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Marktsentiment: Besser als erwartet?

Stimmungsindikator zum DAX

Trotz der geldpolitischen Wechselbäder diesseits wie jenseits des Atlantiks agieren die Anleger weiter preisgetrieben. Ein erheblicher Teil der Pessimisten hat die Short-Haltung wieder aufgegeben und auch die Prognosen sind mit dem DAX nach oben gewandert. Von den Einzelwerten wird der Commerzbank weiterhin das Meiste und das Wenigste zugetraut.

10. Juli 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Seit der vergangenen Stimmungserhebung müssen Börsianer zeitweise eine regelrechte Achterbahnfahrt mitgemacht haben. Denn einiges, das sich seither ereignete, dürfte für manchen Akteur erst auf den zweiten Blick nachvollziehbar gewesen sein. Natürlich hatte EZB-Präsident Mario Draghi die Marktteilnehmer insofern überrascht, als er sich, entgegen der Gepflogenheit seines Vorgängers Jean-Claude Trichet, zum ersten Mal im Voraus bezüglich seiner Niedrigzinspolitik festlegte. Doch bei weiterem Nachdenken dürfte es – ob nun mit expliziter Verpflichtungserklärung oder versteckten Codeworten, mit denen sich etwa Trichet zu früheren Zeiten trotz aller Beteuerungen immer festgelegt hatte – ohnehin kaum jemanden gegeben haben, der vor dem Statement Draghis überhaupt auf längere Sicht mit einem Anziehen der Leitzinsen gerechnet hätte.

Erneut durcheinander geschüttelt wurden die Anleger dann noch einmal, als am vergangenen Freitag die US-Arbeitsmarktdaten so viel besser als erwartet ausgefallen waren, dass die Reaktion auf diese Zahlen anfangs sogar negativ war. Weil man befürchtete, die US-Notenbank hätte mit diesem Wirtschaftsdatum ein weiteres Argument erhalten, mit dem so genannten Tapering, dem langsamen Auslaufenlassen der Anleihekäufe, eher früher als später zu beginnen. Doch die weitere Reaktion fiel bereits kurze Zeit später diesseits und jenseits des Atlantiks vollkommen konträr aus. Während die US-Aktienmärkte leicht positiv den Handelstag beendeten, musste der DAX stattdessen einen Rückschlag von mehr als zwei Prozent hinnehmen – eine kuriose Situation, wo doch deutsche exportorientierte Unternehmen von einem positiven Trend am US-Arbeitsmarkt am ehesten profitieren sollten.

Langfristige Investoren zurückhaltend

Diese unterschiedlichen Reaktionen der Aktienmärkte haben die von der Börse Frankfurt wöchentlich befragten Investoren schließlich zum Anlass genommen, ihre in der Vorwoche gezeigte Skepsis teilweise zu revidieren. Denn gemessen an unserem Bull/Bear-Index, hat der Optimismus wieder deutlich angezogen. Die Abwanderung aus dem Bärenlager, das um ein Viertel kleiner geworden ist, zeigt jedoch keinen überbordenden Optimismus, weil gut die Hälfte dieser Befragten zu den „Neutralen“ wechselte. Vielmehr sollte man eher von einem verminderten Pessimismus sprechen, verbunden mit der Einsicht, dass an fallenden Kursen derzeit nicht allzu viel zu verdienen ist. Eine ähnliche Bewegung gab es übrigens auch bei den Privatanlegern, wo sich unser Bull/Bear-Index auf 59,5 Punkte allerdings nicht so stark wie beim institutionellen Pendant erhöhte.

Der jüngst wieder aufgeflammte Optimismus gibt jedoch keinen Anlass zur Sorge – der Wochenanstieg des DAX von 3,2 Prozent ist aber hausgemacht und kaum aufgrund einer fundamentalen bullishen Überzeugung entstanden. Die jüngsten Käufe waren wohl vielmehr preisinduziert gewesen, wobei wir annehmen, dass langfristiges Kapital gerade wegen der relativen Schwäche des DAX gegenüber anderen wichtigen Indizes während des Berichtszeitraums sowohl aus dem In- als auch dem Ausland sehr zurückhaltend gewesen sein dürfte. Gerade dieser Kapitalstrom wäre jedoch eine wichtige Voraussetzung für eine substantielle Aufwärtsbewegung des DAX.

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© 10. Juli 2013/Joachim Goldberg, cognitrend für boerse-frankfurt.de

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