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EnBW übernimmt Gaslieferant VNG - Abschied von EWE

Reuters

- von Alexander Hübner und Christoph Steitz und Arno Schuetze

Frankfurt (Reuters) - Deutschlands drittgrößter Stromversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) baut mit der ostdeutschen VNG Verbundnetz Gas sein Gasgeschäft massiv aus.

Das Karlsruher Unternehmen erwirbt den Anteil des Oldenburger Regionalversorgers EWE von 74,2 Prozent an der VNG und zieht sich im Gegenzug aus der EWE bis 2019 vollständig zurück. EnBW-Chef Frank Mastiaux löscht damit einen seit Jahren brodelnden Konfliktherd. Die drei Unternehmen hatten sich nach dem Einstieg der EnBW bei EWE vor sechs Jahren zerstritten, die damit verbundenen Hoffnungen hatten sich nie erfüllt. Viel Geld fließt bei dem 1,4 Milliarden Euro schweren Beteiligungstausch nicht: EnBW zahlt an EWE und deren kommunale Eigentümer zunächst nur 125 Millionen Euro.

Die VNG ist mit einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro einer der drei größten Importeure von Erdgas nach Deutschland und verteilt es an andere Versorger und Stadtwerke weiter. EnBW-Chef Mastiaux kann damit den geplanten Ausbau des Gasgeschäfts weiter vorantreiben. Er muss den Konzern, der wie kein anderer in der Vergangenheit auf Atomkraft gesetzt hatte, mit Blick auf die Energiewende umbauen. "Mit der VNG werden wir unser Gasgeschäft mehr als verdoppeln und der drittgrößte Anbieter im deutschen Gasmarkt sein", sagte Mastiaux. 350 bis 400 Millionen Euro soll die Sparte künftig im Jahr abwerfen, 15 bis 20 Prozent des Konzerngewinns. "Und dies mit einer relativ hohen Verlässlichkeit, da es sich zu einem beträchtlichen Teil um reguliertes Netzgeschäft handelt", sagte der EnBW-Chef.

2014 hatte die EnBW bereits das vorher zusammen mit der italienischen ENI betriebene Fernleitungsnetz Terranets BW und die Gasversorgung Süddeutschland (GVS) komplett erworben. Vor drei Jahren hatte er einen langfristigen Gasliefervertrag mit der russischen Novatek unterschrieben.

LVV UND MACQUARIE ZIEHEN DEN KÜRZEREN

Die kommunalen Eigentümer der VNG aus Ostdeutschland, die zusammen 25,8 Prozent halten, sollen an Bord bleiben. EnBW wolle keine weiteren Anteile kaufen und den Sitz der VNG in Leipzig belassen, machte Mastiaux deutlich. Die Leipziger LVV, die 7,5 Prozent an der VNG hält, hatte mit dem australischen Infrastruktur-Investor Macquarie ebenfalls um den EWE-Anteil gebuhlt, hatte aber mit 1,1 Milliarden Euro letztlich zu wenig geboten.

Die EWE hatte ihren Anteil von ursprünglich knapp 48 Prozent an der VNG seit dem vergangenen Jahr nach oben geschraubt: Erst übernahm sie die Anteile der BASF-Tochter Wintershall, dann auch die der russischen Gazprom und verschaffte sich damit eine bessere Verhandlungsposition. Eigentlich war der Verkauf der Beteiligung an die EnBW schon 2009 vereinbart worden, als die Karlsruher bei EWE eingestiegen waren. Doch die VNG-Miteigentümer sperrten sich damals gegen die Transaktion.

Damit stand die Partnerschaft von EnBW und EWE von Anfang an unter keinem guten Stern. Die Beteiligung der EnBW von 26 Prozent geht zunächst in drei Schritten bis 2019 zurück an die EWE selbst und ihre Eigentümer. Dabei wird sie mit 1,3 Milliarden Euro bewertet. EnBW hatte 2009 zwei Milliarden Euro für die Sperrminorität an der EWE (Elbe-Weser-Ems) bezahlt.

Der Oldenburger Konzern ist mit acht Milliarden Euro Umsatz einer der fünf größten deutschen Versorger. Der Vorstand und die Eigentümer wollen 2017 damit beginnen, einen neuen strategischen Partner zu suchen, der die 26 Prozent übernimmt. "Die großen Herausforderungen in der deutschen Energiewirtschaft erfordern für EWE auch in Zukunft eine starke Gesellschafter-Struktur", sagte der Geschäftsführer des Verbands der kommunalen EWE-Eigentümer, Heiner Schönecke. Ziel sei es, bis 2019 einen starken Partner gefunden zu haben.

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