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Katalysator für den Erfolg von Unternehmen

Börsen-Zeitung, 29.6.2013

Anders als viele Neugründungen im Silicon Valley war die 1972 gegründete SAP keine Garagenfirma. Das Unternehmen entwickelte von Beginn an integrierte Standardsoftware für alle Unternehmensbereiche. Die Gründer setzten dabei auf eine Technik, bei der Eingaben in Echtzeit verarbeitet werden. Von Anfang an standen in der Software-Entwicklung die Kunden im Mittelpunkt.

Eng am Kunden dran

Ursprünglich hatte dies praktische Gründe: SAP konnte sich in den ersten Jahren keine eigenen Großrechner leisten - entwickelt wurde daher auf den Rechnern der Kunden, was in der Regel nur nachts möglich war. Die daraus entstandene Haltung, stets eng am Kunden zu arbeiten, steckt seither in den Genen des Unternehmens. Mit hohem Innovationstempo brachte SAP die Großrechnersoftware R/1 und R/2 auf den Weg - R stand für "real time". SAP wuchs rasch und bot seine Lösungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Unsere Produkte waren einzigartig, die Potenziale für schnelles und internationales Wachstum sowie für weitere Innovationen waren enorm. Um diese Potenziale heben zu können, benötigte SAP Zugang zu Kapital.

Unser Börsengang im Jahr 1988 trug das Motto: "Eine Aktie ist so wachstumsorientiert wie das Unternehmen, das dahintersteht." Das Interesse an den rund 240 000 Inhaberaktien war so groß, dass die Zeichnungsfrist vorzeitig endete. Am 4. November 1988 erfolgte die Erstnotiz der Aktien zu einem Preis von 750 DM pro Stück. Dabei war die Skepsis auf Seiten der großen Finanzinstitute, die angefragt worden waren, das IPO zu begleiten, anfangs groß: zu jung die Industrie, zu wenig anfassbar die Produkte. Die DZ Bank hatte schließlich die Rolle des Koordinators übernommen und die Transaktion strukturiert. Seitens SAP waren die wichtigsten Erwartungen an den Kapitalmarkt, die Unabhängigkeit des Unternehmens zu sichern, in Innovationen investieren zu können und die globale Präsenz ausbauen zu können.

Der internationale Durchbruch für die unternehmensweiten Anwendungsprogramme gelang in den neunziger Jahren mit dem neuen Konzept des Client-Servers, das die Arbeit mit Großrechnern ablöste. In der Unternehmenswelt war diese Umstellung eine Revolution. R/3 war auf die Client-Server-Architektur ausgerichtet und kam genau zum richtigen Zeitpunkt.

Eigentlich für den Mittelstand gedacht, zeigten viele Großunternehmen weltweit Interesse. Auch die weltweite Expansion hing stark mit R/3 zusammen. Mit dem neuen System gelang der Erfolg in den USA. 1995, sieben Jahre nach dem Börsengang und auf dem Sprung in den Dax, erwirtschaftete das Software-Unternehmen einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. DM. Großkonzerne wie General Motors gehörten jetzt wie selbstverständlich zu unseren Kunden. Die Produktpalette wuchs kontinuierlich. Marktkapitalisierung und Handelsvolumen stiegen, in den drei Monaten vor dem Dax-Debüt legte die SAP-Aktie um knapp 50 % zu.

Elitezirkel der Wirtschaft

Mit dem Aufstieg in den Dax erreichte die SAP eine neue Dimension. Die Mitgliedschaft eröffnete dem Unternehmen mehr Aufmerksamkeit, die Bekanntheit der SAP im In- und Ausland stieg. Denn der Index stellte den Elitezirkel der deutschen Wirtschaft dar. Daran hat sich seither nichts geändert. Der Dax repräsentiert die wichtigsten Wirtschaftszweige der Bundesrepublik Deutschland. Allein im vergangenen Jahr erwirtschafteten die 30 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse einen Gesamtumsatz von 1,3 Bill. Euro, etwa 60 % des Grundkapitals aller notierten deutschen Gesellschaften entfallen auf den Dax. Sie beschäftigen mehr als 3,5 Millionen Mitarbeiter, gut 40 % davon im Inland. Banken und Versicherungen nehmen seit Beginn das größte Gewicht ein, es folgen der Automobil- und Chemiesektor.

