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Deutet Facebooks Übernahme von WhatsApp auf das Finale des Internethypes hin?

Peeters überlegt kritisch, ob der hohe Preis für WhatsApp möglicherweise das Ende einer Hausse anzeigt - mit Parallelen zur Vergangenheit.

21. Februar 2014. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit rund einem halben Jahr kennt die Aktie des global erfolgreichen Internetportals Facebook fast nur eine Richtung: Steil nach oben. Ungeachtet der bereits fundamental recht üppigen Bewertung des Konzerns hat sich der Börsenwert weiter stetig erhöht, was bei neutralen Beobachtern gleichermaßen Respekt wie Kopfschütteln ausgelöst hat. Es ist müßig zu spekulieren, ob Internetkonzerne wie Facebook, Amazon oder Google in Relation zu konventionellen Konzernen überbewertet sind oder ob die Märkte schlichtweg und zu Recht die Kräfteverhältnisse in der Zukunft antizipieren und zu Recht die Big Player des Webs hoch bewertet.

Eindeutiger sind die Möglichkeiten, welche sich Konzernen mit solch einer sportlichen Bewertung von vielfachen des Jahresumsatzes und zigfachen des Gewinns bieten. Sie können sich über IPOs und spätere Kapitalerhöhungen ohne große Verwässerung spürbar refinanzieren und sie sind im Stande via Aktientausch auch sehr hohe Preise bei Übernahmen zu zahlen.

Genau dies geschieht zurzeit wieder häufiger und eine solche Vorgehensweise lag auch bei der wohl spektakulärsten Meldung der abgelaufenen Woche vor: Konkret geht es um die 19 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme des Messenger-Dienstes WhatsApp durch den Internet-Giganten Facebook.

Es ist ein Deal der Superlative, über den in den vergangenen 24 Stunden bereits sehr viel gesagt und geschrieben wurde. Eine Transaktion, die alleine auf Grund der nackten Zahlen polarisiert, schließlich mutet der Kaufpreis bei einem erst wenige Jahre jungen Unternehmen mit gerade mal gut 50 Mitarbeitern unfassbar hoch an. Andererseits hat es WhatsApp geschafft, in dieser schlanken Aufstellung und mit dieser kurzen Historie mehrere hundert Millionen Nutzer an sich zu binden und täglich kommt eine weitere Million hinzu.

Dennoch ist klar, dass solch aggressiven Übernahmen, die unter der Ausnutzung der hohen Börsenbewertungen erst möglich gemacht werden, auf eine Spätphase der momentan pulsierenden Hausse am Aktienmarkt insgesamt und bei Internetaktien im Speziellen hindeuten. Oftmals haben Beschleunigungen im Übernahmekarussell auf das Ende von Haussen hingewiesen. Selbst in der ersten „Internetblase“ um die Jahrtausendwende lassen sich viele derartige Beispiele finden, allen voran natürlich die Übernahme des Medienkonzerns Time Warner durch den damaligen Internetchampion AOL. Heiß gelaufen sind die Märkte auch diesmal und man sollte derartige Warnsignale nicht übersehen, schließlich sind „Diesmal ist es anders“ bekanntlich die vier teuersten Worte auf dem Börsenparkett.

Bleibt aber noch die Frage, ob wir in einer Spätphase der Hausse oder bereits am Ende sind. Gegen die zweite Variante spricht tatsächlich noch einiges, etwa die zahlreichen negativen Interpretationen des hohen Kaufpreises. Klassischerweise ist das Ende erst erreicht, wenn der Übernahmewahn tobt und die breite Masse applaudiert. Dies war diese Woche noch nicht der Fall.

von Roger Peeters, Close Brothers Seydler Research AG © 21. Februar 2014

*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler Bank, einer auf mittelständische Unternehmen fokussierte Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der "Platow Börse" und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm 'Finde die richtige Aktie - ein Profi zeigt seine Methoden' im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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