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EZB-Ratsmitglied fordert mehr Schritte für höhere Inflation

Reuters

Warschau/Frankfurt (Reuters) - EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny fordert größere Anstrengungen zur Ankurbelung der anhaltend niedrigen Inflation im Euro-Raum.

"In meinen Augen ist es offensichtlich, dass wir eine Reihe von zusätzlichen Instrumenten brauchen", sagte der österreichische Notenbankchef, der auch Mitglied im Entscheidungsgremium der Europäischen Zentralbank (EZB) ist, am Donnerstag in Warschau. Dazu gehörten sowohl Strukturreformen als auch Schritte, um über eine höhere Nachfrage bei Firmen und Verbrauchern für mehr Wirtschaftswachstum zu sorgen.

Die EZB sieht stabile Preise bei Inflationsraten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet - dies betrachtet sie als ideal für die Wirtschaftsentwicklung. Doch diese Zielmarke liegt in weiter Ferne: Die Preise im Euro-Raum waren im September sogar um 0,1 Prozent gesunken. "Wir verfehlen eindeutig unser Ziel", sagte Nowotny. Hauptgrund sei der Rückgang der Preise für Öl und andere Rohstoffe. Aber auch die Kerninflationsraten - darin sind die Ölpreise nicht enthalten - lägen klar unter den EZB-Zielen.

Die EZB pumpt seit März durch den Ankauf von Anleihen und anderen Wertpapieren monatlich im Schnitt 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, um damit letztlich auch die Inflation nach oben zu treiben. Der große Schub für die Preisentwicklung blieb aber bislang aus. An den Finanzmärkten wird daher bereits darauf spekuliert, dass EZB-Chef Mario Draghi das derzeit auf 1,14 Billionen Euro angelegte und bis September 2016 laufende Kaufprogramm ausweitet.

KONTINENTALDRIFT IN DER GELDPOLITIK

Während in der Eurozone kein Ende der ultralockeren Geldpolitik absehbar ist, steht die US-Notenbank Fed davor, erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen anzuheben. Das genaue Timing ist aber noch unklar. Wegen zuletzt schwacher US-Konjunkturdaten zum Arbeitsmarkt und zum US-Einzelhandel rechnen viele Marktteilnehmer mittlerweile erst 2016 mit dem Schritt.

Laut EZB-Vizepräsident Vitor Constancio könnte eine Anhebung der US-Leitzinsen größere globale Auswirkungen haben als in der Vergangenheit. Die Weltwirtschaft sei mittlerweile stärker verzahnt - grenzüberschreitende Kapitalströme hätten zulegt, sagte Constancio in Hongkong. Einige Schwellenländer – vor allem China – seien in einem nie dagewesenen Ausmaß in die Weltwirtschaft integriert. Es gebe zudem keine Erfahrungswerte mit einer Abkehr von der Nullzins-Politik. "Die US-Geldpolitik hat starke finanzielle Ausstrahlungseffekte, insbesondere auf die europäischen Anleihenmärkte." So zeichneten Renditen deutscher Anleihen bei einer Straffung der US-Geldpolitik Veränderungen bei den US-Bonds um mehr als ein Drittel nach.

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