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Die Anleger-Karawane zieht weiter, denn der Zinsanleger hat Durst...

J.P. Morgan Asset Management

könnte man frei nach der Kölner Band Höhner die aktuelle Situation an den Zinsmärkten beschreiben. Diese Situation erinnert irgendwie an Dürren in Afrika, wo sich zu viele Tiere um die letzten Wasserstellen balgen. An den Zinsmärkten drohen die  vielen Anleger durch  Mangel an befriedigenden Zinserträgen zu verdursten. Daher ziehen sie von einer Zinsquelle zur nächsten, um irgendwo noch Erquickung zu finden.
erst deutsche Staatsanleihen

Und dabei fing doch alles so gut an. 2008, als die Aktienmärkte - z.B. der CDAX Index, in dem alle an der Frankfurter Börse gelisteten Aktien enthalten sind - durch das Platzen der Immobilienblase ihre Trockenperiode erlebten, konnten sich Zinsanleger gemütlich zurücklehnen. Denn im Durchschnitt gab es fast fünf Prozent Rendite für deutsche Staatsanleihen. Diese zunächst erfrischende Zinsquelle war jedoch schnell ausgetrocknet. Es labten sich zu viele daran. Schon Anfang 2009 hatten sich die deutschen Staatsrenditen um ca. zwei Prozentpunkte reduziert. Und der Trend setzt sich bis heute fort.


dann solide Unternehmensanleihen

Auf dem Trockenen sitzen mussten Zinsfreunde dennoch nicht. Die Karawane zog nur nächsten sprudelnden Zinsquelle: Im Euroraum gab es Unternehmensanleihen mit Investmentgrade, die zu Beginn des Jahres 2009 über sieben Prozent Rendite boten. Da konnte man sich doch prima erfrischen. Jedoch setzte auch hier zügig die Zinsdürre ein. Bis Ende 2010 schon hatten sich die Zinsen ungefähr halbiert. Und der Trend setzt sich bis heute fort.

dann Staatspapiere aus Euro-Süd

Dennoch führte die Wünschelrute die Zins-Karawane sicher zur nächsten erquickenden Quelle attraktiver Zinsen. Denn es folgte die Sternstunde des Rainmaker Mario Draghi. Er machte mit seinem Rettungsversprechen - nennen wir es künstliche Bewässerung - die Euro-Peripherie fruchtbar. Sie wurde zum zinsdurststillenden Brunnen für Zinsgläubige. Hier gab es Mitte 2012 für fünfjährige Staatsanleihen Renditen wie im Schlaraffenland: In Portugal 11 und in Italien bzw. Spanien um die sechs Prozent. Zu viele Zinsabsauger führten aber selbst hier zu Zinsaustrocknungen. Die Renditen haben sich aktuell gedrittelt. Und der Trend setzt sich bis heute fort.

Aus allen konventionellen, früher blühenden Zinslandschaften sind wahre Trockengebiete geworden. Und gegenüber Sparbüchern oder Festgeldern sind die Sahara und die Wüste Gobi Regengebiete am Amazonas.
und dann Ramsch?

Und nun? Wohin soll die zinsdürstende Anleger-Karawane heute ziehen?

Momentan treffen Kredit-Notstand von Unternehmen und Anlage-Notstand von Zinsanlegern zusammen. Das ist eine ungesunde Verbindung. Die erst genannten bekommen von Kreditinstituten, die per Order de Mufti  ihre Risiken einschränken oder ihr Eigenkapital schonen müssen, immer weniger Liquidität. Und die zweit genannten suchten nach neuer Zinsbefriedigung.

Das ein oder andere schwarze Schaf macht sich den Zinsdurst der Zinsanleger zunutze. In normalen Zeiten würden solche Unternehmen im Wege der gesunden Pleite verdorren. Aber heut schreibt man einfach schöne Zinsen auf seine Ramsch-Anleihe - Entschuldigung, ich wollte Hochzinsanleihe sagen - und schon schlägt Anlagechance das -risiko. Hochzinsanleihen sind in Mode gekommen, weil es nichts anderes mehr gibt. Aktuell werden Ramsch-Anleihen weltweit auf 2.000 Milliarden US-Dollar geschätzt. Jede dritte neue Anleihe in Europa soll Junk sein.

Heuchlerisch warnen bereits einige Notenbanker vor den Gefahren der Zins-Jagd. Dabei haben sie mit ihrer Sintflut selbst am lautesten zum Halali geblasen. Ja, natürlich nur zur Notwässerung der westlichen Finanzsysteme. Aber das Ergebnis ist, dass die Investoren immer weniger Renditeaufschlag, also Risikoprämie für das Kreditrisiko verlangen, was sich in steigenden Kursen von High Yield und Mittelstandsanleihen bemerkbar macht.

Wenn zu viele Anleger zu hohe Risiken zu zu hohen Preisen kaufen, kann man das Neuen Markt, dieses Mal auf der Zinsseite, nennen. Unter normalen Umständen wie bereits 2000 auf der Aktienseite gäbe es Raum für gewaltige Kurseinbrüche. Nicht zuletzt werden bis 2018 Ramsch-Anleihen in Höhe von knapp 800 Milliarden Dollar fällig, die wieder verlängert werden müssen. Was ist, wenn auf diesem fünfjährigen Weg die die Zins-Jagd endet, weil die Geldpolitik die Munition einsammelt? 

Draghi & Co. werden nicht zu geldpolitischen Pazifisten werden. Ansonsten spielen sie mit der Wehrhaftigkeit des westlichen Finanzsystems. Setzt sich damit also auch der aktuelle Trend bei High Yield fort? Geldtheoretisch eigentlich ja, aber praktisch habe ich damit große Bauchschmerzen.
Mittelstandsanleihen: Nur die Guten ins Töpfchen

Was kann man als Anlegerin oder Anleger denn tun, z.B. bei Mittelstandsanleihen mit ihren schönen hohen Zinsen? Das Gleiche, was man auch tut, wenn man einen Kühlschrank oder Vollwaschautomaten kaufen möchte. Entscheidend ist, dass der Zinsanleger Chancen und Risiken pingelig genau abklopft und die richtigen Fragen stellt: Ist das Geschäftsmodell des Unternehmens zukunftsfähig. Wofür wird das Geld benötigt? Was sagen die Ratings? Sind die Besicherungen für Zins- und Rückzahlung ausreichend? Gibt es eine Historie am Kapitalmarkt und hat man da ordentliche Arbeit auch in punkto Finanzberichterstattung geleistet? Wie sieht die Handelbarkeit aus: Kommt man als Anleger der Mittelstandsanleihe X auch wieder zu akzeptablen Bedingungen heraus?

Kann man diese Fragen nicht zu seiner Befriedigung beantworten, ist das Risiko trotz größter Zinschance zu groß. Finger weg!

Zur Not zieht die Anleger-Karawane eben zu ganz neuen Anlage-Oasen. Warum sollte aus der Zins- keine Aktien-Karawane werden.

Denn üppige Geldpolitik tut auch Aktien sehr gut!

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