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Hüfners Wochenkommentar: "Korrekturen am Aktienmarkt"

Martin Hüfner befasst sich in dieser Woche mit der aktuellen Schwäche am deutschen Aktienmarkt und vermutet, dass diese vermutlich länger andauern werde, die Hausse aber nicht am Ende sei.

25. April 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit vier Wochen gehen die Kurse am deutschen Aktien­markt unter Schwankungen zurück. Inzwischen liegen sie 5 Prozent unter dem Höchststand von Mitte März. Ist das die bekannte "Sell in May and Go Away"-Bewegung, die viele erwartet hatten und die bald wieder vorbei sein wird? Oder wird hier das Ende der nun vier Jahre dau­ern­den Hausse eingeleitet?

Rein optisch sind Korrekturen wie die jüngste nichts un­ge­wöhn­liches (siehe Grafik). Aufschwungphasen voll­ziehen sich nie gradlinig. Diesmal ist die Volatilität be­son­ders hoch, weil der Markt primär von der Liquidität getrieben wird. Der Kursrückgang kann daher durchaus noch einige Zeit anhalten. Er kann sogar noch ausge­präg­ter werden. 2012 ermäßigten sich die Kurse – etwa zur gleichen Jahreszeit – über sieben Wochen um ins­ge­samt 16 Prozent. 2011 stürzte der DAX sogar um 32 Prozent ab. Danach ging der Aufschwung aber wieder weiter.

Für ein längeres Anhalten der Korrekturphase sprechen fundamentale Gründe. Die Weltwirtschaft befindet sich in einer akuten Schwächephase. Indiz dafür ist die stark rückläufige Nachfrage nach Rohstoffen. Die Preise für Kupfer, Öl und zuletzt besonders spektakulär für Gold sind in den vergangenen Wochen um 15 Prozent bis 20 Prozent ge­fallen. Hinzu kommt die Diskussion über ein Ende der ul­tralockeren Geldpolitik in den USA. Sie verunsichert die Investoren, weil die Liquidität bisher der wichtigste Trei­ber der Kursentwicklung war. Die Eurokrise hält unver­än­dert an, siehe die schwierige Regierungsbildung in Ita­lien und die problembehaftete Lage in Frankreich. Die europäischen Banken befinden sich immer noch im Krisenmodus. Nach der Bank of Cyprus wird jetzt über die slowenischen Banken gesprochen.

Last, but not least verunsichert die globale Uneinigkeit über die politischen Prioritäten. So viel Gegensätzlich­kei­ten gab es selten. Die Japaner setzen auf monetäre Expansion, die Amerikaner auf fiskalpolitische Impulse und die Europäer sind beidem gegenüber skeptisch und zielen auf Konsolidierung und Reformen. Das spiegelt weniger die unterschiedlichen Gegebenheiten in den ein­zelnen Ländern wider, sondern ist Ausdruck einer generel­len Orientierungslosigkeit der Politik. Das wirkt sich nat­ür­lich negativ auf die Erwartungen der Investo­ren aus. Dazu kommen dann so wenig überlegte Ein­griffe in den internationalen Geldverkehr wie die Abga­be auf zyprioti­sche Bankeinlagen.

Interessant ist, dass die negativen Einflüsse auf den deut­schen Aktienmarkt vor allem aus dem westlichen Ausland kommen. Sie sind Folge eines grundlegenden Misstrauens angelsächsischer Anleger gegenüber Eu­ropa, vor allem gegenüber Deutschland. Das zeigt sich daran, dass der DAX morgens meist freundlich eröffnet. Im Verlauf des Nachmittags (wenn die Börsen in den USA zu handeln beginnen) geben die Kurse dann nach.

Die Korrekturphase an den Aktienmärkten ist daher mehr als die übliche "Sell in May"-Bewegung. Aber eben­so erwarte ich nicht, dass die Hausse damit schon zu Ende ist. Nach einer Pause werden die Aktienkurse wieder steigen.

Fünf Argumente dafür:

Erstens befindet sich die Welt nach der großen Finanz- und Eurokrise in einer Reparaturphase. Es werden Kor­rekturen durchge­führt, die die Volkswirtschaften eines Ta­ges besser ma­chen werden. In Europa werden Defi­zite abgebaut und die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt. Japan versucht die Phase der Deflation zu beenden. In den USA werden öffentliche Defizite reduziert. Der Bo­nus aus diesen Re­pa­raturarbeiten wird sich am Ende in höheren Unterneh­mensgewinnen zeigen. Er wird in Eu­ro­pa und Japan am größten ausfallen, da dort die Fehl­entwicklungen am gröíten waren. Das haben die Märkte noch nicht voll ein­gepreist.

Zweitens: Die Weltwirtschaft wächst weiter. In China hat das Expansionstempo zwar abgenommen. Die reale Wirt­schaftsleistung wird aber weiter um 7 Prozent bis 7,5 Prozent zunehmen.

Drittens ist die Hausse an den Aktienmärkten bisher weit hinter früheren derartigen Aufschwüngen zurückgeblie­ben. In den letzten vier Jahren sind die Kurse um 80 Prozent gestiegen. In der Zeit von 2003 bis 2007 betrug die Stei­gerung über 100 Prozent, in der New Economy um die Jahr­tausend­­wende sogar noch mehr.

Viertens werden die günstigen monetären Bedingungen un­abhängig von allen Diskussionen, die jetzt geführt wer­den, noch eine Weile anhalten. Das begünstigt Ak­tien gegenüber Renten.

Fünftens schließlich ist in den Vorhöfen des Kapital­markts noch viel Geld vorhanden. Die privaten Haushalte haben derzeit lediglich 250 Milliarden Euro. in Aktien an­gelegt (= 5 Prozent des Geldvermögens). Am Ende der vor­her­gehenden Hausse waren es 370 Milliarden Euro, im Jahr 2000 sogar über 500 Milliarden Euro.
Drei Schlussfolgerungen für den Anleger

Zum Einen: Was wir im Augenblick erleben, ist eine ganz normale Atempause am Aktienmarkt. So etwas gibt es immer wieder. Kalkulieren Sie das mit ein, wenn Aktien derzeit als einzig sinnvoller Anlagealter­native in Zeiten niedriger Zinsen empfohlen werden. Vor allem, sichern Sie sich dagegen ab. Zum Zweiten: Die Korrek­tur­phase am Kapitalmarkt kann noch eine Weile andau­ern. Wenn sie so stark ist wie vor einem Jahr, würde der DAX bis auf 6.800 Punkte sinken. Wenn sie so wie im August 2011 ausfällt, würde der DAX sogar bis auf unter 6.000 gehen. Zum Dritten: Das ist aber nicht das Ende der Hausse. Ich halte an meiner Prognose fest, dass der DAX in diesem Jahr auch noch einen Indexstand von 8.500 erreichen kann.

Anmerkungen oder Anregungen? Martin Hüfner freut sich auf den Dialog mit Ihnen: redaktion@deutsche-boerse.com.

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© 25. April 2013 /Martin Hüfner

Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem "Europa – Die Macht von Morgen" (2006), "Comeback für Deutschland" (2007), "Achtung: Geld in Gefahr" (2008) und "Rettet den Euro!" (2011).

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