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Rohstoffe: Rein ins Gold

Marktbericht vom Handel mit Rohstoff-ETCs

Nach einem schwachen Jahr 2013 geht Gold als Gewinner aus dem Januar und wird von Investoren wieder gekauft. Industriemetalle und Energieprodukte sind indes weniger beliebt.

5. Februar 2014. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Glänzt das Gold wieder? Eine berechtigte Frage, denn nach fast einem Drittel Wertverlust im vergangenen Jahr hat das gelbe Edelmetall im Januar knapp 4 Prozent gewonnen. „Das ist der erste Monatsgewinn seit August 2013 und eine bessere Performance als Anleihen, Aktien und Dollar“, kommentiert Ole Hansen, Rohstoffexperte der Saxo Bank. Und auch Börsianer scheinen wieder Gefallen an dem Edelmetall zu finden - jedenfalls überwiegt bei ETCs, die die Entwicklung des Goldpreises abbilden, aktuell eindeutig die Kaufseite, wie Jörg Sengfelder von Flow Traders in Amsterdam berichtet. „Anleger kaufen im Moment alles, wo Gold drauf steht. Beliebt sind etwa der db Physical Gold Euro Hedged ETC (WKN A0EK0G) oder Xetra-Gold (WKN A0S9GB)“, weiß der Market Maker.

Auch Bernhard Wenger von ETF Securities beobachtet Kaufinteresse beim Gold: „Investoren stellen sich wieder stärker auf ein unsicheres Marktumfeld ein. Infolge der Kurseinbrüche in den Emerging Markets haben sie ihre Positionen in Gold ausgebaut, um ihrem Portfolio einen 'sicheren Hafen' beizumischen.“ Gold-ETCs hätten in der vergangenen Woche dementsprechend Mittelzuflüsse von 44 Millionen US-Dollar verzeichnet und damit so viel wie seit vergangenen August nicht mehr. „Bislang hat Gold die Aktienmärkte in diesem Jahr überflügelt, unter anderem weil die physische Nachfrage gerade aus China hoch ist. Die Nettoimporte Chinas summierten sich 2013 auf mehr als 1.100 Tonnen und lagen damit rund 33 Prozent höher als im Jahr zuvor“, ergänzt Wenger.

Am heutigen Mittwochmittag notiert die Feinunze bei 1.258 US-Dollar und liegt seit Jahresbeginn damit rund 3,8 Prozent im Plus.

Schlechte Voraussetzungen für große Sprünge

Viele Analysten bleiben allerdings weiterhin skeptisch und schätzen das Aufwärtspotenzial der Feinunze als begrenzt ein. Aus Sicht von Heinrich Peters, Rohstoffanalyst der Helaba, wäre Gold in diesem Jahr eigentlich die ultimative Gegenspekulationsanlage. Damit ein solches Investment aber wirklich erfolgreich sein könne, brauche es auch Wendepunkte im fundamentalen Umfeld. „Bei Gold wären das ein dramatischer Anstieg der Inflationserwartungen, ein Dollar-Crash oder ein großer Verlust bei Nominalforderungen aufgrund erodierender Schuldnerqualität. Weder das erste noch das zweite sind gegenwärtig abzusehen“, erklärt Peters.

Mit Blick auf bestimmte Gläubiger gerade auch in den Schwellenländern könnte das dritte Argument nach Einschätzung des Analysten kurzfristig zwar wieder ziehen, allerdings würde dies dem US-Dollar noch mehr Auftrieb geben. „Das gelbe Metall mag sich zwar stabilisieren, für große Sprünge fehlen trotz kurzfristiger ‚Short-Eindeckungen’ aber die Voraussetzungen“, lautet daher das Fazit des Experten.

Langfristig weiter im Abwärtstrend

Und auch aus charttechnischer Sicht besteht aktuell offenbar kein Grund zu überschäumender Euphorie gegenüber dem Goldpreis. „Die Turbulenzen an den Aktienmärkten lassen die Edelmetalle bislang noch kalt. Besonders bei Gold ist zu beobachten, dass zwar kein Abwärtsdruck besteht, die Bereitschaft zum Ausbruch nach oben scheint bei den Anlegern allerdings auch nicht besonders ausgeprägt zu sein“, erläutert Christoph Geyer, technischer Analyst der Commerzbank. Zwar sei die Chance auf einen Ausbruch nach oben weiterhin vorhanden, bislang könne aber lediglich von einer Korrektur im bestehenden Abwärtstrend gesprochen werden.

