenen Wochenende, die staatliche Krankenversicherung Obamacare wieder abzuschaffen.

Trumps Steuerpläne und Investitionsprogramme sind längst nicht sicher

Ich wundere mich auch manchmal, dass es den Kommentatoren selbst nicht auffällt, wie subjektiv sie die Tatsachen beurteilen, um sie mit der Kursentwicklung in Einklang zu bringen. Denn die Enttäuschung über Trumps Scheitern währte nicht einmal einen Tag an den Börsen. Dann ging es wieder aufwärts. Es hieß dann: „Anleger geben Trump eine zweite Chance“. Was für ein Quatsch. Mal ehrlich, was hat er denn bisher geliefert? Nichts außer vollmundige unkonkrete Ankündigungen. Alle seine Pläne sind jetzt unsicher, weil er nicht einmal die Leute in seiner eigenen Partei hinter sich hat. Grund für die rasche Erholung waren in Wahrheit Short-Eindeckungen der Anleger, die auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten und dann ihre geliehen Aktien, die sie verkauft hatten, wieder zurückkaufen mussten, um ihre Verluste zu begrenzen.

Peinlichkeiten und Widersprüche

Die Sache ist so klar wie selten. Nimmt man die ersten Wochen von Trumps Amtzeit, dann ist das eine Anreihung von Peinlichkeiten, Widersprüchen und Drohungen, die eigentlich zu starker Verunsicherung hätten führen müssen. Kurzum, es wäre viel einfacher, mit Trump einen Bärenmarkt zu begründen, als einen Bullenmarkt. Erinnert sei nochmal daran, dass vor der Wahl alle Angst vor ihm hatten. Das bedeutet, dass die Kurse aus Angst vor einem Präsidenten Trump nicht früher gestiegen sind und nicht, dass sie wegen Trump zugelegt haben. Doch nach seiner Wahl war das eine vollendete Tatsache und die Hoffnung da, alles käme schon nicht so schlimm.

Alternativlosigkeit macht die Aktien attraktiv

Grund für die steigenden Aktien ist in Wahrheit der Anlagenotstand. Die Verbraucherpreisinflation hat in Deutschland mittelweile 2,2 Prozent erreicht. Die Rendite zehnjähriger Anleihen liegt bei 0,3 Prozent. Selbst wer sein Geld dem deutschen Staat zehn Jahre leiht, verliert schon zwei Prozent jedes Jahr an Kaufkraft. Bei kürzerer Frist ist es noch mehr. In den USA liegen die Renditen langlaufender Anleihen zwar wieder über zwei Prozent, nach Inflation bleibt aber auch da keine positive Rendite übrig. Deshalb drängt das Geld trotz aller Unsicherheit in die Aktie und schiebt auch die Konjunktur an. Denn wenn Sparen mit Festzinsanlagen das Geld verbrennt, dann funktioniert nur das Aktien- oder Immobilieninvestment oder konsumieren. Doch noch sind viele Anleger gar nicht drin in der Aktie. Über viele Monate haben sie Geld aus Aktienfonds abgezogen, den Anleihefonds sind viele Milliarden zugeflossen. Auch wenn eine Korrektur überfällig ist, das dürfte die Rallye weitertreiben, egal was Trump noch so für Ausrutscher hinlegt.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Börsenexperte

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für „n-tv“, wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Von 2011 – 2015 war Stefan Riße in der Vermögensverwaltung bei der der HPM Hanseatische Portfoliomanagement GmbH in Hamburg tätig, wo er noch in Anlageausschüssen mitwirkt.

Seit 2016 ist er unabhängiger Börsenexperte und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei „n-tv“ wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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