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In den Fängen der Regulierung

Von Björn Godenrath, Frankfurt

Börsen-Zeitung, 17.9.2013

Unter dem Motto "Die neuen Banken - Social, Mobile, Crowd?" sind zum Wochenaufakt am Börsenplatz Vertreter von Finanzindustrie und eben jenen Start-ups zusammengekommen, die für die Digitalisierung von Geschäftsmodellen stehen. Konsens ist allgemein, dass diese Internet-Marken den klassischen Retailbanken mittel- bis langfristig gehörig Konkurrenz machen können - dabei sind die sogenannten Nichtbanken bereits in Segmente wie das Transaction Banking eingedrungen. Und so diagnostiziert Bernd Rolfes vom Beratungshaus Zeb im Eröffnungsvortrag, dass sich die etablierten Player auf eine "erweiterte Wettbewerbslandschaft" einstellen müssen. Mit P2P-Plattformen etablierten sich neue Geschäftsmodelle, die es zwar bei Einlagen und Krediten lediglich auf Marktanteile im Promillebereich bringen. Insgesamt werde der "Kampf um Assets" aber neue Wettbewerbsmuster hervorbringen, so Rolfes.

Das Problem: Die Retailbanken wurden von der zweiten Krisenwelle hart getroffen, seit 2009 sinken die Eigenkapitalrenditen bei gestiegenen Eigenkapitalkosten - nur noch 10 % der Banken aus den Top 50 verdienen ihre Eigenkapitalkosten (siehe Grafik). Zudem finde im Niedrigzinsumfeld eine schleichende Erosion der Ertragsbasis statt, erläutert Rolfes.

Die Nachlaufeffekte auf der Zinsseite würden mit auslaufenden Positionen erst in den kommenden zwei, drei Jahren voll durchschlagen. Das bekämen auch die Direktbanken zu spüren: Der ING-DiBa bescheinigt Rolfes, sie habe ihren Zenit überschritten - ihr Effizienzniveau aber besser gesteigert als Sparkassen und Kreditgenossen. Erschwert würden die Anstrengungen zur Margenverbesserung mittels kundennahem Bankgeschäft aber durch Aufsichtsrecht und Verbraucherschutz. Von bürokratischen Beratungsstandards und steigenden Haftungsrisiken wissen alle deutschen Retailbanken ein Lied zu singen.

Missstände in der Regulierung prangert auch Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) an, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, als Anwalt des Finanzplatzes "die Rahmenbedingungen des Bankgeschäfts" mit neuen Perspektiven zu versehen. Die Regulierung habe Banken ins Einlagengeschäft getrieben, nun tummele sich der von der Online-Seite angeheizte Wettbewerb dort. Er sieht viele Chancen für die Filialbanken, sofern sie Online-Kompetenz und Beratung vorrätig haben. Ihm liege am Herzen, die Bank-Infrastruktur zu erhalten; aber das könne die Politik nicht par ordre du mufti entscheiden, sagt Schäfer.

Aufpassen müsse die Politik aber, dass sich gewisse Segmente nicht aus der Regulierung heraushalten können. In den Schattenbanken entstünden Parallelstrukturen mit Risiken, die man in der Regulierung der klassischen Banken ja grade bekämpfe. Von daher müsse die Regulierung summarisch betrachtet werden. Sie umfasse auch die neu ins Finanzdienstleistungsgeschäft drängenden digitalen Anbieter.

Das sind schlechte Nachrichten für Kickstarter & Co, denen über kurz oder lang die Entzauberung droht, wenn Verbraucherschützer und Regulierer sich auf sie stürzen. Für den einen oder anderen Teilnehmer des von der Börsen-Zeitung mitveranstalteten "Finance Future Forum" wurde das Thema Regulierung aber zu stark gewichtet. So ließ @mainbube über Twitter mit dem Hashtag #FinFut2013 wissen: "Viel Regulatorik und wenig über digitale Herausforderungen!" @juves bemängelt: "Hartes Pflaster in Ffm! Hess. Finanzminister stellt sich schützend vor seine Banken und übersieht Chancen von #Crowdfunding". So sieht sie aus, die Welt der digitalen Echtzeit-Kommunikation: Feedback gibt es sofort und ungefragt.

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