Für einen optimalen Ausdruck erlauben Sie bitte den Druck von Hintergrundfarben und -bildern

Im Würgegriff der Radikalen

HANDELSBLATT

Barack Obama guckte streng. Die „Krise“, die Washington in den vergangenen Wochen lahmgelegt habe, sei einmal mehr „selbst verursacht“ gewesen, schimpfte der Präsident am Donnerstag im Weißen Haus. Die Blockade habe der US-Wirtschaft „vollkommen unnötigen Schaden“ zugefügt. Nie sei die Frustration der Amerikaner über ihre politische Klasse größer gewesen. „Die Bevölkerung hat von Washington vollkommen die Nase voll“.

Natürlich dachte Obama dabei nicht an sich selbst oder an seine Demokraten. Er meinte, ohne sie beim Namen zu nennen, die Fundamentalisten in den Reihen der Republikaner. Jene Minderheit von Abgeordneten, die sich der Tea-Party-Bewegung zuordnen.

Mit ihrem kompromisslosen Vorgehen hatten sie die USA an den Rand der Zahlungsunfähigkeit manövriert und zum Gespött der Welt gemacht, sehr zum Verdruss pragmatischer Parteifreunde. Nun haben die Ultrakonservativen nach dem parteiübergreifenden Kompromiss vom Mittwoch verloren. Trotzdem fühlt sich die Tea Party so stark wie nie – was für die anstehenden Haushaltsverhandlungen kein gutes Omen ist.

„Der Kampf geht weiter“, sagte der Held der Bewegung, Senator Ted Cruz aus Texas, nach der Einigung. Die Gruppe scheint entschlossen, umso härter weiterzukämpfen, ungeachtet abstürzender Umfragewerte und Warnungen aus den eigenen Reihen. Ihr Ziel: Obamas verhasste Gesundheitsreform, „Obamacare“ geschimpft, irgendwie zu stoppen, auszuhöhlen oder wenigstens zu verzögern.

Als Faustpfand dienen der US-Haushalt und die nötige Erhöhung der Schuldengrenze. Die Drohung: Sollte sich Obama nicht beugen, legen wir die Verwaltung lahm und riskieren sogar den ersten Zahlungsausfall der USA der Geschichte, mit potenziell verheerenden Folgen für die Weltwirtschaft. Das war in den vergangenen Wochen die Verhandlungsposition, und sie ist es auch weiterhin.

Erstaunlich lange konnte die populistische Tea Party damit die Fraktionen der Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus vor sich hertreiben. Angesichts des Drucks sah sich der pragmatische Sprecher der Abgeordnetenkammer, John Boehner, bis zuletzt nicht in der Lage, auf die ebenfalls kompromisslosen Demokraten zuzugehen.

Kurs zu Dow Jones Index

  • 17.800,00 Pkt.
  • 0,00%
19.12.2014, 23:09, Deutsche Bank Indikation

Zugehörige Derivate auf Dow Jones (10.961)

Derivate-Wissen

Sie möchten in den "Dow Jones" investieren?

Indexzertifikate geben Ihnen die Möglichkeit an der Kursentwicklung eines Index teilzuhaben.

Erfahren Sie mehr zu Partizipations-Zertifikaten