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HINTERGRUND: EZB unter Handlungsdruck - Angst vor der Deflation

FRANKFURT (dpa-AFX) - So hatte Mario Draghi sich den Kampf gegen Deflationsrisiken nicht vorgestellt: Obwohl der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte im November mit einer Zinssenkung überraschte, ist die Teuerungsrate nun wieder auf das tiefe Niveau von damals gesunken. Mit 0,7 Prozent liegt die Inflation massiv unter dem Zielwert der EZB von knapp zwei Prozent. Einige Experten sind sich sicher, dass die Geldpolitik deshalb weiter gelockert wird. Ob der Euroraum aber tatsächlich auf eine Deflation zusteuert, ist umstritten.

'Die EZB wird in den kommenden Monaten handeln müssen', prophezeit allerdings Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Tatsächlich hat das Notenbankpräsident Draghi auch bereits in Aussicht gestellt. 'Die EZB steht - wenn nötig - für entschiedenes Handeln bereit', ließ Europas oberster Währungshüter zu Jahresbeginn wissen. Die Notenbank müsse die Preisstabilität in beide Richtungen verteidigen - also nicht nur, wenn die Inflation in die Höhe schießt, sondern auch, wenn die Rate zu weit absinkt.

Bei deflationären Tendenzen werde man eingreifen, versicherte Draghi. Unter Deflation versteht man einen Teufelskreis aus Preisverfall und Konjunkturschwäche, bei dem Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiter sinkender Preise in Käufer- und Investitionsstreik treten. Japan gilt hier unter den großen Volkswirtschaften als abschreckendes Beispiel. Das ostasiatische Land befreit sich nach zwei Dekaden langsam aus der Deflationsfalle. Aber ist die Situation in der Eurozone vergleichbar?

Nur bedingt, sagt Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank: 'Mit Blick auf die gesamte Eurozone handelt sich bislang nur um einen Trend abnehmenden Preisauftriebs.' In den schuldengeplagten Ländern der Eurozone seien jedoch durchaus deflationäre Tendenzen auszumachen. 'In Anbetracht hoher Arbeitslosenquoten, eines sich zwar erholenden aber immer noch schwachen Wirtschaftswachstums und zugedrehter Kredithähne muss dies auch nicht weiter verwundern.'

Richard Barwell, Analyst der Royal Bank of Scotland, hebt einen weiteren Aspekt des Diskussion um Deflationsgefahren heraus: Der Einfluss der grundsätzlich stark schwankenden Energiepreise komme zu kurz. Barwell hat sich die Entwicklung der Güterpreise, mit denen die Teuerungsrate berechnet wird, genau angeschaut: 'Etwa zehn Prozent des Warenkorbs erklären fast die Hälfte des Inflationsrückgangs.' Das zeigt, wie stark sich etwa sinkende Ölpreise in der Teuerungsrate niederschlagen und lässt Skeptiker am bedrohlichen Deflationsszenario zweifeln.

Die Schwankungsanfälligkeit der Energiepreise ist der EZB natürlich bekannt. Um sie auszuklammern, lassen die Notenbanker eine sogenannte Kernrate der Inflation berechnen. Diese liegt mit 0,8 Prozent ebenfalls viel niedriger als gewünscht. Die Frage ist, was die EZB aus diesen Zahlen macht. Für Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, ist der Fall bereits klar: 'Auf der Sitzung Anfang März dürfte es auf eine Senkung des Leitzinses hinauslaufen.' Denn ob nun wirklich Deflation droht oder nicht: Draghi hat die EZB mit der Ansage, sich entschieden gegen einen Preisverfall zu stemmen, unter hohen Handlungsdruck gesetzt./hbr/bgf/fbr


Von Hannes Breustedt, dpa-AFX

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