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Deutschland-Aktienfondsmanager über den Dax: "Der Wachstumsmarkt IT ist im Dax unterrepräsentiert"

DAS INVESTMENT

Warum Ulrich Ronge, Mitbegründer der Vermögensverwaltung Knoesel & Ronge und Manager des Aktienfonds Deutschland Spezial R (VT) eine anhaltend hohe Volatilität des Dax erwartet und wo er Alternativen zum deutschen Leitindex sieht.

DAS INVESTMENT.com: Der Abgas-Skandal lässt die VW-Aktie einbrechen und zieht die anderen Dax-Autowerte und damit den gesamten Index nach unten. Drohen aus ihrer Sicht weitere signifikante Kursverluste bei Autoaktien und werden sie den Dax in den kommenden Monaten weiter bremsen?

Ulrich Ronge: Das wird letztlich davon abhängen, wie sich die weitere Nachrichtenlage entwickelt. Sofern bei anderen Autoherstellern nicht noch ähnliche Betrügereien aufgedeckt werden, könnte das Thema mit der Zeit etwas aus dem Fokus geraten. Dann wäre eine Kurserholung bei den Autotiteln denkbar, die sich auf den Dax dann stark positiv auswirken würde. Weitet sich der Skandal aber auf weitere Unternehmen aus, wäre das in ihrer Frage skizzierte Negativszenario für den Dax nicht unwahrscheinlich.

Die schwedische Bank Nordea hat ihren Händlern den Kauf der VW-Aktie untersagt. Die EZB hat die VW-Aktie im Rahmen ihres Ankaufprogramms forderungsbesicherter Wertpapiere vorerst auf die schwarze Liste genommen. Kommt das VW-Papier für Sie bis auf Weiteres für einen Kauf infrage?

Ronge: Unser Haus ist spezialisiert auf Aktien von Unternehmen, die Ziel einer Übernahme sind oder werden könnten. Dies sehen wir bei VW zurzeit nicht, so dass die VW-Aktie für uns bisher und auch im Moment kein Thema ist. Derzeit sehen wir auch keine Veranlassung, uns von den Aktien der Konzerntöchter von VW (insbesondere MAN) zu trennen.

Immer mehr Problem-Branchen, kaum echte Wachstumsfirmen: Welche Branchen können den Dax in den kommenden Monaten und Jahren nach oben treiben?

Ronge: Der Automobilbereich könnte natürlich kurzfristig dem Dax Rückenwind geben, mittel- und langfristig trauen wir den Chemie- und Pharmawerten aber eine bessere Performance zu. Der Wachstumsmarkt Software/IT ist hingegen im Dax unterrepräsentiert, was sich absehbar auch nicht ändern dürfte. Dies nimmt dem Dax im Vergleich zu anderen Indizes sicher etwas Wachstumsfantasie für die nächsten Jahre.

"Hände weg vom Dax" - mit dieser Aussage fasste ein Stratege der Société Générale vergangene Woche die Reaktion seines Hauses auf die Probleme des deutschen Leitindex im US-Fernsehen zusammen. Können Sie internationale Investoren verstehen, die nach den jüngsten Ereignissen die Nase voll haben und sich vom Dax abwenden?

Ronge: Eine komplette Ablehnung des Dax und der darin enthaltenen Titel erscheint bei allen Problemen doch ziemlich überzogen. Man sollte aber, wenn man in den deutschen Markt investieren möchte, nicht blind auf den Dax setzen, sondern überlegen, ob nicht einer der breiteren deutschen Aktienindizes das gewünschte Anlageziel eher erreicht. Mit der Konzentration auf die größten 30 Standardwerte lässt man schließlich alle Chancen links liegen, die in den wachstumsstarken und innovativen Unternehmen der zweiten und dritten Reihe schlummern. Unter diesem Gesichtspunkt wäre zumindest eine Aufteilung der Investitionssumme auf verschiedene deutsche Indizes vernünftig.

