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Die gebrochenen Versprechen

„Herzlich Willkommen“ stand auf einem Transparent in der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm. Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane war gekommen, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen auch. Es sei „ein Tag der Freude“, rief sie den Karstadt-Mitarbeitern zu. Der neue Eigentümer Nicolas Berggruen versprach der Belegschaft: „Karstadt wird jetzt ein sehr aufregendes Leben haben.“

Das war am 2. September 2010. Heute ist an die Stelle der Euphorie Ernüchterung getreten. Der als Retter gefeierte Berggruen hat zentrale Versprechen nicht gehalten. Entgegen seiner Zusage werden 2000 Karstadt-Beschäftigte bis 2014 ihren Job verlieren.

Außerdem hatte Berggruen dem Karstadt-Insolvenzverwalter versichert, eine „Einlage von 65 Millionen Euro in die Gesellschaft“ zu erbringen. Das geht aus vertraulichen Unterlagen hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Doch nur wenige Tage nach der Übernahme von Karstadt ließ er sich das Darlehen zurückzahlen.

Der damalige Konkurrenz-Bieter, der italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti, glaubt, dass der Wortbruch ebenso absehbar wie vermeidbar war. Schwere Vorwürfe erhebt er weniger gegen Berggruen als gegen dessen damaligen Partner: die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Sie hatte mit allen Mitteln versucht, Borlettis Einstieg zu verhindern. „Wir forderten damals mehr Flexibilität und längere Arbeitszeiten, im Gegenzug aber wollten wir auf Stellenstreichungen verzichten“, sagte der Italiener dem Handelsblatt.

Verdi jedoch habe den gesprächsbereiten Karstadt-Betriebsrat ausgebremst. „Die Gewerkschaft opferte Karstadt ihrem ideologischen Kampf.“ Längere Arbeitszeiten galten als Tabu, Flexibilität als Teufelswerk, das einmal Erreichte dürfe nicht preisgegeben werden, so die Parole der Gewerkschaftszentrale in Berlin. Verdi gilt innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes als Hochburg der Linken.

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