Der Dax trat im Juni 1988 die Nachfolge eines von der Börsen-Zeitung entwickelten Index an. Frank Mella, Redakteur der Börsen-Zeitung und Autor des Dax, verfolgte dabei zwei Ziele: Er wollte die Dividenden und Kapitalmaßnahmen der Aktiengesellschaften in die Berechnung einfließen lassen, um die gesamte Wertentwicklung von Aktien darstellen zu können. Und er wollte einen Index als anerkannte Basis für Termingeschäfte bilden.

Die Mitglieder der Dax-"Familie" - später kamen unter anderem die kleineren Geschwister MDax und TecDax dazu - erfüllen mehrere Aufgaben: Neben ihrer Funktion als Abbild der Wirtschaft bilden sie die Basis für fast 30 000 Finanzprodukte, von Futures- oder Options-Kontrakten bis zu Exchange Traded Funds. Anleger können mit Hilfe der indexbasierten Produkte in jeder Marktsituation individuell investieren. Der Dax gilt als der mit Abstand wichtigste von der Deutschen Börse berechnete globale Index.

Vereinfachte Positionierung

Von der Bekanntheit, der internationalen Bedeutung und der zentralen Position des Dax profitierte die SAP seit der Aufnahme in den Leitindex. Weltweit stärkt der Dax das Image der deutschen Wirtschaft. Die Zugehörigkeit zum Prime Standard mit seinen hohen Transparenzanforderungen vereinfacht die Positionierung gegenüber internationalen Investoren. Der Dax ist heute der meistbeachtete deutsche Börsenindex und rangiert in Wirtschaftspublikationen und Börsen-Tickern gleichauf mit dem amerikanischen Dow Jones Industrial Average, dem britischen FTSE und dem japanischen Nikkei.

Sowohl private als auch institutionelle Anleger sehen in dem Index einen optimalen Ausgangspunkt für die Analyse des deutschen Aktienmarktes. Nicht wenige Großinvestoren kaufen Dax-Aktien allein schon wegen deren Zugehörigkeit zum Auswahlindex. Dax-Papiere werden automatisch in die fünf Dax-Indexfonds aufgenommen; auch Indexfonds auf die Dax-Geschwister DivDax und ÖkoDax investieren ausschließlich in Dax-Aktien. Über den Dax-Future kommen die 30 Aktien in mehr als 22 700 Dax-Derivaten vor; allein 11 714 Anlagezertifikate bilden den Dax 1:1 nach. Auch zahlreiche passive Fonds nutzen den Index als Schablone für ihre Portfolios: Sie investieren ausschließlich in Dax-Werte. Durch die Mitgliedschaft im Dax zeigt sich dies auch in der Liquidität der SAP-Aktie. Das tägliche Handelsvolumen ist seit dem Dax-Aufstieg exponentiell gestiegen und liegt heute bei über 3 Millionen.

Im Ausland beliebt

Durch den Dax ist das Interesse an deutschen Unternehmen so hoch wie nie zuvor: Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zufolge kommen heute im Schnitt rund 58 % der Investoren aller Dax-Firmen aus dem Ausland. Damit hat sich die Aktionärsstruktur in den vergangenen Jahren deutlich verändert: Im Jahr 2005 waren es 44 %. Betrachtet man die Entwicklung der SAP bei institutionellen Anlegern seit der Aufnahme in den Dax, wird dieser Trend noch deutlicher: Kamen 1995 erst 56 % der institutionellen Anleger aus dem Ausland, sind es heute 83 %.

