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Gold vor neuer Hausse?

Stefan Riße

Für die Gold-Bullen waren die vergangenen Wochen echt hart. Rauf und runter und immer schwang die Angst mit, dass der nächste Rutsch neue Tiefs in dem seit September 2011 anhaltenden Bärenmarkt markieren wird. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass vor dem Beginn einer Aufwärtsbewegung oft dieses nervenzehrende Spiel stattfindet. Nun hat Gold an den vergangen beiden Tagen kräftig zugelegt und es stellt sich die Frage, ob dies nun der Ausbruch nach oben ist? Einige Argumente sprechen dafür.

Goldhausse-Argument 1: Die Stimmung

Echte euphorische Bullen gibt es gar nicht mehr, was antizyklisch für das Edelmetall spricht. Auf der Invest Messe in Stuttgart sprach kaum jemand mehr vom Gold. Vor zwei, drei Jahren war das vollkommen anders. Sieht man sich die Stimmungsindikatoren an, dann zeigen diese nun seit vielen Wochen Pessimismus. Nach unten scheinen die Kurse daher gut abgesichert. Die 1.000 US-Dollar, die Goldman Sachs vorausgesagt hat, sind ebenfalls ein Argument für die Bullen. Denn meistens täuschen sich die „Goldmänner“ mit ihren prominenten Prognosen.

Goldhausse-Argument 2: Die Nullzinsen

Der große Nachteil von Gold und seinem kleinerem Bruder Silber ist die Unverzinslichkeit. Es gibt keinen Zinseszinseffekt, weil es keine Ausschüttungen gibt, die wieder angelegt werden können. Wenn - jüngster Zinsanstieg hin oder her – Bundesanleihen so gut wie keine Verzinsung mehr bringen, und alles, was nennenswert mehr bringt, Währungs- oder Emittentenrisiken beinhaltet, dann fällt dieser Nachteil im Grunde weg. Was dann aber bleibt, ist die begrenzte Vermehrbarkeit, weil Gold nicht mal so nachgedruckt werden kann. Die Exploration wird immer aufwendiger und die Vorkommen sind begrenzt.

Goldhausse-Argument 3: Die jüngste Dollarschwäche

Der jüngste Aufwärtsimpuls des Edelmetalls wurde durch die Korrektur des Dollaranstieges ausgelöst. Die Parität von Euro und Dollar ist erst einmal wieder recht weit entfernt. Diese Korrektur dürfte durchaus weitergehen. Zum einen, weil noch immer riesiger Optimismus für den Dollar existiert und zum anderen, weil die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA baldige Zinsanhebungen unwahrscheinlicher machen und die letzte Handelsbilanz wieder tief rot war. Kurzum: Die USA können mit einem so festen Dollar nicht leben.

Goldhausse-Argument 4: Die Inflation

Wie bitte? Mögen sich da manche fragen. Genau diese gibt es doch nicht. Stimmt! Noch nicht. Die Inflationsraten sind vor allem wegen der gesunkenen Energiepreise so stark gefallen und nicht aufgrund immer weiter nachlassender Nachfrage. Dieser Effekt ist in den Inflationsraten aber wahrscheinlich weitestgehend enthalten. Aufgrund steigender Immobilienpreise und damit auch steigenden Mieten sowie zunehmendem Lohndruck und einer Erholung der Energiepreise kann die Inflation plötzlich schneller wieder anziehen als viele sich vorstellen können.

Goldhausse-Argument 5: Die Konjunktur in Indien

Wichtigster Goldimporteuer ist noch immer Indien. In den vergangen Jahren nahm die Nachfrager der Inder aber ab, weil die Wirtschaft nicht lief und es zudem Einfuhrbeschränkungen gab. Mit der neuen wirtschaftsfreundlichen Regierung unter Premierminister Narenda Modi hat sich die Situation aber gedreht. Die Konjunktur boomt. Für die im zweiten Halbjahr laufende Hochzeitssaison ist daher wieder mit erhöhter Nachfrage aus Indien zu rechnen.

Ich bleibe daher bei meiner Prognose, dass 2015 Gold wiederentdeckt wird. Die Aktien sind gelaufen, die Anleihen sind gelaufen, es ist durchaus wahrscheinlich, dass nun auch die Edelmetalle laufen.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Börsenkorrespondent, Portfoliomanagement

Stefan Riße, Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für „n-tv“, wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.
Seit Oktober 2011 ist Stefan Riße in der Vermögensverwaltung tätig und mittlerweile Gesellschafter der HPM Hanseatische Portfoliomanagement GmbH in Hamburg. Er managt mit dem „Riße Inflation Opportunities UI“ seinen eigenen Fonds. Nach wie vor ist er gefragter Interviewgast bei „n-tv“ wo er regelmäßig auftritt. Seine Kommentare veröffentlicht er mittlerweile auch auf www.rissesblog.de, einem der erfolgreichsten Finanzblogs im deutschsprachigen Raum.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein aktuelles Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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