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Pädophilie-Verstrickung belastet grünen Wahlkampf

HANDELSBLATT

Katrin Göring-Eckardt ist grundsätzlich unverdächtig. Sie ist nach der Wende über Bündnis 90 zu den Grünen gekommen – die Pädophilie-Verstrickungen, mit denen sich Jürgen Trittin, der zweite grüne Spitzenkandidat, auseinanderzusetzen hat, gehen auf das Jahr 1981 zurück. Trotzdem wenden sich mehrere Unionsfrauen nun in einem Schreiben an Göring-Eckardt. In einem gemeinsamen Brief, der der „Leipziger Volkszeitung“ vorliegt, fordert die familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dorothee Bär, mit sechs Frauen aus dem Bundesvorstand der Jungen Union Göring-Eckardt auf, sich aktiv in die Aufklärung der Verstrickungen Trittins einzuschalten. „Als Mutter zweier Söhne dürfen Sie zu sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen nicht schweigen“, heißt es in dem Schreiben. Sie müsse „einen übergreifenden Konsens für eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Pädophilie“ erarbeiten.

Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte die Grünen auf, in der Partei einen Beauftragten für die Angelegenheiten von Missbrauchsopfern zu ernennen. „Die Grünen sind dabei, ihre moralischen Ansprüche, die sie jahrelang als Maßstab ihrer Politik geltend gemacht haben, zu verspielen“, sagte Kauder der „Welt“.

So schwelt die Pädophilie-Debatte bei den Grünen wenige Tage vor der Bundestagswahl weiter, an den Wahlkampfständen werden die Grünen immer wieder auf das Thema angesprochen. Wie Anfang der Woche bekannt wurde, war Trittin 1981 für ein Kommunalwahlprogramm verantwortlich, in dem Straffreiheit für gewaltfreie sexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern gefordert wurde. Trittin war unter dem damaligen Programm der Alternativen-Grünen-Initiativen-Liste (AGIL) als eines von fünf Mitgliedern der Schlussredaktion aufgeführt, schrieben die Politologen Franz Walter und Stefan Klecha in einem Beitrag für die Tageszeitung „taz“. Nur hinter Trittins Namen stehe das Kürzel V.i.S.d.P. – die Abkürzung für „Verantwortlich im Sinne des Presserechts“. Trittin war damals Student und Göttinger Stadtratskandidat. Trittin räumte dies als Fehler ein. Diesen falschen Forderungen sei die AGIL nicht energisch genug entgegengetreten. „Dies ist auch meine Verantwortung. Und dies sind auch meine Fehler, die ich bedauere.“ Walter war im Mai von den Grünen mit der Aufklärung der Pädophilie-Verstrickungen in der Frühzeit der Partei beauftragt worden.

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