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Renault: Günstig bewerteter Automobilhersteller

Bad Nauheim (www.aktiencheck.de) - Nach Meinung der Experten von "Aktienservice Research" ist die Aktie von Renault (ISIN FR0000131906/ WKN 893113) ein spekulativer Kauf.

Wenngleich Renault etwas im Schatten der deutschen Premiummarken fahre, gehöre das französische Unternehmen längst zu den erfolgreichsten Automobilkonzernen Europas. Dabei würden die Wurzeln der Gesellschaft bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen, als Louis Renault im Jahr 1898 im Alter von gerade einmal 22 Jahren sein erstes Automobil gebaut habe. Die Voiturette, in einem einfachen Holzschuppen entworfen und produziert, habe 1,75 Pferdestärken auf die Straße gebracht und habe bereits auf dem revolutionären Patent des kettenlosen Antriebes basiert, der die Motorkraft über ein 3-Gang-Getriebe und starre Wellen auf die Hinterachse übertragen habe. Mit den Einnahmen aus der Lizenzierung an die übrigen Automobilhersteller habe Renault den Aufstieg der neuen Automarke finanziert.

In den 70er Jahren habe der Automobilkonzern eine seiner stärksten Phasen der Firmengeschichte erlebt, als man mit neuen Modellen wie dem Renault 5 den Zeitgeist traf und die Jahresproduktion von 1 Mio. auf 2 Mio. Fahrzeuge habe verdoppeln können.

Den endgültigen Aufstieg zum Global Player habe Renault allerdings durch die strategische Allianz mit dem japanischen Autobauer Nissan (ISIN JP3672400003/ WKN 853686) geschafft. 1999 gegründet sei die Renault-Nissan-Allianz die derzeit beständigste überregionale Partnerschaft zwischen großen Automobilherstellern. Gemeinsam würden die beiden Unternehmen zu den drei führenden Autogruppen weltweit gehören und hätten ihre Partnerschaft durch strategische Beteiligungen untermauert. So halte Renault derzeit 43,4% aller Aktien an Nissan, während den Japanern wiederum 15% der Anteile an Renault gehören würden.

2011 habe die Renault-Nissan-Allianz mit 8,03 Mio. verkauften Fahrzeugen einen neuen Rekord aufgestellt und auf einen weltweiten Marktanteil von 10,7% geblickt. Nur General Motors (ISIN US37045V1008/ WKN A1C9CM) und Volkswagen (ISIN DE0007664039/ WKN 766403; VZ) hätten 2011 noch mehr Fahrzeuge ausgeliefert. Heute entwickeln und vertreiben die Franzosen übrigens Automobile unter den drei Marken Renault, Dacia und Renault Samsung Motors in 115 Ländern mit 13.300 Verkaufseinheiten und beschäftigen an 28 Produktionsstätten rund 128.000 Mitarbeiter, so die Experten von "Aktienservice Research".

Die europäische Schuldenkrise habe auch bei den Ergebnissen von Renault im vergangenen Geschäftsjahr deutliche Bremsspuren hinterlassen. Bereits im Bericht zum dritten Quartal habe Renault einen Einbruch der Fahrzeugverkäufe um fast 19% innerhalb Europas gemeldet, der auch durch die starken Verkäufe außerhalb Europas nicht mehr habe wettgemacht werden können, die um fast 8% nach oben gesprungen seien. In einzelnen Regionen wie Osteuropa/Asien und Latein- und Südamerika habe Renault sogar deutlich zweistellige Zuwächse gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnet. Insgesamt habe der Konzern im dritten Quartal mit 596.000 Einheiten weltweit rund 6% weniger Fahrzeuge verkauft als noch ein Jahr zuvor.

Beim Umsatz habe Renault einen Rückgang um 13,3% auf 8,45 Mrd. Euro verkraften müssen. Ein ähnliches Bild dürften auch die Ergebnisse für das Gesamtjahr 2012 abgeben, die der Konzern an diesem Donnerstag bekannt geben werde. Die Experten der Deutschen Bank würden gegenüber 2011 von einem Umsatzrückgang von 42,6 auf 40,4 Mrd. Euro ausgehen. Dennoch dürfte es Renault geschafft haben, das Nettoergebnis des Vorjahres nicht nur zu bestätigen, sondern auch noch von 2,1 Mrd. Euro auf 2,5 Mrd. Euro auszubauen.

