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MARKTPLATZ: Ein Schritt vor, zwei zurück

Börsen-Zeitung

Am Donnerstagmorgen hat der Dax ein Allzeithoch von 9 810 Punkten erreicht, einen Tag später war davon nicht mehr viel zu spüren. Der Dax ging am Freitag mit 9 629 Punkten aus dem Handel, er steht damit schon wieder um fast 200 Punkte unter dem Rekord. Damit sieht es zumindest aktuell so aus, als sei der Höchstwert nur eine kurzzeitige Kapriole gewesen. Zahlreiche Anleger haben lieber ihre Gewinne mitgenommen, als auf weitere Anstiege zu setzen.

Dabei ist es aber dennoch nicht unwahrscheinlich, dass die Anleger zumindest auf kurze Sicht noch einmal ihren Mut zusammennehmen und den Dax über die Marke von 10 000 Punkten hieven. Dafür sprechen beispielsweise die positiven Signale, die die Charttechnik liefert. Aktien könnten aber auch Rückenwind durch die sinkenden Renditen deutscher Staatsanleihen erhalten. So ist durchaus damit zu rechnen, dass die zehnjährige Bundesrendite vor dem Hintergrund der von der Europäischen Zentralbank angekündigten geldpolitischen Lockerung in Kürze auf ein Allzeittief sinkt. Zudem könnte es auch wieder Unterstützung des Marktsentiments durch eine neue Welle von Übernahmen und Fusionen geben, so wie es bei "Big Pharma" sowie in der Elektroindustrie zu sehen war.

Die Frage ist nur, ob danach weitere Kursgewinne drin sind, oder ob nicht sogar damit zu rechnen ist, dass der Markt seine Gewinne nicht verteidigen kann, nach dem Motto: ein Schritt vor, ein oder sogar zwei Schritte zurück. Dafür sprechen mehrere Argumente.

So könnte es voreilig sein, den Ukraine-Konflikt als Belastungsfaktor auszublenden. Außerdem erscheint das Sentiment an der Weltleitbörse Wall Street als ziemlich wackelig, viele Investoren fürchten dort den Beginn eines Bärenmarktes im Licht des fortgesetzten Taperings der Fed. Als Indiz für ein mögliches Kippen des Marktes wird dabei gewertet, dass der Nasdaq Composite und der Mid-Cap-Index Russell 2000 inzwischen unter die gleitenden Durchschnittslinien von 50 bzw. 100 Tagen gefallen sind.

Was die Konjunkturentwicklung betrifft, so erweist sich Deutschland zwar aktuell als das Powerhouse Europas. Angesichts des Sondereffekts eines warmen Winters und der Konjunkturschwäche in den anderen europäischen Volkswirtschaften sowie in den Emerging Markets stellt sich aber die Frage, wie nachhaltig die Sonderentwicklung im Inland ist.

Ergebnistreiber ausgereizt

Die deutschen börsennotierten Unternehmen sind auf eine ansprechende Konjunkturentwicklung angewiesen, um die von ihnen versprochene Gewinnsteigerung in die Tat umzusetzen. Die Ergebnistreiber der vergangenen Jahre, nämlich Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen, sind weitgehend ausgereizt. Zuletzt (vgl. Grafik) ist das Gewinnwachstum bereits deutlich zurückgegangen, die zu Ende gehende Quartalssaison hat zumindest teilweise enttäuscht.

Zudem stellt sich auch die Frage nach den Bewertungen. Auf den ersten Blick erscheint der Dax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate von 12,8 noch als nicht besonders teuer. Es stellt sich aber die Frage, ob sehr langfristige Durchschnittswerte von 15 und mehr, die auch den Boom der 1990er Jahre einbeziehen, im mittlerweile gründlich geänderten Umfeld von heute noch aussagekräftig sind. Nimmt man hingegen die vergangenen fünf Jahre als Maßstab, so befinden sich der deutsche, der europäische und auch der US-Aktienmarkt am oberen Ende der beobachteten KGV-Bandbreiten (vgl. Grafik).

Ein Sprung des Dax über die magische Marke von 10 000 Punkten ist zwar durchaus noch drin. Dem Index wird es aber vermutlich nicht gelingen, ein solches Niveau dann auch längerfristig zu verteidigen.

(Börsen-Zeitung, 17.5.2014)

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