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Der Kaiser ist weg: Neuausrichtung der Fondsbranche

DAS INVESTMENT

Zwei Leitfiguren der Fondsbranche und ein starkes Managementteam wechseln den Arbeitsplatz und fangen noch mal neu an. Was machen sie am neuen Schreibtisch? Und wie gehen die Verlassenen mit dem Erbe um?

Manchmal ist des einen Unglück des anderen Glück. In diesem Fall heißt der Unglückliche Christian Angermayer und der Glückspilz Johannes Führ.

Unternehmer Angermayer hatte sich mit seinem Finanzimperium ABL verzettelt, im Rahmen der Zerschlagung ging die Investment-Tochter Altira an eine Gruppe von Finanzinvestoren. Sie beschlossen am 2. November 2012, das Geschäft auf einen Kern einzudampfen und alle Rand-Aktivitäten zu verkaufen. Also auch die Fondsgesellschaft VCH. Und Führ griff zu.

Der Gründer und Namensgeber der Vermögensverwaltung Johannes Führ Asset Management schmiss hin, stieg als Teilhaber bei VCH ein, holte seine alte Mannschaft nach, warf alle Fonds, mit denen er nichts anfangen konnte, aus dem Angebot und fing noch einmal neu an.

In den vergangenen Monaten haben gleich zwei Leitfiguren und ein preisgekröntes Management-Team ihren angestammten Platz verlassen und bauen nun Neues nach ihrem alten System auf. Pikant wird so etwas, wenn die alten Arbeitgeber das Werk ihrer ehemaligen Stars weiterführen und damit völlig neue Konkurrenzsituationen entstehen.

Entsprechend verzwickt ist die Lage im Falle Führ. Es gibt nun ein Unternehmen, das seinen Namen trägt, in dem Führ aber nicht mehr arbeitet. Und ein neues, das den Namen Führ Capital tragen sollte. Das jedoch gab Stunk mit der Konkurrenz, die für ihr Namensrecht bezahlt hat. Jetzt heißt es schlicht AMF Capital - das steht für Asset Management Frankfurt.

Plötzlich nicht mehr glücklich

"Im Zuge der Veränderungen im Frühjahr 2013 haben einige Kollegen festgestellt, dass sie mit der Situation nicht glücklich waren", erinnert sich Allan Valentiner, der Führ folgte und bei AMF im Vorstand sitzt. Führ wollte sich nach und nach zurückziehen und nur noch als Berater arbeiten.

Neue Leute sollten es in seinem Sinne weiterführen. Doch das klappte nicht. "Einige Neuerungen passten nicht zur langjährigen Unternehmensphilosophie, bei der das Interesse der Anleger an einer soliden Rendite mit minimiertem Risiko im Vordergrund steht", meint Valentiner. Einer jener Neuen bei Johannes Führ AM ist Karl-Heinz Pfarrer, seit März 2013 Vorsitzender der Geschäftsführung. "Ich glaube, Johannes Führ war nicht bereit, sich auf erforderliche Erweiterungen und notwendige Neuerungen einzulassen", sagt er.

Aus seiner Sicht ging es damals darum, sich institutionelle Anleger als neue Wachstumschance zu erschließen. Doch dafür seien nun einmal mehr Personal und Investitionen in die Infrastruktur, vor allem im Portfoliomanagement nötig gewesen. Führ sehe sich dagegen eher als Einzelkämpfer.

Beide Unternehmen sehen ihren Schwerpunkt bei Anleihen. Beide sind risikoarm unterwegs. Wobei Führs alte Firma im Risikomanagement aufgerüstet hat, vor allem bei Mittelstandsanleihen, wo jüngst eine Menge Schrottpapiere auf den Markt kam. Der neue Kollege Benedikt Braus übernahm Risikomanagement und Kreditanalyse.

Bei AMF sollen die neuen Fonds den alten ähneln. Aber auch dort reagiert man auf die Probleme am Mittelstandsmarkt. Der neue Fonds Family & Brands Renten (WKN: A1X BAN) enthält Anleihen von familien- und unternehmergeführten Gesellschaften sowie Unternehmen mit erfolgreichen Marken.

Hinzu kommen neuerdings Aktienfonds, zunächst der Family & Brands Aktien (A1X BAM). "Wenn wir ein Unternehmen ohnehin analysieren, können wir uns natürlich auch die Aktie mit ansehen", sagt Valentiner. Die nötige Erfahrung soll Ralf Müller-Rehbehn einbringen, der schon für die Deka und VCH Aktienfonds managte.