Mit zahlreichen Maßnahmen wolle Renault seine Marke in den nächsten Jahren weiter voranbringen und den Konzern auf Profitabilität trimmen. Seit Jahren forsche Renault an spritsparenden Motoren und an einem emissionsfreien Auto, das man als Prototypen zusammen mit dem Partner Nissan bereits habe präsentieren können. Durch eine Erhöhung der Produktion für Kooperationspartner wie Daimler (ISIN DE0007100000/ WKN 710000) möchte man kurzfristig die Auslastung der französischen Werke steigern, für die man bis zum Jahr 2016 einen weiteren Abbau von 7.500 Stellen vorsehe.

Bereits in den vergangenen sieben Jahren habe Renault seine Produktion in Frankreich um 55% und die Beschäftigtenzahl um 43% zurückfahren müssen. Während Renault in den fünf französischen Produktionsstätten mit 12.000 Arbeitern rund 500.000 Autos produziere, arbeite Partner Nissan mit nur einer einzigen Produktionsstätte in Sunderland, 5.070 Arbeitern und 500.000 hätten Autos wesentlich effektiver und kostengünstiger produziert.

Mit einer Modelloffensive zahlreicher Neuheiten und Facelifts bei bestehenden Modellen versuche Renault zudem, der Absatzflaute auf dem europäischen Markt entgegenzuwirken und das Wachstum außerhalb Europas auf hohem Niveau zu halten. So sei in Europa die vierte Version des Clios gestartet, dazu kämen die Markteinführungen des Capturs, Logan II, Sandero II sowie der Markteintritt der Marke Dacia in Großbritannien. Unter dem Motto "Renault 2016 - Drive the Change" hätten sich die Franzosen hohe Ziele gesetzt, die bereits für 2013 den Verkauf von mehr als 3 Mio. Fahrzeugen und einen Free Cashflow von mindestens 2 Mrd. Euro vorsehen würden.

Die meisten Analystenhäuser, die den französischen Automobilkonzern auf ihrer Beobachtungsliste führen würden, würden Renault auf einem guten Weg sehen, in den kommenden Jahren zu wachsen. So würden die Experten der Deutschen Bank bis zum kommenden Jahr mit einem Umsatzanstieg auf 47,5 Mrd. Euro sowie mit einer Steigerung des Nettogewinns auf 2,95 Mrd. Euro rechnen. Zugleich kalkuliere man mit einem Anstieg der Dividende auf 2,75 Euro je Aktie, was mehr als eine Verdoppelung gegenüber der Dividende 2011 und eine Verneunfachung gegenüber der Ausschüttung von 2010 bedeuten würde.

Mit einem KGV von 4 auf Basis der nächstjährigen Gewinnschätzungen der Deutschen Bank und einer zu erwartenden Dividendenrendite von 6,3% sei die Aktie viel zu günstig bewertet. In ihrer Einschätzung von Mitte Januar würden die Analysten der Deutschen Bank die Aktie dann auch mit einem Kursziel von 60 Euro einstufen, das 38% über dem aktuellen Kurs liege.

Charttechnisch habe die Renault-Aktie erst Anfang Februar ein neues 52-Wochen-Hoch markiert und habe seit den Tiefs vom vergangenen Juni um mehr als 50% zulegen können. Solange das Ausbruchsniveau um 42 Euro verteidigt werden könne, habe der Aktienkurs beste Chancen, in den nächsten Monaten zunächst an das Verlaufshoch aus dem Jahr 2011 bei 50 Euro anzusteigen, später dann das Kursziel der Deutschen Bank bei 60 Euro anzupeilen. Das Allzeithoch habe Renault übrigens im Jahr 2007 bei rund 121 Euro markiert.

Nicht umsonst gehöre Renault zu den stärksten Automobilaktien der vergangenen Monate. Die Franzosen hätten es nicht nur geschafft, die Auswirkungen des durch die Schuldenkrise eingebrochenen europäischen Absatzmarktes durch eine starke internationale Expansion abzumildern, sondern hätten die Profitabilität des Konzerns sogar noch weiter ausbauen können. Mit einem geschätzten KGV von 4 und einer Dividendenrendite von über 6% dürfte Renault die günstigste Automobilaktie auf dem europäischen Kurszettel sein und mittelfristig über ein starkes Aufwärtspotenzial verfügen.

Sofern der Aufschwung der Weltwirtschaft nicht wieder zum Erliegen kommt, dürfte sich die Renault-Aktie daher exzellent als langfristiges Investment im Blue-Chip-Bereich eignen, so die Experten von "Aktienservice Research". Den Stopp-Loss sollte man bei 36,00 EUR platzieren. (Aktien Ausgabe 548 vom 13.02.2013) (14.02.2013/ac/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten: Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.

Kurs zu Nissan Aktie

  • 7,04 EUR
  • -0,81%
09.07.2014, 22:25, Tradegate

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