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Merck setzt mit Rekordzukauf auf stabiles Laborgeschäft

Reuters

- von Andreas Kröner und Ludwig Burger

Merck setzt mit Rekordzukauf auf stabiles Laborgeschäft

Frankfurt (Reuters) - Der Darmstädter Merck-Konzern stärkt mit der größten Übernahme seiner bald 350-jährigen Firmengeschichte das stabile Zuliefergeschäft für Pharmakonzerne und Forschungseinrichtungen. Für 13,1 Milliarden Euro kauft Merck den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich.

"Die Übernahme ist ein Quantensprung für unser Unternehmen", sagte Finanzchef Marcus Kuhnert am Montag. Merck werde dadurch in allen Bereichen des Laborgeschäfts einer der drei größten Anbieter weltweit. Im weit riskanteren Pharmageschäft, der Entwicklung neuer Medikamente, wird der Konzern den Branchengrößen aus dem In- und Ausland dagegen weiter hinterherhinken, wie Vorstandschef Karl-Ludwig Kley einräumte. Merck sei jedoch zufrieden damit, nur ein mittelgroßer Pharmakonzern zu sein.

Bei Investoren kam die Übernahme gut an. Merck-Aktien schossen über acht Prozent nach oben auf ein neues Rekordhoch. Für die Merck-Familie, die den Konzern kontrolliert, gehe Sicherheit vor, sagte LBBW-Analyst Ulrich Huwald zu Reuters. Stabile Einnahmen im Laborgeschäft seien ihr wichtiger als der Zukauf von noch nicht zugelassenen Medikamenten. "Das wäre mit sehr hohem Risiko verbunden und immer noch sehr teuer, da viele Haifische im Teich schwimmen", erklärte Huwald.

Im Laborgeschäft, das Merck schon 2010 durch die Milliarden-Übernahme des US-Konzerns Millipore gestärkt hatte, sind die Risiken deutlich geringer. Mit dem Zukauf von Sigma-Aldrich verdoppeln die Darmstädter den Umsatz in diesem Bereich nun fast auf 4,7 Milliarden Euro. Da das Laborgeschäft mehr Gewinn abwirft als andere Bereiche des Traditionsunternehmens, werde die operative Gewinnmarge des Merck-Konzerns von etwa 30 auf rund 33 Prozent steigen, rechnete Kuhnert vor.

MERCK RÜCKT THERMO FISHER AUF DIE PELLE

Merck will 140 Dollar je Sigma-Aldrich-Aktie zahlen, gut ein Drittel mehr als der Schlusskurs an der US-Börse Nasdaq vom Freitag. Insgesamt summiert sich das Angebot auf 17 Milliarden Dollar. Das Management des Konzerns aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri hat der Übernahme bereits zugestimmt. "Wir sind davon überzeugt, dass die Transaktion aufgrund der beachtlichen Übernahmeprämie für unsere Aktionäre sehr attraktiv ist", sagte Sigma-Aldrich-Chef Rakesh Sachdev. Die Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Versammlung grünes Licht geben, laut Kuhnert ist dabei eine einfache Mehrheit ausreichend. Sollte Merck wider Erwarten vom Deal zurücktreten, müssten die Darmstädter laut Sigma-Aldrich bis zu 934 Millionen Dollar Entschädigung nach Amerika überweisen.

Sigma-Aldrich produziert und vertreibt über 230.000 Chemikalien und andere Produkte für die Pharmaforschung und andere Labore. Im ersten Halbjahr 2014 machte der Konzern einen Umsatz von knapp 1,4 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 259 Millionen Dollar. Merck verkürzt durch den Zukauf den Abstand zu Marktführer Thermo Fisher, der kürzlich für 13,6 Milliarden Dollar den Rivalen Life Technologies schluckte.

IN ZUKUNFT ALLENFALLS KLEINE ZUKÄUFE

Experten sehen den Schritt von Merck positiv. "Strategisch macht das Sinn", erklärten die Analysten von Barclays. Sigma-Aldrich ergänze das Geschäft der Merck-Sparte Millipore gut und liefere stabile Gewinne ab. Außerdem verbessere Merck seine Stellung am wichtigen US-Markt. Insgesamt hofft Merck durch die Akquisition auf Synergien von 260 Millionen Euro pro Jahr, die sich innerhalb von drei Jahren verwirklichen lassen sollen. Einen Abschluss seines Rekordzukaufs erwartet das Unternehmen bis Mitte 2015, da die Wettbewerbshüter in Europa, Asien und den USA noch grünes Licht geben müssen. Die bisher größte Übernahme von Merck war der Kauf des Schweizer Biotechunternehmens Serono für 10,3 Milliarden Euro, der 2007 abgeschlossen wurde.

Den Sigma-Aldrich-Kauf finanziert Merck durch Barmittel, Bankkredite und Anleihen. Wegen des wachsenden Schuldenbergs würden die Ratingagenturen den Konzern wohl herabstufen, aber nur moderat, sagte Finanzchef Kuhnert. Mercks Bonitätsnote werde auch in Zukunft in einem Bereich liegen, in dem auch risikoscheue Investoren Anleihen kaufen könnten. Um die Schulden abzubauen, werde sich Merck große Zukäufe auf absehbare Zeit verkneifen, unterstrich Vorstandschef Kley. Kleinere ergänzende Übernahmen seien aber weiter möglich.

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28.11.2014, 21:45, Stuttgart

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