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„Ölfonds“ setzt auf Schwellenländer

„Ölfonds“ setzt auf Schwellenländer

Er ist der größte der Staatsfonds der Welt: Der „Staten Pensjonsfond Utland“, besser bekannt als „Ölfonds“ oder „Norwegischer Staatsfonds“, verwaltet derzeit ein Vermögen von 665 Milliarden Euro. Seit 1996 managt der Fonds die Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung Norwegens. Damals wurde er aufgelegt, um den Wohlfahrtsstaat auch nach dem Versiegen der Öl- und Gasquellen finanzieren zu können. Darüber hinaus soll er den Staatshaushalt in Balance halten. „Unser Ziel ist es, die bestmögliche Rendite bei einem akzeptablen Risiko zu erzielen“, sagt Fondsmanager Yngve Slyngstad dem „Handelsblatt“. Seit seiner Auflegung beträgt die durchschnittliche Rendite 5,7 Prozent pro Jahr. Der norwegische Staatshaushalt plant Erträge von vier Prozent ein. Damit liegt Slyngstad absolut im Soll, weist jedoch darauf hin, dass die Gewinnquote in den vergangenen zwei Jahren deutlich höher gewesen sei: Ende 2013 stand ein Plus von 15,9 Prozent.

Der Ölfonds steht unter der Verwaltung der norwegischen Zentralbank, die ihre Anlagerichtlinien vom Finanzministerium erhält. Slyngstad und sein Team dürfen derzeit 60 Prozent in ausländische Aktien, 35 Prozent in Anleihen und fünf Prozent in Immobilien anlegen. 2011 gab es die ersten Immobilienkäufe in Großbritannien  und den USA, weitere Käufe in Deutschland und Frankreich seien geplant. Aktuell besteht das Portfolio zu etwas mehr als einem Prozent aus Immobilien.

Der Fonds hat sich seit 2012 - wegen Schuldenkrise und geldpolitischen Lockerungen - von den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen abgewendet. „Die vier größten Währungen haben in Bezug auf die Staatsverschuldung, die private Verschuldung, die unkonventionelle Geldpolitik und die demografische Entwicklung in diesen Ländern strukturelle Probleme“, erläutert Slyngstad. Anleihen aus der Türkei, Russland, Mexiko und Taiwan stehen dagegen ganz oben auf seiner Liste. 

Auf der Aktienseite ist es dem Fonds verboten, in norwegische Unternehmen zu investieren. Das Risiko einer Überhitzung der heimischen Wirtschaft sei zu groß, wenn der riesige Fonds in die kleine Volkswirtschaft investieren würde. Aufgrund der Krise im Euroraum hat Slyngstad sein Engagement in europäische Aktien in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Derzeit liegt der Anteil von Europa-Aktien im Portfolio bei knapp unter 50 Prozent. Auf 40 Prozent soll es noch heruntergehen. Statt auf Europa stehen für den Fondsmanager die Aktienmärkte Asiens und Lateinamerikas im Vordergrund. Aber auch die Frontier-Markets - Länder wie Kuwait, Oman, Tunesien, Slowakei, Pakistan oder Vietnam - rücken verstärkt ins Blickfeld des Norwegers: „Unser Fonds soll in den meisten Märkten, Ländern und Währungen investieren, um vom Wachstum der Weltwirtschaft profitieren zu können.“ Dazu gehöre, dass neue Märkte hinzukommen. Um diese Märkte analysieren zu können, will Slyngstad die Zahl seiner Mitarbeiter bis 2016 von 370 auf rund 600 erhöhen.

Aktuell ist der Fonds in 31 Währungen auf 58 Finanzmärkten investiert und an 8.213 Unternehmen weltweit beteiligt. Er besitzt 1,3 Prozent aller weltweit ausgegebenen  Aktien. Europaweit sind es 2,5 Prozent. Damit verfügt Slyngstad über Macht an den Finanzmärkten. Aktuelles Beispiel: Aufgrund der Russland-Ukraine-Krise und dem vermeintlichen Abschuss der Passagiermaschine erwägt der Fondsmanager, seine Investitionen aus Russland abzuziehen. Keine guten Nachrichten für Moskau: Der Fonds ist mit rund acht Milliarden US-Dollar in Putins Reich investiert.

(PD)

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29.07.2014, 21:59, RBS Indikation

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