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Helles Licht am Ende des Tunnels

Große Erleichterung an den Märkten

Ohne Zweifel hat die vorläufige Entspannung des Syrien-Konflikts an den Finanzmärkten für großes Aufatmen gesorgt. US-Präsident Barack Obama befand sich in einem fürchterlichen Dilemma. Für ihn war mit dem schrecklichen Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg eine „rote Linie“ überschritten. Um seine Glaubwürdigkeit zu bewahren, musste er also handeln. Gleichzeitig sollten ihm aber die unberechenbaren Gefahren einer Eskalation der Situation in Syrien bewusst gewesen sein. Ein Militärschlag stand trotzdem unmittelbar bevor.

Doch dann kam die große Überraschung aus Großbritannien, wo dass Parlament mit einer besonnenen Entscheidung die Beteiligung an einer Militäraktion gegen Syrien ablehnte. Frankreich und Saudi-Arabien schienen daraufhin die einzig verbliebenen Verbündeten der USA in dieser Sache zu sein. Mit der Bitte um Rückendeckung durch eine Abstimmung im US-Kongress wollte der US-Präsident eine solch folgenschwere Entscheidung auf eine breitere Basis stellen. Zumal die US-Bevölkerung kriegsmüde erscheint und Umfragen zufolge mehrheitlich gegen einen militärischen Einsatz in Syrien plädiert.

Damit wurde aber auch Zeit gewonnen, um das für nahezu unmöglich gehaltene doch noch zu realisieren - nämlich eine Lösung der Auseinandersetzung auf diplomatischem Wege. Die klare Botschaft aus Washington lautete, dass Syrien einen Militäreinsatz nur noch verhindern könne, wenn umgehend alle chemischen Waffen ausgeliefert würden. Glücklicherweise nahm Russland diesen diplomatischen Strohhalm sofort auf und schloss sich der Idee an, indem Syrien zum Einlenken aufgefordert wurde. Denn Russland unterhält enge Beziehungen zu Syrien und wäre seinerseits durch einen Militärschlag gegen das Land in eine starke Zwickmühle geraten.

Der Durchbruch war also geschafft. Denn zuerst begrüßte Syrien den Vorschlag und später wurde er offiziell angenommen. Somit konnte auch der UN-Sicherheitsrat seine geplante Debatte vorerst „auf Eis“ legen. Es bleibt abzuwarten, ob die Aussagen des syrischen Regimes verlässlich sind. Aber zumindest scheint die größte Gefahr eines Militärschlages vorerst gebannt zu sein.

Bei dieser Gelegenheit sollte die Weltöffentlichkeit aber noch einen Schritt weiter gehen und nicht nur ein weltweites Verbot sondern gleich die komplette Vernichtung aller chemischen Kampfstoffe durchsetzen.

Doch wie steht es um die humanitäre Katastrophe in Syrien? Der Bürgerkrieg tobt trotz allem weiter. Auch für dessen sofortiges Ende müssen sich die Diplomaten der Weltgemeinschaft weiter engagieren!

Es wird noch ein weiter Weg auf diplomatischem Parkett zurückzulegen sein. Zumindest ist jedoch schon einmal die Hoffnung auf eine Lösung des Syrien-Konflikts in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Für Börsianer wurde dies auch durch die Bewegung der Ölpreise sichtbar. Der Preis für ein Fass der Sorte Brent verzeichnete am Dienstag den stärksten Tagesrückgang seit Mitte Juni. Allein daraus ergab sich schon eine große Entspannung an den Märkten. Den Zusammenhang habe ich in meiner Kolumne vom vergangenen Donnerstag („Börsianer mit Sorgenfalten“) beschrieben.

Weiterer Rückenwind aus China

Mit einer Steigerung der Industrieproduktion im vergangenen Monat um 10,4 Prozent im Vergleich zum August des Vorjahres wurde eine weitere positive Überraschung aus China gemeldet. Eigentlich hatten Experten hier nur mit einer leichten Expansion des Anstiegs von zuletzt 9,7 auf 9,9 Prozent gerechnet. In sofern bestätigte sich der jüngste Trend und die Hoffnung, dass China seine Rolle als wichtige Lokomotive für die Erholung der Weltkonjunktur weiterhin ausfüllen kann.

Kein Handlungsdruck für die Fed

Die Lage am US-Arbeitsmarkt stellt sich schlechter dar als erwartet. Die Arbeitslosenquote sank zwar von 7,4 Prozent im Juli auf 7,3 Prozent im August und damit auf den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren, allerdings wuchs die Beschäftigung im gleichen Zeitraum geringer als vorhergesagt und dies hat für Ökonomen die größere Bedeutung. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen belief sich auf 169.000. Dabei waren 180.000 neue Jobs erwartet worden. Dazu kommt, dass die Zahlen für den Monat Juli nach unten revidiert wurden. Bisher standen hier noch 162.000 neu geschaffene Stellen in der Statistik. Statt dessen waren es nur 104.000. Den aktuellen Angaben der US-Regierung zufolge gibt es in den USA derzeit 11,3 Millionen Arbeitslose.

Die Entwicklung am amerikanischen Arbeitsmarkt steht bei Börsianern besonders im Fokus, weil sie unmittelbaren Einfluss auf die weitere Geldpolitik der US-Notenbank Fed hat. Und diese wiederum beeinflusst wie kaum etwas anderes die Kapitalströme weltweit.