Die aktuellen -vermeintlichen - Schwächen des Dax (starke Autoindustrie, Exportlastigkeit) waren lange Zeit seine Stärken und verhalfen ihm zu einem Bewertungsaufschlag gegenüber anderen Länderindizes. Droht sich dieser Bewertungsaufschlag in den kommenden Jahren in einen Bewertungsabschlag zu verwandeln?

Ronge: Dies ist ein denkbares Szenario, wir rechnen aber nicht mit einem nachhaltigen Niedergang des Gütesiegels "Made in Germany". Deutschland ist und bleibt eine Exportnation, und es wird auch immer wieder Zeiten geben, in denen gerade die etwas einseitige Ausrichtung zu einer vergleichsweise hohen Performance des Dax führt. In jedem Fall erwarten wir aber eine anhaltend hohe Volatilität des Dax. Diese Schwankungsbreite, und somit auch das Risiko vorübergehender Verlustphasen, sollte von den Anlegern nach unserer Meinung ohnehin stärker beachtet werden als kurzfristige Performance-Vergleiche.

Millionen deutsche Sparer setzen bei ihrer Altersvorsorge unter anderem auf die Wertentwicklung des Dax. Wird der Dax dieser Rolle als langfristiges Basisinvestment weiterhin gerecht?

Ronge: Tatsächlich setzen die meisten Privatanleger doch vor allem auf festverzinsliche Anlagen, und gerade im Bereich der Rentenmärkte werden die mit einer möglichen Zinswende verbundenen Risiken vom Sparer chronisch unterschätzt. Der Dax bleibt natürlich ein sinnvolles Investment, wenn man sich als passiver Anleger am deutschen Aktienmarkt engagieren möchte. Alleine und ausschließlich auf den Dax zu setzen erhöht aber unnötig die Risiken, die mit jeder Aktienanlage verbunden sind.

Welche Alternativen haben Investoren, die breit gestreut in deutsche Aktien anlegen möchten, den Dax aber nicht mehr für attraktiv halten?

Ronge: Neben breiter aufgestellten Indizes (siehe auch die Antwort auf Frage 4) halten wir vor allem die Investition in aktiv gemanagte Fonds für sinnvoll. Hier gibt es viele erfolgreiche Strategien, die ein besseres Chance/Risikoverhältnis als ein Dax-Investment aufweisen. Unser Haus hat mit dem KR FONDS Deutsche Aktien Spezial so einen aktiv gemanagten Fonds im Angebot. Durch die Selektion von Unternehmen, die Ziel einer Übernahme sind, wird im Vergleich zu einem Dax-Investment eine erheblich reduzierte Volatilität bei langfristig vergleichbarer Rendite erzielt. Mit solchen risikoreduzierten Aktien-Strategien lassen sich auch die Aktienquoten und damit die Renditeerwartung des Portfolios erhöhen, ohne insgesamt mehr Risiko tragen zu müssen.

Werden es aktive Manager von Deutschland-Fonds in Zukunft leichter haben, den Dax als Benchmark zu schlagen?

Ronge: Bei dem Vergleich mit dem Dax sollte man nicht allein auf die erzielten Renditen, sondern auch auf die Volatilität schauen. Ich bin überzeugt, dass aktive Manager mit qualitativ hochwertigen Strategien auch künftig den Dax in Sachen Chance-Risiko-Profil deutlich hinter sich lassen können. Dies wird aber künftig nicht leichter sein als bisher und die Mehrzahl der aktiv gemanagten Fonds wird diesem Anspruch schon heute nicht gerecht. Umso mehr sollten Anleger bei der Auswahl der aktiven Fondsmanager darauf achten, dass diese in der Vergangenheit auch das angepeilte Chance-Risiko-Profil "geliefert" haben.

Dieser Artikel wird bereitgestellt von www.dasinvestment.com

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