In den vergangenen drei Jahren schütteten die Dax-Gesellschaften rund 90 Mrd. Euro an Dividenden an ihre Anteilseigner aus. Auch die SAP beteiligt ihre Aktionäre durch regelmäßige Dividendenzahlungen am Unternehmenserfolg. In den vergangenen drei Jahren kumulierte sich der Betrag auf 3 Mrd. Euro. Die Attraktivität der Dax-Konzerne ist auch ein Grund dafür, warum deren Entwicklung regelmäßig in allen internationalen Wirtschaftszeitungen thematisiert wird. Dies bringt den Dax-Unternehmen eine Aufmerksamkeit, die sie ohne eine Mitgliedschaft im Leitindex nicht hätten. Mächtige Aktionärsvereinigungen wie die US-amerikanischen Institutional Shareholder Services prüfen auch die Corporate-Governance-Kriterien der Industriekonzerne des Dax.

Wichtiger Vergleichsmaßstab

Bei der Aufnahme in den Dax 1995 war SAP das einzige IT-Unternehmen in Deutschland im deutschen Leitindex. Das ist bis heute so geblieben. Und auch wenn die größten Wettbewerber im Silicon Valley sitzen: Der Dax war und ist für SAP in vielerlei Hinsicht der wichtigste Vergleichsmaßstab. Die Entwicklung des Index ist ein Spiegelbild der deutschen Wirtschaft. Das Gewicht der IT-Branche zeigt die relative Wirtschaftskraft. Und die Performance der SAP-Aktie verdeutlicht, welche Perspektive sich das Unternehmen im internationalen Wettbewerb erarbeitet hat. Die positive Unternehmensentwicklung der SAP zeigt sich auch im Aktienkurs - speziell im Vergleich zum Dax. So ist der Wert der SAP-Aktie seit dem ersten Handelstag im November 1988 ohne Dividenden unter Berücksichtigung von Kapitalerhöhung und Aktiensplits um rund das 120-Fache gewachsen. Damit hat sich das SAP-Papier deutlich besser entwickelt als der Vergleichsindex, der im selben Zeitraum um das 3,47-Fache zugelegt hat.

Weitere Börsengänge folgen

Zehn Jahre nach der Erstnotierung, am 3. August 1998, folgte ein weiterer Meilenstein bei der Internationalisierung des Konzerns: die Erstnotierung an der New York Stock Exchange. Mit dem US-Börsengang stärkte die SAP vor allem ihre Marktposition und Sichtbarkeit in den USA nach derselben Logik, wie dies schon beim Eintritt in den Dax der Fall war. Das US-Geschäft stellt heute stabil rund 25 % des Konzernumsatzes dar. Ähnliche Überlegungen wägt SAP mit einem Börsengang in China ab. Hier bestehen jedoch noch nicht alle notwendigen Voraussetzungen, um einen Börsengang in Schanghai als sinnvoll erscheinen zu lassen.

SAP ist heute Weltmarktführer für Unternehmenssoftware. Für unseren weltweiten Erfolg und die Stärke unserer Marke - eine der wertvollsten in Deutschland - bleibt unsere Mitgliedschaft im deutschen Leitindex ein wichtiger Faktor. Aktuell ist SAP mit einer Marktkapitalisierung von über 70 Mrd. Euro eines der am höchsten bewerteten Unternehmen im Dax. Damit ist unser Börsenwert doppelt so hoch wie vor drei Jahren. Gemessen an der Marktkapitalisierung sind wir weltweit der drittgrößte unabhängige Software-Hersteller und der zehntgrößte High-Tech-Konzern.

Die Vision der SAP, Geschäftsvorgänge mit der Hilfe von Software-Lösungen besser, schneller und effizienter zu machen, hat heute noch immer Gültigkeit und ihr Potenzial entfaltet sich weiter. Mit der Datenbanktechnologie HANA, die die Arbeit mit großen Datenmengen bis zu 10 000-mal schneller macht als mit konventionellen Datenbanken, ist nach R/3 in den neunziger Jahren zum zweiten Mal ein wesentlicher Technologiesprung möglich. HANA wird nachhaltig verändern, wie Technologie die Unternehmen in ihrem Handeln unterstützen kann.

Der Zugang zum Kapitalmarkt und die Aufmerksamkeit als Dax-Unternehmen bleiben zentral, um unseren Expansionskurs weiter zu finanzieren, unsere Markt- und Innovationsführerschaft auszubauen und damit weiterhin eine attraktive und nachhaltige Option für Investoren zu sein.


Von Werner Brandt, Mitglied des Vorstands von SAP

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