Derzeit sind die Geldschläusen der Fed weit geöffnet. Der Leitzins liegt bei Null und mit Wertpapierkäufen werden jeden Monat 85 Milliarden US-Dollar in die US-Wirtschaft gepumpt.

Fed-Präsident Ben Bernanke hatte die Marktteilnehmer bereits im Juni auf eine mögliche Drosselung der Wertpapierkäufe vorbereitet. Allerdings gab er gleichzeitig unmissverständlich zu verstehen, dass dies von einer weiteren Verbesserung der Lage am US-Arbeitsmarkt abhängig sei. Der Leitzins werde so lange auf dem historisch niedrigen Niveau belassen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gesunken ist. Nach eigenen Schätzungen wird dies für das Jahr 2015 erwartet.

Zur Erinnerung: Die Ankündigung, dass die beschriebenen Käufe bei einer besseren Lage auf dem US-Arbeitsmarkt zurückgefahren werden, hatte bereits zu einer großen Unsicherheit und deutlichen Kursreaktionen an den Märkten geführt. Davon waren auch einige Schwellenländer betroffen. Denn aufgrund von massiven Kapitalabflüssen kam es zu einer Abwertung ihrer Währungen. Aber auch Aktienkurse gerieten weltweit unter Druck.

Nach den jüngsten Arbeitsmarktdaten dürfte für die Fed allerdings kein unmittelbarer Handlungsdruck bestehen. Ich rechne durchaus damit, dass sie sich mit einer beginnenden Drosselung ihres Wertpapierkaufprogramms noch etwas mehr Zeit lässt, als noch vor einigen Wochen angenommen wurde. Am 18. September wird Notenbank-Chef Ben Bernanke die nächste Entscheidung seines Gremiums bekannt geben.

DAX auf dem Weg zu neuem Allzeithoch

Die starke Aufwärtsbewegung vom Dienstag konnte der DAX am Mittwoch behaupten und sogar weiter ausbauen. Mit einem Tagesschlusskurs von 8.495,73 Punkten lag das deutsche Börsenbarometer nur noch rund 62 Zähler von seinem Allzeithoch bei 8.557,86 Punkten entfernt.

Ein neuer Rekord scheint also greifbar nahe zu sein. Ein Anstieg von mehr als 0,7 Prozent wäre für den DAX an einem Tag kein Problem. Doch ob gleich der erste Angriff auf das noch gar nicht so alte Allzeithoch für die Bullen den gewünschten Erfolg bringt, ist ungewiss. Erfahrungsgemäß braucht es seine Zeit, bis die Investoren bereit sind, das nötige Geld für diesen Weg in bisher unbekanntes Terrain auf den Tisch zu legen. Doch bei einem geeigneten Impuls könnte dies schnell passieren. Die Chancen hierfür stehen gut. Unterstützend kommt hinzu, dass die Skepsis unter den Anlegern weiterhin spürbar ist.

Ich bleibe bei meiner Zuversicht für den Rest dieses Börsenjahres und halte bei Erreichen neuer Rekordstände des DAX sogar schon eine kleine Herbst-Rallye für möglich, auch wenn sie den saisonalen Mustern der Vergangenheit entgegenwirken würde.

Ihr Holger Scholze

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.

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Expertenprofil

Holger Scholze

Holger Scholze

TV-Börsen­korrespondent & Moderator

Holger Scholze ist freiberuflicher TV-Börsenkorrespondent & Moderator. Er pendelt seit März 2002 regelmäßig zwischen seinem Lebensmittelpunkt Dresden und dem Finanzplatz Stuttgart, um von dort live für den Nachrichtensender n-tv sowie Börse Stuttgart TV zu berichten. Die jeweils aktuelle Marktsituation analysiert Holger Scholze aber auch in Schalten mit dem Deutschen Anleger Fernsehen oder diversen Radiostationen.

Darüber hinaus hält er Vorträge und schreibt für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Internetdienste Artikel zu den Themenschwerpunkten Wirtschaft und Börse. So gehört Holger Scholze seit dem Sommer 2013 auch zu den fünf „OnVista-Kolumnisten“. Auch bei Podiumsdiskussionen oder Gesprächsrunden führt er regelmäßig durchs Programm. Zudem ist Holger Scholze bei ausgewählten Veranstaltungen oder Gala-Abenden als Moderator anzutreffen.

Holger Scholze engagierte sich bereits während seines BWL-Studiums ab 1996 in der Interessengemeinschaft Börse an der TU Dresden, war dort auch Vorstandsvorsitzender sowie Beirat und ist seit 2007 Ehrenmitglied des Vereins.
Von 1997 bis 2002 arbeitete er in der Projektleitung des damals in ganz Deutschland simultan stattfindenden Aktionstag Börse International und hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg dieser Großveranstaltungen. 1999 und 2000 war Holger Scholze im Vorstand des Bundesverbandes der Börsenvereine an deutschen Hochschulen und später in dessen Beirat tätig. Noch heute unterstützt er tatkräftig die Arbeit der größten nichtpolitischen Studenteninitiative Deutschlands.
Außerdem konnte Holger Scholze in der Wertpapierabteilung und im Private Banking der HypoVereinsbank, im Fondsmanagement der Activest Luxembourg und durch weitere Tätigkeiten bei renommierten Gesellschaften im In- und Ausland vielfältige Erfahrungen sammeln.

Holger Scholze

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16.04.2014, 08:15, München

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