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HINTERGRUND-Aktien der "Grande Nation" sind im Kommen

Reuters

- von Anika Ross

HINTERGRUND-Aktien der "Grande Nation" sind im Kommen

Frankfurt (Reuters) - Der französische Aktienmarkt erlebt eine Renaissance.

Schon in diesem Jahr zählten einzelne Unternehmen der "Grande Nation" zu den Lieblingen der Anleger, im kommenden Jahr könnte der Leitindex CAC40 nach Ansicht von Strategen den meisten europäischen Nachbarbörsen sogar die Rücklichter zeigen. Denn lange schwächelnde Branchen wie Automobil oder Banken sehen wieder Licht am Ende des Tunnels, und auch die Volkswirtschaft ist im dritten Quartal zu Wachstum zurückgekehrt.

Trotz der Verunsicherung nach der Anschlagserie in Paris Mitte November sollten Anleger deshalb auf französische Werte setzen, mein Chefanlagestratege Christian Gattiker von Julius Bär. "Frankreich ist das 'neue Deutschland'", meint er. Vieles erinnere momentan noch an die Zeiten unter Bundeskanzler Gerhard Schröder vor rund zehn Jahren: "Zappenduster und kein Vertrauen in Reformen." Anleger hätten damals ähnlich skeptisch auf den "kranken Mann Europas" geblickt wie nun auf Frankreich.

Doch die nun eingeläuteten politischen Reformen könnten nach Meinung von Strategen das Ruder herumreißen und Frankreich in der Gunst der Investoren weiter steigen lassen. "Eine Outperformance ist sehr realistisch", meint Jens Klatt, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses FXCM in Deutschland. Zumal die Hausse an Europas Börsen generell dank der Geldflut der Europäischen Zentralbank und einem schwächeren Euro in die Verlängerung noch nicht zu Ende sei.

MATCHBALL FRANKREICH

Frankreichs Aktienmarkt hätte eine Aufholjagd bitter nötig. Der französische Leitindex CAC40 kam in den vergangenen zehn Jahren auf ein Plus von rund 3,7 Prozent - der Dax stieg im Vergleich um 105 Prozent. Im aktuellen Börsenjahr jedoch schlägt sich der CAC40 mit einem Plus von mehr als fünfzehn Prozent bislang erstmals seit 2002 wieder besser als der deutsche Index.

Der Aufschwung geht quer durch alle Branchen: Bei den französischen Autobauern Renault und Peugeot geht es dank Modelloffensiven und steigender Auslastung voran. Seit Jahresanfang haben die Aktien der beiden Autobauer jeweils mehr als 50 Prozent zugelegt. Bei den Banken kommt die Societe Generale auf ein Plus von rund 25 Prozent und legt damit doppelt so stark zu wie der europäische Finanzindex ingesamt. Zwar hinterließen die blutigen Attentate in Paris auch an den Finanzmärkten Spuren: so verbuchten Tourismuswerte wie Air France wegen stornierter Reisen in die Hauptstadt starke Kursverluste. In die Depots der Anleger wanderten hingegen Rüstungswerte wie Thales und Zodiac.

Auch aus konjunktureller Sicht gibt es für Frankreich in diesem Jahr zumindest einen Silberstreif am Horizont: Die seit Jahren unter hohen Arbeitslosenzahlen und steigender Verschuldung ächzende Wirtschaft wächst wieder. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Juli bis September um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu. Dafür sorgen vor allem steigende Konsumausgaben. Im zweiten Vierteljahr hatte das Plus in der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone noch stagniert. Die EU-Kommission traut Frankreich in diesem Jahr ein Wachstum von immerhin 1,1 Prozent zu verglichen mit 1,6 Prozent für die Euro-Zone insgesamt. 2017 sollen es 1,7 Prozent sein.

STEIGENDE STAATSAUSGABEN DÜRFTEN WIRTSCHAFT PUSHEN

Beim Abbau des Staatsdefizites lässt Brüssel bei den Franzosen die Zügel angenehm locker. Die bisherige Frist für Frankreich, das Haushaltsdefizit unter die EU-Grenze von drei Prozent zu drücken, verstreicht dieses Jahr. Das Land wird das Ziel nach eigenen Angaben aber verfehlen. Paris hat seit 2001 nur in den Jahren 2006 und 2007 ein Defizit von weniger als drei Prozent erzielt und erhielt aus Brüssel seit 2009 bereits dreimal eine Fristverlängerung.

Einigen Ökonomen ist der Reformwille der Regierung unter Francois Hollande indes noch nicht groß genug. "Im Vergleich zu Deutschland reformiert Frankreich bislang in homöopathischen Dosen. Dort passiert auch gemessen an anderen Staaten der Euro-Zone am wenigsten", sagt Stefan Schneider, Chef-Volkswirt der Deutschen Bank für Deutschland. Unter demografischen Aspekten stehe Frankreich allerdings besser da als Deutschland.

Auch Christoph Weil von der Commerzbank spricht von "Mini-Reformen", sieht aber auch Potential durch steigende staatliche Investitionen, unter anderem in die Sicherheit nach den Anschlägen in Paris. "Dieser Push wird kurzzeitig die Wirtschaft anheizen", sagt Weil. Und Gattiker ist zuversichtlich: "Wenn in Europa das Ende der Austerität eingeläutet wird, dann wird Franreich überdurchschnittlich profitieren."

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30.05.2016, 18:05, Euronext Paris

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