So sieht das auch Wieland Staud von Staud Research: „Denn trotz der Krisensymptomatik an den Aktienmärkten konnte die Feinunze vergangene Woche so gut wie keinen Boden gut machen. Die Abgabebereitschaft wurde schon rund um den nächstgelegenen, wichtigen Widerstand bei 1.265 US-Dollar so groß, dass kein Durchkommen war“, analysiert der Charttechniker. Dennoch deute die aktuelle technische Verfassung nicht auf eine unmittelbare Fortsetzung des langfristigen Abwärtstrends hin. „In den kommenden Wochen dürfte sich die Erholung der vergangenen Wochen fortsetzen. Kurse um 1.350 US-Dollar sind möglich.“ Langfristig geht Staud allerdings weiterhin von Kursen um 1.000 US-Dollar je Feinunze aus.

Industriemetalle auf der Abgabeseite

Während das Gold unter Anlegern wieder beliebt ist, kommen Industriemetalle angesichts zuletzt enttäuschend ausgefallener Konjunkturdaten hingegen unter die Räder. „Insgesamt trennen sich die Investoren derzeit von zyklischen Rohstoffen, wie Basisindustriemetallen. So verzeichnete der ETFS Copper (WKN A0KRJU) im Zuge eines nachgebenden chinesischen Einkaufsmanagerindexes in der vergangenen Woche Mittelabflüsse von 14,8 Millionen US-Dollar“, kommentiert Wenger. Und auch Sengfelder führt ETCs, die die Entwicklung von Industriemetallen abbilden, überwiegend auf der Verkaufsseite. So etwa den ETFS Industrial Metals DJ-UBSCI (WKN A0KRKG). Beim ebenfalls für industrielle Zwecke genutzten Edelmetall Silber hielten sich Zu- und Abflüsse indes weitestgehend die Waage.

Ausgebaut haben Investoren laut Wenger hingegen ihre Platinpositionen (WKN A0N62D). „Denn die Streiks in den südafrikanischen Minen weiten sich aus und die Förderung von Platin wird daher verknappt“, weiß der Rohstoffexperte.

Nach Einschätzung der Helaba lastet derzeit vor allem das „Wachstumsrisiko China“ auf den Notierungen von Industriemetallen. „Selbst wenn es wie von uns erwartet nicht zu einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft kommt, dürfte der weitaus größte Metallverbraucher 2014 als positiver Treiber bei Primärmetallen an Gewicht verlieren“, prognostiziert Peters. Infolge der Reformierung des Finanzsektors in China könnte aus Sicht des Analysten sogar die auf Finanzgeschäften basierende Metallnachfrage weniger dynamisch ausfallen. „Ebenso wie jüngste Exportbeschränkungen versprechen Sondereffekte keinen nachhaltigen Rückenwind angesichts des zumeist noch wachsenden Angebots.“ Allerdings müsste die Belebung der Industriekonjunktur in den OECD-Ländern nach Einschätzung von Peters allmählich wieder die Preise stützen.

Anleger setzen auf sinkende Energiepreise

Auf den Energiemärkten stellen sich Investoren offenbar bereits auf den Frühling und einen sinkenden Energiebedarf ein. „Nachdem durch die kalte Witterung in den USA die Lagerbestände gesunken und der Kurs von Erdgas auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen ist, nehmen die Investoren nun Gewinne mit“, erklärt Wenger. Der ETFS Natural Gas habe in der vergangenen Woche Mittelabflüsse von rund 41 Millionen US-Dollar. Positionen im Short-ETC, der die Entwicklung des Erdgas-Preises invers abbildet, seien hingegen ausgebaut worden.

Ganz Ähnlich ist auch die Entwicklung bei Öl-Produkten, wie Sengfelder beobachtet. „Nachdem die meisten Leute in den vergangenen Wochen aus Öl-ETCs ausgestiegen sind, wird jetzt mit Short-Produkten auf sinkende Preise gesetzt“, weiß der Market Maker und spricht von einem klaren Kaufüberhang etwa im ETFS Short WTI Crude Oil (WKN A0V9XY), der die Preisentwicklung der US-Sorte WTI invers abbildet.

von Karoline Kopp, Deutsche Börse AG © 5. Februar 2014

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