Einen vergleichbaren Paukenschlag gab es in der Branche, als Markus Kaiser im Januar 2013 Veritas Investment verließ und im Mai als Vorstand von Starcapital wieder auftauchte. Elf Jahre lang hatte Kaiser als Geschäftsführer den Veritas-Dachfonds seinen Stempel aufgedrückt und sie nach seinem selbst entwickelten Trendfolgesystem gemanagt.

Zu den Gründen des Wechsels befragt, drucksen die Beteiligten herum. Offiziell heißt es, man habe sich nicht mehr über die Zukunft des Unternehmens einigen können. Fest steht aber auch, dass Kaisers Trendfolgemodell in den politischen Börsen von 2010 und 2011 arge Performance-Probleme hatte. Und dass Private-Equity-Investoren, wie Veritas-Eigentümer Augur Financial Opportunity einer ist, meist wenig Geduld haben. Und dass es zwischen den Zeilen so klingt, als würden sich einige Veritas-Mitarbeiter über mehr Demokratie im Fondsmanagement freuen. Unterm Strich also: Es hat nicht mehr gepasst.

Das Trendfolgesystem für die Dachfonds hat sich nur unwesentlich geändert. Neu ist, dass Tagessignale nur noch ab einem bestimmten Niveau anschlagen. Das senkt die Aktivität und damit die Handelskosten. Die Trendfolge für Anleihen ist aktuell ausgesetzt und wird überprüft. Zu viele Fehlsignale. Dafür gibt es einen neuen Frühwarner für Hochzinsanleihen, der sich an den Risikoaufschlägen am Markt orientiert.

Am System geschraubt

Markus Kaiser indes freut sich, dass er endlich in einer inhabergeführten Firma arbeiten kann. Jetzt gibt es mit den Starcap Stars drei ETF-Dachfonds (defensiv, flexibel, offensiv) mit seinem Trendfolgemodell. Während der Auszeit hat er am System gearbeitet. "Ich habe die Indikatoren neu gewichtet, damit die Handelsaktivität in Seitwärtsphasen abnimmt", sagt er.

Zudem soll nach Verkäufen in fallenden Märkten der Einstieg schneller wieder möglich sein. Damit soll sich eine ähnliche Underperformance wie 2011 nicht wiederholen. Neu ist auch, dass die Anleihequote in den Fonds nicht mehr starr ist. Und es kommen weitere Anleihesegmente wie Unternehmens- und Hochzinsanleihen hinzu.

Den dritten großen Wechsel gab es bei der Munich Ergo Asset Management (MEAG). Dort machten sich Ingmar Przewlocka, Andreas Grassl und Marc Decker Ende 2013 mit der Fondsboutique Skalis Funds selbstständig und nahmen ihren früheren Kollegen Jens Bies mit ins Boot.

Bei MEAG managte das Quartett unter anderem die mehrfach preisgekrönten defensiven Mischfonds Euroertrag (978 273) und Fairreturn (A0R FJ2). Doch irgendwann passte ihnen die Arbeit in einem Großunternehmen nicht mehr. "Wir saßen mehr und mehr in Ausschüssen und Meetings und kamen damit immer weiter weg vom eigentlichen Fondsmanagement", erzählt Przewlocka.

Der Fokus seiner neuen Gesellschaft liegt klar auf Mischfonds. Evolution Flex (A1W 9AA) heißt das erste, durchaus mit dem MEAG Euroertrag vergleichbare Produkt. Drei Publikumsfonds mit verschiedenen Risikoprofilen soll es zunächst geben, verrät Przewlocka.

Neu ist, dass internationale Anleihen, Fremdwährungen und höher verzinsliche Papiere enthalten sind. 10 bis 15 Prozent darf dieser internationale Teil ausmachen. Das nötige Know-how steuert Bies bei, der einschlägige Erfahrungen bei der Sparkassen-Tochter Deka sammelte.

Bei MEAG gibt man sich gelassen. Der Management-Stil für den Euroertrag bleibe unverändert, angesichts des ausgeprägten Team-Ansatzes sei das kein Problem, heißt es auf Anfrage.

Dieser Artikel wird bereitgestellt von www.dasinvestment.com

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