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Interview mit Michael Krake: Wenn der Geschäftspartner zum Risiko wird

Börsen-Zeitung

Michael Krake, Geschäftsführer LexisNexis GmbH

Herr Krake, die deutsche Versicherungsgesellschaft Allianz bezahlte im vergangenen Jahr über 12 Mill. Dollar an die US-Börsenaufsicht Security and Exchange Commission (SEC) wegen nachgewiesener Korruption indonesischer Behörden. Wieso muss ein deutsches Unternehmen Strafzahlungen an eine US-Behörde leisten?

Das ist in der Tat rechtlich betrachtet sehr komplex. Es gibt eine Vielzahl von Gesetzen in den jeweiligen Staaten, die im Kern eines gemeinsam haben - den Willen, gegen Bestechung und andere Formen von Korruption und Geldwäsche vorzugehen. In Deutschland sind das Deutsche Geldwäschegesetz (GwG) und das Gesetz zur Optimierung der Geldwäscheprävention richtungsweisend. In Großbritannien gilt seit 2011 das Antikorruptionsgesetz UK Bribery Act und in den Vereinigten Staaten von Amerika seit 1977 das Bundesgesetz Foreign Corrupt Practices Act (FCPA). In dem von Ihnen erwähnten Fall der Allianz kommt das FCPA zur Anwendung. Es gilt für Personen und Unternehmen oder Beauftragte beziehungsweise Anteilseigner, die für das Unternehmen handeln - auch dann, wenn Dritte zu einer Bestechungstat angestiftet werden - und es hat Auswirkungen auf alle Länder, sofern ein Anknüpfungspunkt zu den USA besteht. Im vorliegenden Fall waren Dritte für die Bezahlung von Geldern an Entscheidungsträger der Behörden verantwortlich. Die Allianz wurde dennoch in die Verantwortung genommen, weil sie zum Zeitpunkt der Bestechung an der New York Stock Exchange gelistet war. Um einer Verurteilung zuvorzukommen, hat sie einer freiwilligen Zahlung von mehr als 12 Mill. Dollar zugestimmt.

Das heißt also, diese Gesetze gelten für nahezu jedes international tätige Unternehmen. Was bedeutet das für deutsche Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit Partner- und Subunternehmen in ihren Entwicklungs-, Fertigungs- und Handelsstrukturen?

Die Überprüfung der Geschäftspartner avanciert zur unternehmerischen Pflicht und die Behörden verfolgen Korruption und Geldwäsche akribisch. Tatsächlich sind insbesondere deutsche Unternehmen zunehmend gefährdet, denn die Globalisierung, der mehrstufige Wertschöpfungsprozess, die Spezialisierung von Partnerunternehmen und deren Subpartner in der Supply Chain und das Off-Shoring der Lieferantenbasis erhöhen das Risiko, in irgendeiner Form mit Korruption oder Geldwäsche in Verbindung gebracht zu werden.

In welchem Umfang sollte eine Überprüfung stattfinden?

Es ist empfehlenswert, bereits vor der Aufnahme einer Geschäftsbeziehung eine umfangreiche Überprüfung vorzunehmen und bei bestehenden Beziehungen regelmäßig nach bestimmten Kriterien zu kontrollieren. Dazu müssen Unternehmen sämtliche Geschäftspartner erst einmal identifizieren, klassifizieren und nach Risikokriterien bewerten. Wichtig ist dabei, dass nicht nur das Unternehmen selbst oder bestimmte Personen überprüft werden, sondern auch die Geschäftspartner der Geschäftspartner. Mein Tipp: Schauen Sie genau auf Personen, die an der empfindlichen Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kunden oder staatlichen Institutionen agieren, und achten Sie besonders auf jene, die nicht in die Organisation eingebunden sind wie Agenten, Berater, Partner und Vermittler.

Wie müssen Unternehmen vorgehen, damit eine Überprüfung verlässliche Ergebnisse liefert, die auch den Anforderungen an die Sorgfaltspflicht gemäß dem FCPA und dem UK Bribery Act entsprechen?

Prinzipiell sollte man im Fall einer Überprüfung in der Lage sein, seine Sorgfaltspflicht nachweisen zu können. Im Fachjargon spricht man von einer Due-Diligence-Prüfung oder auch dem Know-your-Customer-Prinzip. Dahinter verbirgt sich ein risikobasierter Ansatz zur Analyse und Bewertung von Geschäftspartnern, der unter anderem folgende Kriterien berücksichtigt: Herkunftsländer, Branchen beziehungsweise Sektoren, Märkte, Produkte und finanzielle Volumina beziehungsweise Transaktionsvolumen. Eine regelmäßige Überprüfung findet nach nachvollziehbaren Kriterien statt und ist ausführlich dokumentiert. Im Fall einer erweiterten Due Diligence bei als risikobehaftet klassifizierten Geschäftspartnern ist es ratsam, die zu überprüfenden Geschäftskontakte nicht nur mit Sanktions- und PEP-Listen (Politisch Exponierte Personen), Firmendatenbanken, Biografien oder Datenbanken mit Rechtsurteilen abzugleichen, sondern auch nach negativen Meldungen in internationalen Nachrichtenquellen zu suchen. Denn viele Tatbestände, die mit Korruption, Betrug, Bestechung und Ähnlichem in Verbindung gebracht werden, werden meist in den Medien besprochen, bevor Firmen oder Personen auf den einschlägigen Listen vermerkt werden. Die Überprüfung von Geschäftspartnern ist umfangreich und erfordert systematisches Vorgehen sowie den Einsatz verlässlicher Tools.

Wodurch unterscheidet sich ein web- und datenbankbasiertes Tool zur Überprüfung von Geschäftspartnern von einer individuellen Recherche über Suchmaschinen wie beispielsweise Google?

Die zentrale Frage, die sich ein Unternehmen stellen muss, lautet: "Welche Informationsquellen nutze ich und wie hoch ist mein Aufwand, um ein Risiko zu bewerten?" Die großen Vorteile eines einheitlichen Recherchesystems liegen darin, dass der Kunde Zeit und Geld spart, auf zuverlässige und umfangreiche Informationsquellen zugreifen kann und damit nicht nur sicherstellt, dass er seine Geschäftsrisiken minimiert, sondern im Fall eines Audits seine Due-Diligence-Überprüfung nachweissicher belegen kann. Freie Suchmaschinen decken außerdem auch inhaltlich nicht alle Bereiche ab, die einer umfassenden Sorgfaltspflicht entsprechen.

Ist das Thema Geschäftspartnerüberprüfung bei deutschen Unternehmen heute schon verankert?

Wir erfahren in Gesprächen mit unseren Kunden, dass die Geschäftspartnerüberprüfung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Den Unternehmen geht es dabei nicht zuletzt um die eigene Reputation, um im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität auf der sicheren Seite zu stehen. Immer mehr weltweit agierende Unternehmen verlangen außerdem von ihren Zulieferern, dass sie die gleichen Standards erfüllen, womit sich das Thema auch beim Mittelstand schnell durchsetzen und somit im Markt etablieren wird.


Das Interview führte Oliver Häußler.

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